Nur durch Glück keine Toten

Die Granaten-Attacke auf ein Flüchtlingsheim in Villingen wird im Herbst  in Konstanz verhandelt. Die Staatsanwaltschaft hat Anklage erhoben.

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Diese Tage Ende Januar hat in Villingen-Schwenningen vermutlich noch niemand vergessen. Die Doppelstadt befand sich im Ausnahmezustand, weil in der Nacht vom 28. auf den 29. Januar 2016 Unbekannte in Villingen eine scharfe Handgranate auf das Gelände einer Flüchtlingsunterkunft geworfen hatten, direkt auf einen Container, der mit drei Wachleuten besetzt war. Die Granate, die mit Sprengstoff gefüllt war, ist nicht explodiert, was nach Auskunft eines Sprechers der Staatsanwaltschaft Konstanz „pures Glück“ war. Wäre sie losgegangen, hätte es Tote geben können. Unklar ist noch, ob die Granate einen Zünder hatte.

Inzwischen sind die Ermittlungen abgeschlossen. Die Staatsanwaltschaft Konstanz hat gegen sechs Männer Anklage erhoben wegen versuchten Mordes, versuchten Herbeiführens einer Sprengstoffexplosion und Verstoßes gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz. Das Verfahren vor dem Landgericht Konstanz wird voraussichtlich im Herbst beginnen und etliche Tage in Anspruch nehmen. Nach Auskunft von Andreas Mathy, Sprecher der Staatsanwaltschaft Konstanz, gibt es 50 Zeugen.  

Direkt nach dem Fund der Handgranate waren viele davon ausgegangen, dass die Attacke einen fremdenfeindlichen, vielleicht sogar rechtsradikalen Hintergrund hat. Es gab Spekulationen, die Täter seien im Rockermilieu zu suchen. Das alles bestätigte sich im Lauf der Ermittlungen nicht. Die ergaben, dass zwei konkurrierende Sicherheitsunternehmen hinter dem Anschlag steckten. „Davon gehen wir zumindest aus“, sagt Mathy. Er schloss einen fremdenfeindlichen Hintergrund mit Blick auf das Ergebnis der Ermittlungen aus.

Doch solange das nicht geklärt war, waren viele Menschen in der Doppelstadt verunsichert, verstört, verängstigt. Sie trafen sich in Villingens Mitte, um gegen Fremdenfeindlichkeit und Rechtsextremismus zu demonstrieren und um den Asylbewerbern, die mindestens genauso verstört waren, zu zeigen, dass sie willkommen sind und Unterstützung erhalten.

Angeklagt sind nun sechs Männer, von denen drei in Untersuchungshaft sitzen. Diese drei Männer, 24 und 23 Jahre alt und aus Rottweil, stehen im Verdacht, in der Nacht vom 28. auf den 29. Januar in Villingen diese scharfe Handgranate auf den Container mit den Wachleuten geworfen zu haben. Sie hätten damit in Kauf genommen, dass die Handgranate explodiert und die Wachleute verletzt oder sogar getötet werden, sagt der Sprecher.  

Einem 27 Jahre alten Angeklagten aus Villingen-Schwenningen und einem 38 Jahre alten Angeklagten aus Waldshut-Tiengen, die zusammen ein Sicherheitsunternehmen betrieben haben, wird vorgeworfen, die drei Männer aus Rottweil zu der Tat angestiftet zu haben. Sie sollten damit nach Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft auf die Sicherheitsfirma, die dort tätig war und mit der das Unternehmen der zwei Männer in Konkurrenz stand, Druck ausüben. Denkbar wäre auch, dass damit die Sicherheitsfirma in Misskredit gebracht werden sollte, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft. Mit der Handgranaten-Attacke hätten die Angreifer auch deutlich machen können, dass die Wachleute nicht in der Lage seien, die Flüchtlinge zu schützen.

Dem sechsten Angeklagten, einem 25 Jahre alten Mann aus Zimmern, wirft die Staatsanwaltschaft vor, zusammen mit zwei der Angeklagten aus Rottweil schon in der Nacht vom 27. auf den 28. Januar zu der Flüchtlingsunterkunft gefahren zu sein, um die Handgranate zu werfen. Das hätten sie dann aber bleiben lassen, weil sie sich beobachtet gefühlt hätten.  In der Nacht darauf sei der 25-Jährige nicht mehr dabei gewesen.

Nach Auskunft von Mathy haben alle Angeklagten die deutsche Staatsbürgerschaft, die meisten seien in Sicherheitsdiensten beschäftigt gewesen. Einige seien strafrechtlich bereits vorbelastet. 

Weg der Handgranate noch unklar

Sicherheitsfirmen  Nach der Handgranaten-Attacke in Villingen und Übergriffen von Sicherheitsleuten gegenüber Flüchtlingen geriet die Qualifikation der Wachleute in die Diskussion. Im Regierungsbezirk Freiburg führte das dazu, dass alle Verträge neu ausgeschrieben wurden. Da in dieser Branche viel Geld verdient werden kann, kam der Verdacht auf, dass auch nicht qualifizierte Kräfte im Einsatz waren. 

Weg der Handgranate Bisher nicht geklärt ist, wie die Angeklagten zu der Handgranate gekommen sind. Dazu laufen nach Auskunft der Staatsanwaltschaft Konstanz gesonderte Ermittlungen, die nach Wissen des Sprechers noch nicht abgeschlossen sind.   Fest steht offenbar, dass einer der Angeklagten die Granate bereits hatte.wal

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