Oh Spatzi, mein Spätzle

Der Januar bringt einsame Herzen auf Hochtouren: Bei den Single-Börsen im Internet herrscht Hochbetrieb. Für viel Liebe zum Ländle steht die "Spätzlesuche".

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Das Dreikönigsfest ist genau der richtige Tag, um mit der Suche nach dem Traumprinzen zu beginnen, sagte sich Marie. Sie ist, sagen wir mal, eine Frau im besten Alter, berufstätig, ihr Herz schlägt für die Heimat. Nur schlägt es eben recht einsam. Also nutzt Marie diesen freien Januar-Tag, um ihrem Traumprinzen in nur vier Schritten schon ein großes Stück näher zu kommen: 1. Daten eingeben 2. Namen ausdenken, zuerst sich selbst (3.) und dann (4.) den Traumpartner beschreiben. Nach nur 23 Minuten die Erfolgsmeldung: "Dein Profil ist komplett! Jetzt kannst du mit deiner Partnersuche loslegen!" Und schon ist Marie mittendrin in der "Spätzlesuche" - die derzeit größte regionale Partnervermittlung für den Südwesten.

Ganz nebenbei liegt Marie mit ihrer Registrierung voll im Trend. "Der Januar ist bei uns die nachfragestärkste Zeit", sagt Jens Romer, Geschäftsführer der "Spätzlesuche". Die regionale Internet-Partnervermittlung will einsame schwäbische Herzen zusammenbringen, getreu dem Motto "Wir (ver)lieben das Ländle". Die verschiedenen Kategorien auf der Seite heißen hier "Spätzlepresse" (Magazin- und Ratgeberbeiträge), "Spätzlebrett" (eine Art Aushang) oder auch " Extra-Portion Spätzle" für zusätzliche Partnervorschläge. Und obwohl alles in Wortspielen auf der Schwaben Leibgericht ausgerichtet ist, will Romer den Bezug zum Ländle noch weiter ausbauen und in den Fragenkatalog oder die Selbstbeschreibungen einfließen lassen - zum Beispiel, wenn es um Sportvereine oder beliebte regionale Ausflugsziele geht. Das seien alles Dinge, die große überregionale Börsen nicht leisten könnten, sagt Romer. Und er muss es wissen. Denn schon Ende der 90er-Jahre hatte er gemeinsam mit Kommilitonen eine der ersten Partnervermittlungen im Internet aufgebaut, die das gesamte Bundesgebiet abdecken sollte. "Das war noch vor den heute bekannten großen Singlebörsen wie Parship und Elitepartner", sagt der 40-Jährige nicht ohne Stolz. Doch als eben jene schnell wachsenden Konkurrenten auf den Markt kamen, suchte sich der schwäbische Unternehmer eine Nische - und gründete 2009 die Spätzlesuche. "Eine absolut gute Entscheidung", sagt Romer, der das Geschäft mittlerweile von Eningen unter Achalm aus gemeinsam mit einem Software-Entwickler regelt. Das regionale Portal wachse jährlich, mittlerweile zählt die Seite 25 000 aktive Mitglieder, die 40- bis 49-Jährigen machen mit 32 Prozent den größten Anteil aus, Männer und Frauen sind nahezu gleichstark vertreten.

Für eine regionale Single-Börse sei das eine beachtliche Mitglieder-Zahl, sagt Pamela Moucha von der Plattform "Singlebörsen-Vergleich". Die "Spätzlesuche" ist aus Sicht der Kölner Expertin "ein sehr etabliertes Portal", Romer habe es erfolgreich geschafft, eine Lücke in dem hart umkämpften Markt der Online-Partnervermittlung zu besetzen. Mit ihrer Idee sind die beiden Spätzle-Finder nicht allein: Ähnliche Konzepte gibt es für einsame Großstadt-Bewohner ebenso wie für andere Regionen, mit dem Portal "Fischkopf" beispielsweise in Norddeutschland.

Die Suche nach einem Partner lässt sich natürlich auch bei allen anderen, überregionalen Portalen eingrenzen. Partnervermittlungen wie "Spätzlesuche" hingegen sind etwas für Singles mit ausgeprägter Liebe zur Heimatregion und Mundart. "Außerdem kann es als erster Anknüpfungspunkt auch beim Flirten helfen", sagt Expertin Moucha.

Maries Fazit der ersten zwei Tage auf Traumprinz-Suche ist nicht schlecht: etwa 50 Männer haben ihr Profil besucht, rund ein Dutzend Nachrichten hat sie erhalten, einige davon lediglich vorformulierte Texte mit der Bitte um eine Foto-Freigabe. Von so manchem Schätzle, Kuschelbärle oder Schwoab kamen aber charmante Nachrichten sowie deutlich forschere ("Kontakt!!! Telefonieren!!!!") oder auch ungewöhnliche Anfragen, wie die, fünf weitere Spätzlesuchende zusammen zu trommeln, um gemeinsam ein Märchen zu schreiben. Spätestens da sind sie also, die Könige und Prinzen.

Chancen und Nutzer von Online-Partnervermittlungen

Singles In Baden-Württemberg gibt es rund 1,3 Millionen Singles, das sind 12,5 Prozent der Einwohner des Landes. Auf Online-Partnersuche sind davon rund 915.000.

Chancen Die Erfolgsaussichten bei der Partnersuche über das Internet sind nicht schlecht: Laut einer Statistik des Portals "Singlebörsen-Vergleich" entstehen in Deutschland mehr als 30 Prozent aller Beziehungen online. 16,4 Prozent aller Eheschließungen finden demnach ihren Anfang im Internet.

Nutzer Monatlich sind über 8,2 Millionen Nutzer auf Online-Dating-Portalen aktiv. Diese Zahl nimmt um rund 100 000 Nutzer jährlich zu. Insgesamt haben die Deutschen seit dem Jahr 2000 weit über 100 Millionen Profile bei Dating-Portalen erstellt.

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