Plagiate und gefälschte Daten

Die skandalumwitterte Freiburger Sportmedizin kommt nicht zur Ruhe. Die Untersuchungskommission sieht einen "massiven Forschungsskandal".

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Seit nunmehr achteinhalb Jahren versucht die von der Kriminologie-Professorin Letizia Paoli geleitete Evaluierungskommission, die Vergangenheit der Freiburger Sportmedizin zu ergründen. Im Zentrum steht die Beteiligung der einstigen Ärzte Joseph Keul und Armin Klümper im Doping-System des westdeutschen Sports. Zu den Aufgaben der Kommission, die 2007 von der Freiburger Universität eingesetzt wurde, gehört aber auch die Überprüfung wissenschaftlicher Arbeiten.

Am Mittwoch nun berichtete die Paoli-Gruppe in einer Pressemitteilung über einen Forschungsskandal, "dessen Tragweite weit über das heutige Institut für Bewegungs- und Arbeitsmedizin am Universitätsklinikum Freiburg" hinausreiche. Es gehe um "massives wissenschaftliches Fehlverhalten" über Jahrzehnte hinweg. Die sechsköpfige Wissenschaftlergruppe spricht von einer "neuen Dimension wissenschaftlichen Fehlverhaltens mit möglicherweise gravierenden Folgen für das Fach Sportmedizin und den gesamten betroffenen Wissenschaftsbetrieb". Die Universität sei vorab über die Entdeckung informiert worden.

"Aufgrund der Anzahl der unter Verdacht stehenden Arbeiten und Wissenschaftler" empfiehlt die Kommission die Einsetzung einer externen Task Force. Schon im Jahr 2011 hatte die Paoli-Gruppe bei ihrer Überprüfung von Dissertationen und Habilitationen sechs Plagiatsverdachtsfälle aufgedeckt. Seit Herbst 2015 hätten sich die sechs Wissenschaftler nochmals intensiv mit sportwissenschaftlichen Publikationen "vor allem aus den Jahren nach 1980 beschäftigt". Dabei habe man festgestellt, dass weitere Dissertationen, Habilitationen sowie Fachpublikationen "erhebliche wissenschaftliche Mängel" aufwiesen, "hochkarätig publizierte Arbeiten" beruhten zudem auf Fälschungen von Daten und Plagiaten.

Zudem seien wissenschaftliche Arbeiten mit geringfügigen Änderungen mehrfach publiziert worden, Fördergelder aus der Pharmaindustrie seien verschwiegen worden. Die Kommission rief alle Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die sich insbesondere an Arbeiten aus den Jahren zwischen 1980 und 2000 beteiligt haben, dazu auf, sich bei ihr zu melden. Sie sicherte Vertraulichkeit zu.

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