OB-Job ist für den Sieger in Neckarsulm „eine Herzenssache“

Auf Anhieb gelang einem Juristen die Ablösung des Oberbürgermeisters in Neckarsulm. Joachim Scholz muss nach einer Amtszeit sein Büro räumen.

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Der Neue in Neckarsulm: Steffen Hertwig siegte bei der OB-Wahl.  Foto: 

Am Tag danach kam Joachim Scholz (55) wie üblich ins Neckarsulmer Rathaus. Überraschend deutlich ist der parteilose Amtsinhaber bei der OB-Wahl am Sonntag mit 42,9 Prozent seinem Herausforderer Steffen Hertwig (SPD) unterlegen gewesen. Der Kontrahent bekam auf Anhieb 52,5 Prozent.

Hertwig (47) hat sich besser verkaufen können als Scholz, der vor acht Jahren den damaligen Favoriten – den örtlichen Baubürgermeister Klaus Grabbe (SPD) – mit 58,8 Prozent klar besiegt hatte. Dass der Jurist Hertwig als Leiter der Rechtsabteilung der Würth Elektronik über keine Erfahrung in der Kommunalverwaltung verfügt, spielte für seine Befürworter keine Rolle. Die Aufgabe des Oberbürgermeisters sei „eine Herzenssache“, hatte er betont und an 1000 Türen geklingelt.

Der gebürtige Heilbronner trat smart und siegessicher auf. Zwar hatte er ein Zehn-Punkte-Programm ausgearbeitet, blieb aber über weite Strecken unkonkret und ließ sich gerne Hintertürchen offen. Sein Auftreten schien stellenweise wie einem Rhetorikseminar für Führungskräfte entlehnt. Sogar Gesten wirkten einstudiert. Hertwig wurde abgenommen, wieder mehr Gewerbesteuer in die kommunale Kasse fließen zu lassen, weil er „Lust auf neue, innovative Unternehmen“ habe.

Joachim Scholz dagegen tat sich sehr schwer, gegen diffuse atmosphärische Störungen anzukämpfen. Er konnte die Mehrheit nicht davon überzeugen, seine Position mit Sachverstand und Ehrgeiz ausgefüllt zu haben. Zu viele Neckarsulmer scheinen dem Vorsitzenden des Regionalverbands Heilbronn-Franken die Schuld am Rückgang der Gewerbesteuer zu geben. Selbst Personalquerelen in einem kostspieligen Freizeitbad werden dem Noch-OB angelastet. Dass das „Aquatoll“ nun vom großen Nachbarn Heilbronn gemanagt wird, ist für Lokalpatrioten eine Schmach.

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