Ringen um Biberacher Landrats-Posten

Normalerweise sind amtierende Landräte tabu. Nicht in Biberach. Dort will Matthias Frankenberg (CDU) den parteilosen Heiko Schmid ablösen - mit Hilfe von Schmids Vorgänger Peter Schneider.

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Eine der ersten Amtshandlungen des Biberacher Landrats Heiko Schmid (parteilos) vor acht Jahren war, den Kreismarsch, den sein Vorvorgänger Wilfried Steuer als Warteschleife für die Telefonzentrale ausgesucht hatte, aus dem Verkehr zu ziehen. Schmid war der Musikstil für den aufstrebenden, wirtschaftlich innovativen Landkreis zu traditionell. Das nahm Steuer (CDU) dem früheren Bürgermeister von Pfullendorf übel.

Doch Steuer hat Schmid längst verziehen. Das 81-jährige Urgestein pflegt mit dem 54-jährigen Landrat "das beste Verhältnis". Dass Schmid kein CDU-Parteibuch besitzt, sieht Steuer gelassen. Andere sehen das anders. Insbesondere jener, der zwischen Steuer und Schmid Landrat war: der heutige Sparkassenpräsident und Biberacher CDU-Landtagsabgeordnete Peter Schneider. Der einflussreiche Abgeordnete macht keinen Hehl daraus: Er will, dass Schmid nach acht Jahren abgelöst wird. 2006 wollte er, dass der Hauptgeschäftsführer der IHK Ulm-Oberschwaben, Otto Sälzle (CDU), sein Nachfolger wird. Doch der unterlag Schmid mit 29:31 Stimmen. Am Freitag tagt der Kreistag und trifft die Entscheidung.

Normalerweise sind amtierende Landräte in Baden-Württemberg tabu, sofern sie im Amt bleiben wollen. Niemand macht ihnen den Posten streitig. Ihre Wiederwahl wird zur Ein-Mann-Show. Es gibt nur wenige Ausnahmen dafür, dass der amtierende Landrat angetastet wurde. 1981 hob Heinrich Haasis (CDU) in Balingen den SPD-Landrat Erhard Lazi aus dem Sattel. Ein anderes Beispiel fand Anfang Juni in Waldshut statt. Dort gewann Martin Kistler (parteilos) knapp gegen Tilmann Bollacher (CDU).

Gibt es die Ausnahme von der Ausnahme nun auch in Biberach? Der 45-jährige Matthias Frankenberg (CDU) macht Schmid das Amt streitig. Der Vize-Landrat aus dem Zollernalbkreis kann dabei auf die Unterstützung von Schneider rechnen. "Schneider hat nicht verwunden, dass Sälzle nicht rankam", sagt der 81-jährige Steuer freimütig.

Nach Steuers Beobachtung hat sich Schneider ohnehin laufend in die Politik seines Nachfolgers eingemischt. Das hält er für unfair: "Er soll da die Finger davon lassen." Und gleich danach gibt es von Steuer ein durchaus überraschendes Bekenntnis: Ihm ist nicht so wichtig, welches Parteibuch der Landrat von Biberach hat. Und den Kreisräten empfiehlt der Elder Statesman, sich nicht sklavisch an die Fraktionsdisziplin zu halten.

Die Wahl wird auf jeden Fall spannend, und sie scheint offen zu sein. Das Pikante an der Sache: Schneiders Frau Rosemarie wählt als eine von 25 CDU-Kreistagsmitgliedern mit. Als Kritikerin von Schmids Krankenhauspolitik hat sie es am 25. Mai in den Kreistag geschafft.

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