Prozess um Findelkind Franziska beginnt

Eine junge Frau aus Heidenheim steht ab heute vor Gericht. Sie soll ein Mädchen auf die Welt gebracht und versucht haben, es zu töten.

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Ein Polizeiabsperrband hängt am 30. Juli 2015 am Flughafen München. Hier war zuvor ein Neugeborenes in einer Toilette entdeckt worden. Eine Frau muss sich deshalb von heute an vor Gericht verantworten.  Foto: 

Wenn in Landshut am Dienstagmorgen der Strafprozess um das Flughafen-Baby beginnt, wird neben der Angeklagten einer der prominentesten Strafverteidiger Deutschlands sitzen. Das kommt nicht von ungefähr. Der Fall vor dem Schwurgericht Landshut ist brisant.

Die auf der Anklagebank sitzende Heidenheimerin bestreitet, die Mutter jenes Babys zu sein, das sie laut eines DNA-Abgleichs am 30. Juli vergangenen Jahres auf einer Flughafen-Toilette in München zur Welt gebracht und nach der Entbindung zurückgelassen haben soll. Die Staatsanwaltschaft Landshut legt der 23-jährigen Deutsch-Türkin versuchten Totschlag in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung zur Last. Damit droht der Frau eine bis zu zehnjährige Freiheitsstrafe.

Weil die Vorwürfe bestritten werden, zeichnet sich eine umfangreiche Beweisaufnahme ab, die die Kammer veranlasst hat, vorsichtshalber insgesamt fünf Verhandlungstage anzusetzen. Bleibt es bei diesem Fahrplan, wird das Urteil erst am 1. Juni verkündet werden.

Seit ihrer Festnahme im Sommer 2015 sitzt die Heidenheimerin in München in Untersuchungshaft. Ein Antrag auf Entlassung war erst vor kurzem abschlägig beschieden worden, was nach Medieninformationen mit der zu erwartenden hohen Strafe zu tun haben könnte. Möglicherweise muss der Frau aber im Prozess zugestanden werden, dass ihr Handeln auch von einem psychischen Ausnahmezustand bestimmt war - was unmittelbaren Einfluss auf das Strafmaß hätte.

Nach Informationen unserer Zeitung ist die junge Frau bis heute bei der Aussage geblieben, nicht schwanger gewesen zu sein. Zuletzt soll sie in den Vernehmungen keine Angaben mehr gemacht haben.

Bei der Beweisaufnahme werden auch die Aussagen der Eltern von Bedeutung sein, die damals ihre aus Dubai kommende Tochter am Flughafen abgeholt hatten: Sie hatten von Anfang an geltend gemacht, nichts von einer Schwangerschaft mitbekommen und auch keine Geburtsgeräusche aus der Toilette gehört zu haben.

Interessant wird zudem sein, mit welcher Strategie die Verteidigung agieren wird. Diese liegt in der Hand des Münchener Rechtsanwalts Adam Ahmed, ein profilierter Fachanwalt, dem Professionalität und Seriosität bescheinigt wird. Er hat bereits einige der härtesten Strafrechtsfälle der Republik übernommen. Mörder, Vergewaltiger, Terroristen: Seine Mandantenliste umfasst schwere Kaliber, liest sich wie das Who-is-who der nationalen Kriminalszene. "Die Welt" beschrieb ihn als den Mann, "der das Recht des Bösen verteidigt". Zum Beispiel den Onkel, der seine Nichten tötete, den Neonazi, der kurz nach seiner Haftentlassung eine Zwölfjährige entführte, missbrauchte und erschlug - wie auch den Mörder des Münchner Modezars Rudolph Mooshammer.

Dem 44-jährigen Jurist, der in seiner Jugend Verteidiger beim FC Bayern war, eilt der Ruf eines mit Leidenschaft kämpfenden Mannes voraus, der Mandanten speziell bei Tötungsdelikten oft rät, zu schweigen, damit sich der Staatsanwalt nicht herauspicken kann, was ihm passt. Ob dies auch im vorliegenden Fall zur Prozesstaktik gehören wird, wird sich zeigen.

Dem seinerzeit unterkühlt zurückgelassenen Mädchen, das noch die Nabelschnur am Bauch hatte und nur zufällig von einer Passagierin im kalten Wasser einer Toilettenschüssel gefunden worden war, geht es übrigens inzwischen gut. Das auf den Namen Franziska getaufte Findelkind lebt heute in einer Pflegefamilie - offenbar unter inzwischen anderem Namen.

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