Rasende Hebammen am Feldberg

Hebammen sind es in der Regel gewohnt, mit Tempo unterwegs zu sein. Wenn Kinder zur Welt kommen möchten, verlieren etliche dabei keine Zeit, sondern drängen zügig ans Licht.

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Frauen waren von Anfang an in Skiclubs und bei Rennen erwünscht. Ob darunter Hebammen waren, ist unklar.  Foto: 

Für Hebammen, zumindest für die freischaffenden und in der Geburtshilfe tätigen, heißt das, sich bei den ersten Wehen schleunigst auf den Weg zu machen, um Mutter und Kind beizustehen. So war das schon immer, so ist das heute noch. Anders ist heute nur, dass es kaum mehr selbstständige Hebammen gibt, die in der Geburtshilfe tätig und zum Beispiel bei Hausgeburten dabei sind. Sie können sich den astronomisch hohen Beitrag für ihre Berufs-Haftpflichtversicherung von über 6000 Euro im Jahr nicht mehr leisten. Aber das ist eine andere, traurige Geschichte.

Hier soll es um rasende Hebammen auf zwei Brettern, um ein Riesen-Slalom-Rennen und vor allem viel Spaß gehen. Den möchten 81 Geburtshelferinnen aus ganz Deutschland haben. Deshalb haben sie sich zur ersten deutschen alpinen Skimeisterschaft der Hebammen am Feldberg angemeldet. Ja, das gibt es. Volker Haselbacher von der Hochschwarzwald Tourismus GmbH (HTG) vermutet, dass es das weltweit erste Skirennen für Hebammen ist, ist sich aber nicht sicher. Das ist auch nicht so wichtig. Sicher ist, dass das Skirennen, das am Samstag um 12 Uhr am Feldberg gestartet wird, etwas Außergewöhnliches ist.

Den Anlass dazu bietet das Jubiläum "125 Jahre Skilauf im Schwarzwald", das in diesem Jahr mit vielen Veranstaltungen gefeiert wird. Am 8. Februar 1891 stampfte der französische Diplomat Robert Pilet mit seinen "norwegischen Schneeschuhen" als erster Mensch im tiefsten Winter auf den Feldberg. Sein Abenteuer blieb nicht unbemerkt, und das Skilaufen als Freizeitbeschäftigung und Sportart fand immer mehr Freunde. Hebammen und Briefträger waren zu der Zeit, als die Winter noch lang und hart waren, mit die ersten, die die Skier auch beruflich nutzten. Wenn die Hebammen mitten im Winter zu den entlegenen Höfen gelangen sollten, war ihr Weg durch den tiefen Schnee oft mühsam und kräftezehrend. Es sind Geschichten überliefert, in denen erzählt wird, dass kräftige Schulbuben auf Skiern den Geburtshelferinnen den Weg durch den Schnee gespurt haben, damit sie nicht völlig erschöpft zur Geburt angekommen sind.

Wenn die Hebammen am Samstag die Skier anschnallen, dann nicht zu Arbeitszwecken, sondern um Spaß zu haben. Susanne Schwarzmann aus Weil am Rhein ist eine der 81 Hebammen, die sich zum Riesen-Slalom angemeldet haben. Sie freut sich seit Wochen darauf, Kolleginnen zu treffen und mit ihnen die rund 600 Meter lange "rote" Piste am Seebuck runterzufahren. "Rot" bedeutet, dass die Rennstrecke mittelschwer ist. Sie hat sich mit zehn anderen Geburtshelferinnen aus dem Elisabethenkrankenhaus in Lörrach angemeldet. "Wir sind alle skibegeisterte Hebammen." Susanne Schwarzmann findet die Idee toll und vor allem, dass "mal was für die Hebammen gemacht wird". Sie sieht das Rennen völlig entspannt.

Zwei Hebammen sind aus Greifswald und Wismar angereist, eine aus dem Hunsrück. Die Frau aus Wismar an der Ostsee ist seit Mittwoch am Feldberg und hat Skikurse belegt. Vermutlich hatte sie an der Küste nicht so viele Trainingsmöglichkeiten. Nur ein Drittel der Frauen, die dabei sind, kommen aus Südbaden, die anderen aus dem ganzen Bundesgebiet.

Die wenigsten hätten den Ehrgeiz, unbedingt gewinnen zu wollen, sagt Volker Haselbacher von der HTG. "Sie wollen vor allem gut runterkommen und dabei sein." Doch es wird Gewinnerinnen geben. Neben viel Ruhm und Ehre bekommen sie pinkfarbene Pokale.

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