Schlecker-Insolvenzverwalter verklagt weitere Lieferanten

Der Schlecker-Insolvenzverwalter verklagt weitere ehemalige Lieferanten wegen illegaler Preisabsprachen auf Schadenersatz in Millionenhöhe.

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Am Landgericht Frankfurt sei bereits in der vorigen Woche Klage gegen das sogenannte Drogerieartikel-Kartell eingereicht worden, bestätigte ein Sprecher der Insolvenzverwaltung am Mittwoch. Verwalter Arndt Geiwitz fordere von den Unternehmen knapp 182 Millionen Euro.

Der Insolvenzverwalter fordert von ehemaligen Lieferanten der früheren Drogeriemarktkette Schadenersatz in insgesamt dreistelliger Millionenhöhe. Die ersten Klagen waren bereits Ende Juni beim Landgericht Stuttgart eingereicht worden. Die ehemaligen Schlecker-Lieferanten waren vom Bundeskartellamt und der EU-Kommission der Preisabsprache für schuldig befunden worden.

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Kommentare

20.07.2016 17:33 Uhr

Zerstörtes Subjekt

"Örrjenz" (Schröder-Deutsch für "übrigens"): Frau Gabriele Kögel, die Tochter des Gründers F. X. Kögel, lud mich gemeinsam mit dem damaligen Betriebsratsvorsitzenden, Mölter, dem Leiter des Personalwesens, Beyer, und dem inzwischen früh verstorbenen Verantwortlichen für die Betriebsorganisation, Wildermuth, zu Beginn der 1990er Jahre auf ein Gespräch am Firmensitz in der Daimlerstraße im Industriegebiet Donautal ein. Zentraler Gegenstand war die Gruppenarbeit und der bei Kögel zumindest im Ansatz vollzogene Wechsel des Rationalisierungsparadigmas menschlicher Arbeit. Zum Vergleich: Die Volkswagen AG ging diesen Schritt zur selben Zeit (D'Alessio/Oberbeck, in: Klitzke/Betz/Möreke (Hrsg.), 2000: 103). Besonders schmerzlich ist deshalb, dass vor allem die aufgeklärten Belegschaftsteile der sehr viel prominenteren Volkswagen AG gegenwärtig Dritten als bloßes Objekt für ihre sadistischen Projektionen zu Diensten sein müssen und die erst kürzlich von Herrn Müller vorgestellte Strategie bis zum Jahr 2025 dadurch ungeahnte Beeinträchtigungen erfährt.

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20.07.2016 16:00 Uhr

Baden-Württemberg gibt Gewaltmonopol preis

Am Beispiel der wiederholt eingetretenen Zahlungsunfähigkeit des Fahrzeugherstellers Kögel wandte ich mich sogar schriftlich an die jeweils dafür zuständigen Insolvenzgerichte sowohl in Ulm als auch in Neu-Ulm und machte kraft der mir verliehenen Amtsträgereigenschaft als universitär studierter Sozialwissenschaftler darauf aufmerksam, dass gemäß der ständigen Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts die absolut gezogenen Grenzen, innerhalb denen ein Unternehmen tätig sein darf, von Dritten überschritten worden sind und der dementsprechend von der Allgemeinheit gewährte Spielraum sich in unzulässiger Weise verengt hat. Für beide Schreiben gibt es immer noch keine Stellungnahmen. Wenn man so will, lässt sich also sagen, dass die Länder Baden-Württemberg und Bayern sich von illegitimen Vereinigungen bestimmter Bevölkerungsgruppen das unveräußerliche Gewaltmonopol haben infrage stellen lassen. Wie im Fall Schlecker sind dabei die Leidtragenden die ehemaligen Belegschaftsangehörigen, die insbesondere bei Kögel nachweislich hochqualifiziert in eine dafür nicht geschaffene Transfergesellschaft zu wechseln hatten, weil sie angeblich schlecht ausgebildet dort ihre vermeintlichen Defizite aufholen sollten.

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20.07.2016 14:18 Uhr

Offene strafrechtliche Fragen

Kurz nachdem Herr Schlecker in Ulm vor Gericht die Zahlungsunfähigkeit angemeldet hatte, kritisierte ich hier im Leserforum der SÜDWEST PRESSE die zahllosen Praktiken Dritter, welche den ansonsten umfassend geschützten Spielraum unternehmerischer Initiative illegitim restringieren. Daraus schloss ich, dass den Drogeriemärkten an sich beste Aussichten beschieden sind, gestärkt das hoheitlich angestoßene Verfahren zu verlassen. Voraussetzung ist allerdings ein Innehalten in dem besagten Frevel. Insofern diese Voraussetzung nicht erfüllt wurde, blieb dem bestellten Insolvenzverwalter keine andere Wahl, als den Betrieb stillzulegen. Es geht daher weniger um einen etwaigen Schadenersatz gegenüber einem Lieferantenkartell, sondern vielmehr darum, die in Rede stehende Willkür in ihre Schranken zu weisen, die allen voran die Person von Herrn Geiwitz gewaltsam zu Entscheidungen zwang, die noch heute jedweder einschlägigen Erkenntnis zuwider laufen. Sobald die zivilrechtlichen Ansprüche in dreistelliger Millionenhöhe befriedigt sind, harren demgemäß die strafrechtlich noch offenen Fragen ihrer Antwort; wobei der Souverän die Staatsanwaltschaft dazu auffordert, solch ein vorrangiges Offizialdelikt von sich aus aufzuklären anstatt nachrangig auf dessen Anzeige durch Private zu warten.

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Themenschwerpunkt

Die Schlecker-Pleite

2012 meldete Schlecker, Europas ehemals größte Drogeriemarktkette, Insolvenz an. Damals hatte Schlecker noch 7000 Filialen und etwa 30.000 Mitarbeiter.

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