Preisgekrönte Knast-Produktion

Eine Firma mit 18 Filialen mit nachhaltiger Produktion? Das bietet der Landesbetrieb der Knast-Werkstätten – und nun kommt noch Naturschutz hinzu.

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Der neue Justizminister  Guido Wolf kommt derzeit rum: Eben noch steht er auf Seiten der Staatsgewalt und eröffnet einen Studiengang für Gerichtsvollzieher, gleich danach ist er dichter bei den Delinquenten und landet in der Arbeitstherapie. Die ist, wie es sich für eine grün-geführte Koalitionsregierung gehört, natürlich nachhaltig: als bundesweit erstes Gefängnis wird in Heimsheim künftig  zertifiziertes Holz verwendet. „Das FSC-Zertifikat ist nicht nur ein Beleg für nachhaltige Produktion, sondern auch eine Auszeichnung für die Qualität des Vollzuglichen Arbeitswesens in Baden-Württemberg“, freut sich Wolf.

Hinter dem sperrigen Begriff mit dem Kürzel VAW verbirgt sich eine Erfolgsgeschichte. Vor 15 Jahren wurde der Betrieb als eigenwirtschaftlich arbeitendes Landesunternehmen gegründet, mittlerweile mit 18 Filialen in allen Haftanstalten des Landes.  Wer in Baden-Württemberg einsitzt, ist zur Arbeit verpflichtet. Die Basis dafür bieten diese Gefängnisbetriebe mit ihren Ausbildungsstätten, ihrem Personal und Maschinenpark. Manchmal sind sie als Lohnfertiger verlängerte Werkbank für Unternehmen, die ihre einfachen Montagearbeiten sonst nach China verlegen müssten.

Oft geben die Werkstätten Menschen die Möglichkeit, zum ersten Mal in ihrem Leben einen ordentlichen Beruf zu lernen. Patrick Herrling, Hauptgeschäftsführer des VAW, freut sich über derzeit 580 Lehrlinge, die mit den Kammern abgesprochene, gefängnistaugliche Ausbildungen durchlaufen. Nicht mal die Berufsschule fehlt: Weil der Azubi hinter Mauern nicht zur Schule kommt, kommt die Schule eben zu ihm. Rund 40 Millionen Euro haben die Knastbetriebe im vergangenen Jahr umgesetzt, es blieben rund 1,7 Millionen Überschuss. Aber nur, „weil wir keine Miete zahlen müssen.“

Gefängnisarbeit ist der erste Weg in die Resozialisierung, durch die Arbeit erfahren die Häftlinge Anerkennung  und Zuwendung, „denn wir wollen nicht nur Wärter sein“, sagt Wolf. Die Straftäter sollen qualifiziert in die Gesellschaft zurückfinden. Und sie nehmen das Angebot an:  Drei von vier der etwa 6700 Häftlinge sind im Arbeitsprogramm integriert, schaffen an fünf Tagen zu je sieben Stunden. Und nach Tarif: in drei Lohngruppen wie im echten Leben, nur unterm Mindestlohn.

Dennoch entsteht feinste, oft preisgekrönte Ware. Zum Beispiel hochwertige Büromöbel; auch der Justizminister atmet in seinem Amtszimmer ein wenig Knastluft: Seit Ulrich Goll  stammen Sitzgruppe und Schreibtisch aus hauseigener Produktion. Dazu kommen Schuhe und Drucksachen, Spielzeug, Kunststoffprodukte oder Metallenes wie die Fahrräder der Marke „Fluchthelfer“, Taschen namens  „Jailers“  (mit Verschluss aus Miniaturhandschellen) und Garten-Equipment wie die formschöne  Nistkastenserie „Ei-Zelle“, die jetzt prämiert wurde, weil sie nachhaltig ist und aus heimischer Douglasie gefertigt wird. Natürlich darf, soviel Offenheit muss sein im Strafvollzug,  ein  Onlineshop nicht fehlen. Dort findet man sogar Wein und Schnaps im Angebot: Die Vollzugsanstalt in Talheim bei Heilbronn ist deutschlandweit die einzige mit einem eigenen Weingut.

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