Neue Immuntherapie nutzt Abwehrzellen gegen Blutkrebs

Statt Röntgenstrahlen ein „lebendes Medikament“ gegen Krebszellen einsetzen: Ein neuer Therapieansatz nutzt Zellen des Immunsystems zur Behandlung von Blutkrebs.

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    Krebsforscher Patrick Schmidt im Heidelberger Krebslabor:  Ein innovativer Therapieansatz nutzt Zellen des Immunsystems zur Behandlung von Blutkrebs. Foto: 
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Neuartige Immuntherapien gelten als Hoffnungsträger für Patienten, deren Krebserkrankung auf klassische Behandlungen nicht anspricht. Dabei wird das Immunsystem gegen den Krebs ausgerichtet. Die kostspieligen Verfahren verzeichnen eindrucksvolle Erfolge. Doch nicht allen Patienten kann geholfen werden – und bislang kann nicht sicher vorhergesagt werden, wem eine Immuntherapie hilft.

Immuntherapie Der Therapieansatz nutzt T-Zellen des eigenen Immunsystems, um bei Patienten mit fortgeschrittener Leukämie bösartige Zellen gezielt anzugreifen. „Man weiß seit einigen Jahren, dass die Therapie mit T-Zellen extrem effizient sein kann“, sagt Dirk Busch, Immunologe an der Technischen Universität München und Leiter einer Forschungsgruppe für die Entwicklung von Zelltherapeutika. Es handele es sich um ein „lebendes Medikament“. Die T-Zellen sollen den Krebs aufspüren und zerstören.

T-Zellen Sie sind Teil der körpereigenen Polizei, deren Aufgabe es ist, fremde oder krankmachende Zellen zu erkennen und zu zerstören. Krebszellen entwickeln aber Abwehrstrategien, die es den T-Zellen schwer machen, sie anzugreifen. Eine dieser Strategien besteht darin, sich „unsichtbar“ zu machen. Die Therapie setzt dort an: Die T-Zellen werden dem Blut des Patienten entnommen und im Labor gentechnisch so verändert, dass sie Blutkrebszellen erkennen und angreifen.

Methode „Wir statten die T-Zellen mit einer Waffe aus, die gegen Oberflächenmerkmale auf Krebszellen gerichtet ist“, sagt Patrick Schmidt, Krebsforscher am Nationalen Centrum für Tumorerkrankungen in Heidelberg, der auch an solchen Therapien forscht. Hierfür erhalten die Immunzellen ein antikörperähnliches Eiweißmolekül, das an die Krebszellen bindet. Anschließend werden die Zellen im Labor vermehrt und in die Blutbahn zurückgebracht. Dort greifen sie den Blutkrebs gezielt an.

Erfolge Den meisten Patienten in Studien hilft die Therapie. Einige gelten als geheilt, wie Busch sagt. In einer kürzlich veröffentlichten, allerdings recht kleinen US-Studie lassen sich bei 27 von 29 Leukämiepatienten nach der Behandlung mit Chemo- und Zelltherapie keine Krebszellen mehr im Knochenmark nachweisen. „Das sind fantastische Ergebnisse“, sagt Busch. „Vor allem, wenn man bedenkt, dass es sich um sogenannte austherapierte Patienten handelt, für die es keine Hoffnung mehr gab.“

Risiken Der Eingriff in das Immunsystem ist jedoch riskant: Die Immunzellen können sich gegen den eigenen Körper richten und große Mengen entzündungsauslösender Botenstoffe freisetzen. Hohes Fieber und lebensbedrohliche Organschäden können dem geschwächten Patienten zum Verhängnis werden. Meistens höre die Immunreaktion aber von selbst auf oder könne gut behandelt werden, sagt Busch. Darüber hinaus müssen sich Patienten ein Leben lang Antikörper spritzen, um sich vor Infektionskrankheiten zu schützen. Die T-Zellen zerstören nämlich sowohl die krankhaft veränderten als auch die gesunden B-Zellen, die ebenfalls ein wichtiger Teil des Abwehrsystems sind.

Ausblick Die T-Zelltherapie steckt noch in den Kinderschuhen. „In Deutschland sind erste klinische Prüfungen genehmigt worden“, sagt der Präsident des Paul-Ehrlich-Instituts, Klaus Cichutek. Zulassungsexpertin Martina Schüßler-Lenz erwartet, dass Anfang 2017 der erste Zulassungsantrag bei der Europäischen Arzneimittel-Agentur eingeht.

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