S 21 soll noch teurer werden

Spekulationen um Stuttgart 21 reißen nicht ab: Laut Informationen aus Bahnkreisen soll das Projekt 1,5 Milliarden Euro zu teuer werden. Jetzt muss die Bahn jemanden finden, der sie finanziell unterstützt.

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Wenige Tage vor der Aufsichtsratssitzung bei der Bahn schießen die Spekulationen über eine erneute Kostenexplosion für Stuttgart 21 ins Kraut. Nachdem Projektgegner und Experten von außerhalb des Konzerns in den vergangenen Jahren immer wieder über Zusatzkosten gemutmaßt haben, scheinen die Informationen jetzt aus der Bahn selbst zu kommen. Der Hessische Rundfunk zitierte gestern einen Vertreter des Bahn-Konzerns mit den Worten: "Insgesamt läuft es auf Kosten von sechs Milliarden hinaus." Noch vor wenigen Tagen hatte es aus dem Umfeld der Bahn geheißen, die Kosten würden um eine Milliarde Euro steigen. Schon damit liegt die Summe weit über dem von den Projektpartnern vereinbarten Kostendeckel von 4,5 Milliarden Euro. Das Verkehrsberatungsbüro Vieregg-Rösler wartet nach einem Bericht des "Tagesspiegels" sogar mit einer Summe von 8,7 bis 10 Milliarden Euro auf. Schon die von Bahnchef Rüdiger Grube einmal als "Sollbruchstelle" bezeichnete Summe von 4,5 Milliarden Euro beträgt rund das 1,6-Fache von den anfänglichen Schätzungen der Bahn; diese lagen 2004 bei 2,8 Milliarden Euro.

Licht ins Dunkel will Bahnvorstand Volker Kefer in der kommenden Woche bringen: Am Dienstag will er mit der jüngsten Kalkulation in den Vorstand, am Mittwoch in den Aufsichtsrat gehen. "Am Mittwoch kommt alles auf den Tisch", zitiert der Hessische Rundfunk einen Informanten. Die Aufsichtsräte werden sich auch mit der Frage konfrontiert sehen, ob das Projekt sich überhaupt noch rechnet. Denn Bahnchef Rüdiger Grube hatte öffentlich gesagt, dass S 21 bei Kosten über 4,7 Milliarden Euro nicht mehr wirtschaftlich sei. Für FDP-Fraktionschef Hans-Ulrich Rülke allerdings ist das Projekt unumkehrbar. Ein Stopp käme teurer als ein Weiterbau, sagte er der "Pforzheimer Zeitung": "Und bei einem Stopp hätte man nichts, keinen modernen Bahnhof, keine Schnellbahnstrecke Wendlingen-Ulm." Allerdings müsse die Bahn als Bauherrin die Mehrkosten übernehmen.

Das Projekt ist seit dem Spatenstich im Februar 2010 nicht sehr weit gediehen. Nur für das Technikgebäude ist eine tiefe Grube ausgehoben worden. Die Verzögerungen, wegen derer die Inbetriebnahme des geplanten Tiefbahnhofes immer wieder verschoben wurde, und die daraus resultierende Inflation könnten zu Kostensteigerungen beitragen.

Die zusätzlichen Kosten für einen kundenfreundlicheren Filderbahnhof, verbesserten Brandschutz und Folgen aus der Schlichtung summieren sich "nur" auf gut 300 Millionen Euro. Die Züge sollen 2021 in den Tiefbahnhof einrollen.

Auch für das Land Baden-Württemberg dürften die neuen Zahlen Kefers interessant sein. Seit Ende 2011 sei die grün-rote Landesregierung, die mit immerhin 930 Millionen Euro mit von der Partie ist, nicht mehr über Chancen und Risiken des Milliardenprojekts informiert worden, sagte ein Sprecher des Landesverkehrsministeriums. Die aus ihrer Sicht mangelnde Transparenz des Konzerns ist Grund für ein ewiges Lamento von Verkehrsminister Winfried Hermann und Ministerpräsident Winfried Kretschmann. Ungeachtet der möglichen, immensen Kostensteigerungen machen sie immer wieder klar, dass ein Beitrag über den bisherigen hinaus nicht infrage kommt. Auch der Verband Region Stuttgart könnte noch mit ins Boot geholt werden; er hat bereits fünf Millionen Euro zugesagt. Alles andere - so macht S-21-Befürworter Schmiedel deutlich - sei "Sache der Bahn".

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