Rätsel um Sprengstoff-Anschlag

Sechs Männer werden verdächtigt, an einem Anschlag mit einer Handgranate in Villingen beteiligt gewesen zu sein. Sie stehen seit gestern in Konstanz vor Gericht.

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„Ich habe der Polizei erzählt, was sie hören wollte.“ Mit diesem Satz hat gestern einer der sechs Angeklagten vor dem Landgericht Konstanz seine bis dahin durchaus vorhandene Glaubwürdigkeit zerstört. Der 24-jährige F. war einer von nur zwei Beschuldigten, die bereit waren, Aussagen zum Handgranaten-Anschlag in der Nacht zum 29. Januar 2016 zu machen. Damals war kurz nach Mitternacht eine Handgranate auf das Gelände einer Flüchtlingsunterkunft in Villingen geworfen worden. Die Granate explodierte nicht, niemand kam zu Schaden. Dennoch versetzte der Anschlag die Doppelstadt und die Region in Aufregung, weil zunächst der Verdacht bestand, es handle sich um einen Anschlag von Rechtsextremen gegen die Flüchtlinge. Der hat sich in den Ermittlungen nicht bestätigt.

Weil die Handgranate in Richtung des Containers des Sicherheitsdienstes geworfen worden war, kam schnell die Vermutung auf, der Anschlag könnte den Security-Mitarbeitern gegolten haben. Davon geht die Staatsanwaltschaft in ihrer Anklage aus. Das hat auch der 24-jährige F. gestern am ersten Verhandlungstag bestätigt. Er und die fünf anderen Beschuldigten im Alter von 23 bis 38 Jahren stehen im Verdacht,  an dem Anschlag beteiligt gewesen zu sein. Drei von ihnen sind in Haft. Sie sind angeklagt wegen versuchten Mordes, versuchtem Herbeiführen einer Sprengstoffexplosion und wegen des Verstoßes gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz.

Die Aufgabe des Gerichts, die Hintergründe des Anschlags zu beleuchten, ist schwierig. Denn gestern machte nur der 24-Jährige ausführliche Angaben – und verhedderte sich dabei in Widersprüchen. Die knappe Aussage eines zweiten Angeklagten sorgte kaum für Klarheit. Er widersprach mit manchen Aussagen den Angaben des 24-Jährigen.

Bis jetzt stellt sich der Sachverhalt so dar, dass der Handgranaten-Anschlag ein Racheakt unter Sicherheitsfirmen war. Ausgelöst haben soll ihn ein Wachmann, der zur Konkurrenz gewechselt war. „Das ist Verrat“, sagte der 24-Jährige. Die zwei Betreiber der Sicherheitsfirma, bei der der Wachmann zuerst tätig war, seien über den Wechsel des Mannes sauer gewesen. Ihm sollte „eine Lektion erteilt“ werden, weil er mit seinem Wechsel lukrative Aufträge mitgenommen hatte, unter anderem die Bewachung der Flüchtlingsunterkunft in Villingen. Es soll dabei um Summen zwischen 50.000 bis 60.000 Euro gegangen sein, diese Zahlen wurden gestern genannt. Mit dem Anschlag sollte auch dem Auftraggeber, dem Regierungspräsidium  Freiburg, gezeigt werden, dass die Firma nicht in der Lage sei, die Sicherheit der Flüchtlinge zu gewährleisten, verbunden mit der Hoffnung, den Auftrag zurückzugewinnen.

Der Angeklagte F. gab gestern an, er sei dafür gewesen, den „Verräter“ zu verdreschen. Nie habe er es befürwortet, dass eine Handgranate auf den Container geworfen wird. Dabei gab er gestern zu, dass er die Handgranate für die Attacke zur Verfügung gestellt hatte. Woher er sie hatte, blieb unklar. Auch woher er das umfangreiche Wissen über Handgranaten hat. F. machte dem Gericht gestern klar, dass er den zwei Granaten, die er hatte,  schon von außen angesehen habe, dass sie nicht scharf sind. „Die wären nie losgegangen.“

F. beschuldigte gestern einen der Angeklagten, der keine Angaben machen wollte, die Handgranate geworfen zu haben. Zuvor seien ein Angriff mit Pfefferspray auf das Wachpersonal und ein erster Versuch, die Handgranate zu werfen, gescheitert.

„Warum sollten wir ihnen die heutige Version glauben?“, fragte der Vorsitzende Richter Arno Hornstein den Angeklagten. Der blieb eine schlüssige Antwort schuldig.

Granate vom Typ M52

Tödliche Waffe Bei dem Anschlag am 29. Januar auf dem Gelände einer Flüchtlingsunterkunft in Villingen-Schwenningen haben die Täter eine jugoslawische Granate vom Typ M52 geworfen. Laut Landeskriminalamt handelt es sich bei dem eiförmigen Sprengsatz um eine absolut tödliche Waffe. Solche Handgranaten werden normalerweise in Kriegen eingesetzt. Die tödliche Wirkung betrifft ein Umfeld zwischen 10 und 20 Metern. Nicht nur der Druck durch den Sprengsatz gilt als verheerend, sondern auch die Splitter. Durch die Druckwelle können auch Fenster bersten. Als scharf gelten Granaten nur, wenn sie neben Sprengstoff auch einen Zünder haben.

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