Paris hat die Zahlungsmöglichkeiten bereits drastisch eingeschränkt

In Frankreich gilt es schon lange als höchst unfein, hohe Beträge bar zu begleichen. Seit vergangenem Herbst ist es zudem auch noch strafbar.

|

„Nur Bares ist Wahres“, weiß der deutsche Volksmund. Ein Franzose würde das weder sagen noch denken – und seit vergangenem Herbst steht diese Einstellung sogar unter Strafe. Da nämlich legte die Regierung dem ohnehin eingeschränkten Bargeldverkehr weitere Fesseln an. Im Kampf gegen Terrorismus und Steuerhinterziehung wurde die Grenze für Barzahlungen von 3000 auf 1000 Euro gesenkt. Nur Touristen dürfen noch Summen bis 10 000 Euro in bar begleichen, zuvor lag die Grenze bei 15.000 Euro.

Auch wenn ein Franzose sein Geld in eine andere Währung wechseln will, kann er das ohne Ausweis nur noch bis 1000 Euro. Und wenn er im Monat mehr als 10 000 Euro von seinem Konto abhebt, ist die Bank seit Jahresbeginn verpflichtet, diese Transaktion der Geldwäsche-Behörde Tracfin zu melden. Zudem gilt, dass die Banken generell jede Geldbewegung signalisieren müssen, die 10.000 Euro übersteigt – innerhalb des Landes sowie in und aus EU-Ländern. Von dieser Regelung sind auch Schecks, Pre-Paid-Karten und der Goldkauf betroffen.

Wer die Debatte über eine 5000- Euro-Obergrenze in Deutschland verfolgt, kann sich nur wundern, auf wie wenig Kritik die französischen Maßnahmen stoßen. Unsere Nachbarn, die traditionell nur geringe Summen an Bargeld im Portemonnaie herumtragen, treffen die Einschränkungen in ihrem Alltag kaum. Abgesehen davon, dass es als unfein gilt, mit Geldscheinen zu wedeln, ziehen sie die bargeldlose Zahlung vor. Selbst kleine Beträge begleichen Franzosen häufig mit Kreditkarte oder Bankscheck.

Wer seine Rechnung in der Boutique bar begleicht, darf gewiss sein, dass ihn die Verkäufer misstrauisch mustern. Das war bereits vor den Attentatsserien in Paris und den neuen Einschränkungen so und erklärt, warum sich für viele Franzosen wenig geändert hat. Nicht bei 1000 sondern eher bei 100 Euro liegt bei unseren Nachbarn die Grenze, bei deren Überschreiten man sich verdächtig macht.

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung
Kommentieren

Kommentare

25.02.2016 18:30 Uhr

Abschaffung des Bargeldes

Ich freu mich schon diebisch auf den Weihnachtsmarkt 2016.
Feuerwurst und Glühwein bezahlen wollen und ein großes Schild
>> Nur Kartenzahlung möglich <<

KLOPFKLOPFAMKOPF
Jemand zu Hause?

Antworten Kommentar melden

25.02.2016 17:49 Uhr

Abschaffung des bargeldes

Ihr Artikel über das Bargeld zeigt, dass das Problem großer Bargeldmengen, die mangels fehlender Zinsen oder drohender Negativzinsen gehortet werden, nicht verstanden wird. Denn das Horten von Bargeld bewirkt ebenso wie das Verweilen des Geldes in der sofortigen Verfügbarkeit (Giro-Konto), dass weniger Kredite ausgegeben werden und die produzierten Waren nicht verkauft werden. Das führt zu Pleiten mit Arbeitsplatzverlusten und zunehmendem Stillstand der Wirtschaft (Rezession). Dagegen kann auch die vermehrte Geldmenge der Zentralbank nichts ausrichten, denn die vielen täglichen Umsätze machen die Wirtschaft aus und nicht die Menge des Geldes als solche. Vernünftiger wäre es, dem Bargeld und dem auf Girokonten gehaltenen Geld eine Halte- oder „Hortegebühr“ zu verpassen (5%/Jahr), die man durch einen chip im Geldschein leicht erheben könnte. Das würde besser als die Abschaffung von Bargeld der Wirtschaft helfen und die Vorteile des Bargeldes erhalten. Denn der Sinn des Wirtschaftens ist nicht das Geld, sondern der Wohlstand, der sich in Gütern und Wertsachen ausdrückt. Geld ist nur ein notwendiges Mittel und nicht der Zweck der Wirtschaft. Der gesunde Menschebversta drückt sich oft wirklichkeitsnaher aus, als die hohe Wissenschaft: "Taler, Taler, du musst wandern, von der einen Hand zr andern!"

Dr. Gerardus Lag, Bad Boll, den 19.2.2016

Antworten Kommentar melden

19.02.2016 16:34 Uhr

Nur die Halbe Wahrheit

Zu diesem Artikel ist einiges anzumerken, damit der Deutsche versteht, warum und wieso:

1. In Frankreich gibt es seit Jahrzehnten keine Bank Gebühren für Einzelbuchungen, erst so langsam erheben die Banken Gebühren zur Kontoführung. Die Visa Karte kommt als Carte Bleu kostenlos beim Giro Konto mit.

2. In Frankreich kann man nicht nur in Boutiken einkaufen. Gehen Sie mal in Paris in einen Baumarkt, Sie werden staunen, wie dort alles und in grossen Summen in Cash (Schwarzarbeit) abgewickelt wird.

3. Bei uns fast ausgestorben, selbst Beträge unter 10 Euro regelt man in Fr. gegen Monatsende ganz altertümlich per Scheck, z.B. weil das Konto überzogen ist und man ein paar Tage gewinnt.

4. Es gibt gerade im Raum Marseille, Lyon, Paris eine hohe Anzahl an Kleinkriminalität, die die Sylvesternacht in Köln ruhig erscheinen lassen. Brutalster Handtaschendiebstahl bei Frauen an der Tagesordnung. Viele wagen schon nicht mehr am Geldautomaten abzuheben, da sie befürchten, auf dem Weg zur Wohnung abgegriffen zu werden.

5. In Frankreich ist die Überweisung, (per Überweisungsauftrag) unbekannt. Versuchen Sie einmal in einer Französischen Bankfiliale eine IBAN/SEPA Überweisung durchzuführen! Die haben nicht einmal die Überweisungsvordrucke vorrätig.

Also bitte keine Polemik gegen die 500 Scheine ohne die Realität komplett zu beschreiben und vergessen Sie nicht:

Die 500 Scheine weg und die Banken und allen voran die EZB möchten die Negativ Zinsen durchsetzen, und der Staat möchte gerne in unserem Portomonaie schnüffeln.

Die Terroristen sind nur vorgeschoben und wenn 30 % der Migranten aktuell einfach versickern im Land gibt es andere Prioritäten.

Antworten Kommentar melden

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Täter von Eislingen entschuldigt sich in Abschiedsbrief

Drei Tote in Eislinger Tiefgarage: Der mutmaßliche Täter hat seiner Noch-Ehefrau und deren Freund mit einem Küchenmesser die Kehle durchgeschnitten und sich offenbar durch einen Kopfschuss selbst getötet. Er entschuldigt sich für die Tat in einem Abschiedsbrief. weiter lesen