Naturschutz trotz Teststrecke

Seit zwei Jahren nutzen nur noch Daimler und Liebherr die Panzerringstraße rund um den ehemaligen Truppenübungsplatz Münsingen für Erprobungsfahrten. Der Bundesforst zieht jetzt ein positives Fazit.

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Der Truppenübungsplatz Münsingen (Landkreis Reutlingen) wird seit zehn Jahren nicht mehr militärisch genutzt - und hat sich seither zum Ausflugsziel und Naturreservat entwickelt. Die 38 Kilometer lange ehemalige Panzerringstraße, die das 6700 Hektar große Herzstück des Biosphärengebietes umrundet, wird seit 2006 für Test- und Erprobungsfahrten der Automobilindustrie genutzt. Bis Ende 2013 hatte die Firma "Experience Area Münsingen" (EAM) den für den öffentlichen Verkehr gesperrten Rundkurs vermarktet.

Die Eigentümerin, die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA), hatte den Pachtvertrag aber gekündigt. Grund dafür sollen immer wiederkehrende Verstöße gegen die Vorschriften gewesen sein, ist hinter vorgehaltener Hand zu hören. Man sprach unter anderem von zahlreichen Geschwindigkeitsverstößen - sowie von Testfahrten an Tagen, an denen der Rundkurs aus naturschutzrechtlichen Gründen gar nicht hätte befahren werden dürfen.

Die BImA nahm die Kritik der verschiedenen Naturschutzverbände ernst, die ein waches Auge auf das Biosphärengebiet werfen. Deshalb hat die BImA selbst, genauer gesagt die Sparte Bundesforst, in Absprache mit dem Landratsamt Reutlingen die Vermarktung der 38 Kilometer langen Strecke 2014 selbst übernommen.

Im Gegensatz zu EAM-Zeiten, als alle namhaften Auto- und Pkw-Hersteller und deren Zulieferer die Ringstraße mieten konnten, hat die BImA jetzt nur noch zwei Pächter: die Daimler AG und die Firma Liebherr. Mit den beiden Konzernen engagieren sich "zwei weltumspannende Unternehmen" auf dem ehemaligen Militärgelände, freut sich Landrat Thomas Reumann.

Biosphärengebiet und Teststrecke, beißt sich das nicht? Nein, sagt der Landrat und verweist auf die Erprobung umweltfreundlicher Wasserstoff- und Hybridantriebe in den Fahrzeugen.

Bereits seit Ende der 1990er-Jahre nutzt die im 25 Kilometer entfernten Ehingen (Alb-Donau-Kreis) beheimatete Firma Liebherr im Rahmen ihrer Kranproduktion die Panzerringstraße. Außerdem hat das Unternehmen nach dem Abzug der Bundeswehr den umzäunten Technischen Bereich Gänsewag gemietet, der sich in unmittelbarer Nachbarschaft zur ehemaligen Soldatensiedlung Altes Lager befindet. Auf dem 26.000 Quadratmeter großen Areal befinden sich eine große Reparaturhalle und überdachte Stellplätze.

"Die Fahrzeugerprobung der Mobilkrane auf dem Übungsgelände stellt für uns ein wesentliches Element im Entwicklungsprozess und für die zugehörige Prototypenerprobung dar", sagt Unternehmenssprecher Wolfgang Beringer. Diese Erprobungen, unter anderem auch mit energiesparenden Motoren, müssten sonst auf öffentlichen Straßen mit Einschränkungen oder auf weit entfernten geeigneten Testgeländen durchgeführt werden. Die gleiche Argumentation ist aus der Daimler-Zentrale in Stuttgart zu hören. An einer Weitervermietung der Panzerringstraße an Dritte, mit Ausnahme an Unternehmen innerhalb der jeweiligen Firmengruppe, gibt es nicht. Einzig die Firma Kässbohrer aus Laupheim (Landkreis Biberach) hat die Erlaubnis, dort ab und zu ihre Pistenbullys zu testen.

"Erfolgreicher Betrieb, bei voller Auslastung", so lautet nach zwei Jahren das Fazit von Dietmar Götze, dem Chef des Bundesforstamts Heuberg in Meßstetten (Zollernalbkreis), das auch für Münsingen zuständig ist. Seit sein Amt die Aufsicht hat, halten sich alle an die Spielregeln, ist zu hören. Das bestätigen die vier zuständigen Naturschutzverbände, die in der Vergangenheit keine Verstöße mehr gegen die entsprechenden Vorgaben im Herzstück des Biosphärengebietes festgestellt haben.

Wer unberechtigt auf der Strecke unterwegs ist, muss mit einer saftigen Strafe rechnen: Wen die Mitarbeiter des Bundesforstes erwischen, dem droht ein Bußgeld von bis zu 150 Euro.

Frei für Schwertransporte

Berechtigung 38 Kilometer lang ist die Panzerringstraße rund um den ehemaligen Truppenübungsplatz Münsingen (Kreis Reutlingen), dem ein 240.000 Quadratmeter großes Offroadgelände (Fahrschulgelände) angeschlossen ist. Der Rundkurs ist für den öffentlichen Straßenverkehr, für Wanderer und Fußgänger gesperrt. Für die Koordination, den Unterhalt und den Räumdienst ist die Teststreckenmanagerin Benita Vinzelberg zuständig, die ihren Dienstsitz in der Bundesforst-Außenstelle in Münsingen hat. Außer den Fahrzeugen der Firmen Daimler, Liebherr und Kässbohrer dürfen Schäfer, Holzarbeiter, Hilfskräfte sowie andere Berechtigte, die einen entsprechenden Berechtigungsausweis haben, die 8,50 Meter breite Ringstraße befahren. Außerdem nutzen Schwerlasttransporte, die in Richtung Autobahnauffahrt Merklingen A8 fahren, in der Nacht die autofreie Strecke.

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