Prozessauftakt 28 Jahre nach grausamem Mord in Karlsruhe

Vor 28 Jahren wurde eine junge Italienerin im Karlsruher Hardtwald grausam ermordet. Anfang des Jahres stellte sich ein 48-Jähriger. Die Bilder hätten ihn nicht mehr losgelassen, sagte er zum Prozessauftakt.

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Pflock im Hals, entblößt, festgebunden mit Kordeln an Bäumen: So fanden Polizeibeamte die grausam zugerichtete Leiche der damals 25-jährigen Antonella Bazzanella im Hardtwald am 21.Juni 1987. Und auch 28 Jahre nach der Tat erinnern sich Menschen in Karlsruhe und Umgebung mit Schrecken an diese Bilder. Am Dienstag lösten die Details des Mordes, seine Grausamkeit, im Saal des Karlsruher Landgerichts Schockmomente aus.

Der Täter wurde damals trotz Überprüfung von rund 600 Verdächtigen nie gefasst. 18 Monate suchte eine Sonderkommission vergebens. Nun, 28 Jahre später, die überraschende Wende: Anfang des Jahres meldete sich ein 48-Jähriger auf einer Polizeiwache in Basel und bezichtigte sich der Tat. Seit Dienstag steht er nun in Karlsruhe vor Gericht. Die Medien drängelten sich im Landgericht, denn es ist selten, dass ein Fall nach mehreren Jahrzehnten auf derart spektakuläre Weise noch gelöst werden könnte.

Der Angeklagte, ein hagerer, unauffällig wirkender Mann mit dunklen, halblangen Haaren und Brille, räumte ein, die damals 25-Jährige gewürgt zu haben, bis sie sich nicht mehr rührte. Er legte ein umfangreiches Geständnis ab und offenbarte detailgenaues Täterwissen. Warum er sich nach so langer Zeit zu diesem Schritt entschloss, wollte der Vorsitzende Richter von P. wissen: "Es sind immer die gleichen Bilder. Ich kriege sie nicht mehr aus dem Kopf. Sie kommen fast jede Nacht. Ich will, dass das aufhört, dass ich verhaftet und bestraft werde."

20 Jahre alt war der in Heidenheim geborene P. zum Tatzeitpunkt. Häufige Umzüge, Trennung der Eltern, Schläge vom Stiefvater, Diebstähle, Alkoholmissbrauch, Heimaufenthalte, Schulabbruch: Der Angeklagte machte am Dienstag umfangreiche Angaben zu seiner Vita, sprach von einer zerrütteten Kindheit.

Die Vorkommnisse des 21. Juni 1987 beschrieb er am Dienstag so: Im Hardtwald habe er das Konzert von Tina Turner im benachbarten Wildpark-Stadion anhören wollen. Er habe einige Bier getrunken, als eine junge Frau ihn nach "Cavallo" fragte. "Sie sprach gebrochen Deutsch, ich wusste, dass mit Cavallo Pferde gemeint sind. Ich deutete in eine Richtung und sie fuhr mit dem Rad los." Er sei, wie er es ausdrückte, "spitz" gewesen. "Sie gefiel mir, ich wollte sie haben, um jeden Preis", sagte der 48-Jährige.

Er sei ihr schließlich mit dem Rad gefolgt, habe zu ihr aufgeschlossen und mit der Hand an ihre Brust gefasst. Dadurch sei die junge Frau gestürzt. "Sie hat mich beschimpft und als Hurensohn bezeichnet. Da habe ich rot gesehen, habe sie gewürgt und ins Unterholz gezogen." Antonella Bazzanella habe sich nach Kräften gewehrt, hatte aber keine Chance.

Er könne sich an nichts mehr erinnern - nur noch an diese eine Szene. "Ich bin ein Mörder. Ich habe mich nicht mehr wiedererkannt. Ich hatte Angst vor mir selbst. Ich hätte nie gedacht, dass ich so brutal sein könnte", sagte der Mann mit Schweizer Idiom und stockender Stimme. Kurz nach der Tat habe er sich in die Schweiz abgesetzt. Dort lebte damals und lebt nach wie vor seine Verwandtschaft. Die schrecklichen Bilder seien erst ab 2002 gekommen, als seine Mutter gestorben sei, gab P. an.

Aufgrund dieser grausamen Details der Tat sprach der Staatsanwalt in der Anklageschrift von roher, gefühlloser Gesinnung und dem "Willen, einen Menschen auf grausame Weise aufgrund seines Sexualtriebs zu töten". Der Prozess wird heute fortgesetzt. Ein Urteil wird Ende kommender Woche erwartet.

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