Reinhold-Maier-Medaille: Liberale ehren die Neue Zürcher Zeitung

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Seit Beginn 1989 waren es immer Persönlichkeiten, die sich „in besonderer Weise um den Liberalismus und den Wert der Freiheit verdient gemacht haben“, die mit der Reinhold-Maier-Medaille ausgezeichnet wurden: darunter Politiker, vornehmlich solche mit FDP-Parteibuch, aber auch Publizisten, wie die einstige  Zeit-Herausgeberin Marion Gräfin Dönhoff oder der frühere Chefredakteur der SÜDWEST PRESSE, Ulrich Wildermuth. Mit der Neuen Zürcher Zeitung (NZZ) erhielt am Samstag erstmals eine Institution die Ehrung. Mit der Medaille wird an den ersten baden-württembergischen Ministerpräsidenten Reinhold Maier erinnert.

Ludwig Theodor Heuss, Enkel des ersten Bundespräsidenten und in Zürich arbeitender Chef­arzt, würdigte die seit 1780 erscheinende NZZ, die zu den Leitmedien im gesamten deutschsprachigen Raum zählt: Keine andere Zeitung bekenne sich so klar „zum Liberalismus als formender Idee ganzer Freiheit überall“, wie dieser „Fixstern der Freiheit“. Eine Anzeige wie derzeit in eigener Sache: „Wir denken nicht rechts oder links, sondern liberal“, sei einzigartig. Heuss hob den „scharfen, wohltuend unabhängigen Blick“ des Blattes hervor, sein „legendäres Korrespondentennetz“, die „breite Verwurzelung im liberal gesinnten Bürgertum.“

2500 Eigentümer

Die  NZZ gehört rund 2500 Aktionären,  der Aktienbesitz ist auf ein Prozent begrenzt ist. Nur natürliche Einzelpersonen mit Schweizer Pass und gern gesehener Mitgliedschaft bei der eidgenössischen FDP können Anteile erwerben. Heuss: „Dem Liberalismus ist man über das liberale Mitglied verpflichtet.“

NZZ-Chefredakteur Eric Gujer – „wir halten uns für einen durchaus passenden Preisträger“ – ist erst der vierte Chefredakteur seit den 30er Jahren. Eine Parteizeitung, sagt er, sei die NZZ heute nicht mehr, auch sei es nicht mehr Usus, dass Redakteure als Freisinnige Demokraten gleichzeitig als Parlamentarier wirkten: „Diese Synergieeffekte passen nicht mehr in die Zeit.“ Aber die NZZ sei eine Zeitung, „die Partei für die liberale Sache ergreift“, das heiße: „kein Mainstream, sondern klare Kante.“ Damit verzeichne die NZZ, die nur zahlende Kunden zählt, wachsenden Zuspruch.

Gujer, der lange Korrespondent in Deutschland war, warnte vor dem inflationären Gebrauch der „Worthülse“ Populismus, mit der alles abqualifiziert werde, was nicht ins eigene Weltbild passe. Besser sei es, wenn Demokraten selbstbewusst die Demokratie verteidigten, die insgesamt „vernünftige Resultate“ hervorbringe, sagte Gujer. Bettina Wieselmann

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Kommentare

12.12.2016 17:16 Uhr

Antwort auf „Leser geben NZZ nach Belieben preis”

Der auf der Plattform der NZZ von einem Leser ausdrücklich zur Linderung aller Gebrechen angepriesene Wundertrunk heißt übrigens vollständig "Augsburger Original" und trägt den Untertitel "Naturtrübes Kellerbier".

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12.12.2016 16:00 Uhr

Leser geben NZZ nach Belieben preis

Macht man die Probe aufs Exempel, lassen zumindest die Beiträge der im Internet kommentierenden Leser keine Rückschlüsse auf eine "breite Verwurzelung im liberal gesinnten Bürgertum" zu, wie anlässlich der Verleihung der Reinhold-Maier-Medaille an die Neue Zürcher Zeitung (NZZ) behauptet wird. Geht es beispielsweise um Antworten auf die zentrale Frage, wodurch sich ein Mangel an klarer sozialer Struktur notwendig gewärtigen lässt, der nachweislich pathogenen Einfluss auf die weitere Lebensgeschichte hat, verlieren sich nicht wenige Nutzer der dortigen Online-Ausgabe in dem völlig falschen Heilsversprechen, dass insbesondere der Konsum von Alkohol eines bestimmten Herstellers ("Augsburger Keller-Bier") unter Garantie hilft. Letztlich bedienen sich Dritte der gebotenen Möglichkeit, öffentliche Diskurse zu befördern, um sich einem Obskurantismus zu verschreiben, der jedwede Aufklärung ad absurdum führt. Insofern lohnt es sich nicht, ein Presseerzeugnis zu würdigen, das von seiner eigenen Leserschaft nach Belieben preisgegeben wird.

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