S 21: Umwelthilfe will Kontrollen der Baufahrzeuge

Um der dicken Luft im Stuttgarter Talkessel Herr zu werden, müssen aus Sicht der Deutschen Umwelthilfe (DUH) auch die Baumaschinen auf der Bahnhofsbaustelle besser kontrolliert werden.

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Um der dicken Luft im Stuttgarter Talkessel Herr zu werden, müssen aus Sicht der Deutschen Umwelthilfe (DUH) auch die Baumaschinen auf der Bahnhofsbaustelle besser kontrolliert werden. Zwar habe man die Unternehmen auf der Großbaustelle für Stuttgart 21 gerichtlich zum Einbau von Dieselrußpartikelfiltern verpflichten können, "das kontrolliert aber niemand", kritisierte DUH-Bundesgeschäftsführer Jürgen Resch am Montag in Stuttgart.

Die Baustelle für den neuen Stuttgarter Hauptbahnhof liegt neben Deutschlands Feinstaub-Hotspot "Am Neckartor". Die EU-Grenzwerte für Feinstaub und für Stickstoffdioxid werden seit Jahren überschritten.

Resch forderte erneut, die Abgaswerte von Autos nicht nur auf dem Prüfstand zu messen, sondern auf der Straße. Er ist sich sicher, dass viele Diesel-Modelle dann die höchsten Abgasnormen nicht einhalten. Die DUH will saubere Luft auf dem Gerichtswege einklagen.

Als Sofortprogramm für bessere Luft in Stuttgart verlangte Resch Fahrverbote, etwa für Busse ohne Stickstoffreinigungsanlagen und für Diesel-Taxis. Eine Analyse der Landesanstalt LUBW hatte zuletzt 2014 auf den Staubfiltern an Messstellen in der Innenstadt erhöhte Anteile von Calcium, Magnesium und Aluminium nachgewiesen, was nach Angaben der Experten typisch ist für Baustellen-Feinstaub.

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05.05.2016 23:01 Uhr

Dicke Luft auch um Merkels Lieblingsprojekt

Nach einem ungewöhnlich langen Prüfverfahren, das seit mehr als drei Jahren läuft, soll die Bundesregierung demnächst den mit Spannung erwarteten Prüfbericht des Bundesrechnungshofs zum Weiterbau von Stuttgart 21 erhalten. Die abschließende Prüfmitteilung werde derzeit erstellt ...

Bereits 2008 ermittelte der Bundesrechnungshof, dass die offiziellen S21-Kostenangaben des Konzerns und der Regierung von damals 3,1 Milliarden Euro viel zu niedrig sind. Damals berechneten die Experten schon „deutlich über 5,3 Mrd. Euro“ und warnten auch den Bundestag vor hohen Mehrkosten. Die Finanzierungsverträge wurden bald darauf dennoch unterschrieben und der Bau begonnen.

Ende 2012 musste DB-Chef Rüdiger Grube einräumen, dass die mittlerweile auf bis zu 4,5 Milliarden Euro korrigierten Kosten nochmals um mehr als 50 Prozent auf bis zu 6,8 Milliarden Euro steigen könnten. In den zuständigen Bundesministerien wurde der Abbruch des Projekts erwogen, wie die Stuttgarter Zeitung damals anhand eines internen Dossiers des Verkehrsressorts aufdeckte. Das Kanzleramt nahm aber Einfluss auf die Weiterführung, wie interne und inzwischen von S21-Kritikern veröffentlichte Dokumente zeigen:

www.strafvereitelung.de

Regierungschefin Angela Merkel beschrieb seinerzeit S21 als Projekt von nationaler Bedeutung. Am 5. März 2013 stimmte der DB-Aufsichtsrat, in dem der Bund und die Gewerkschaft EVG die Mehrheit haben, dem Weiterbau zu. Und das trotz Mehrkosten von bis zu 2,3 Milliarden Euro, einer riesigen Finanzierungslücke und einer milliardenschweren Zusatzbelastung für den Konzern, die S21 für das inzwischen defizitäre und hoch verschuldete Unternehmen zum gewaltigen Verlustgeschäft machen kann. (...)

http://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.bundesrechnungshof-und-s-21-pruefungen-zu-stuttgart-21-vor-dem-abschluss.b1c4dd31-ecdd-4ae9-afb7-26ef642eab1d.html

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05.05.2016 17:42 Uhr

S21 - dicke Luft, die zum Himmel stinkt

Die LUBW (Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz) untersuchte die Feinstaubpartikel auf den Staubfiltern der beiden Messstationen Am Neckartor und Arnulf-Klett-Platz genauer und fand erhöhte Anteile von Calcium, Magnesium und Aluminium.

„Diese Stoffe sind typische Inhaltsstoffe von Mineralstäuben, wie sie im Umfeld von Baustellen auftreten und zeigen, dass die Ursache für die zusätzlichen Staubemissionen die Vielzahl an Baumaßnahmen rund um den Stuttgarter Bahnhof sind. Der mineralische Baustaub verteilt sich direkt von der Baustelle sowie durch den Transport von Baumaterial und -aushub. Deshalb waren die Feinstaubwerte an den beiden Messstellen erhöht."

Ergo, diese Feststellungen geben keinen Grund zur Verharmlosung des Problems. Außerdem, nicht zu vergessen, zugunsten des Tunnelwahnprojektes Stuttgart 21 hat man zwischen Hbf und Neckartor 290 zum großen Teil jahrhundertealte Bäume gefällt, die mithalfen, den Feinstaub zu binden. Dieser willkürliche Baumfrevel hat sich seitdem bitter gerächt.

http://www4.lubw.baden-wuerttemberg.de/servlet/is/254655/

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