Nach Hygieneskandal rutscht Uni-Klinik tief in die roten Zahlen

Seit dem Hygieneskandal hat das Uniklinikum Mannheim Millionen in die Sterilgutaufarbeitung investiert. Doch Vertrauen ist viel verloren gegangen.

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Knochensplitter am OP-Besteck, Blutreste an chirurgischen Instrumenten: Ganz Deutschland schüttelte sich, als vor einem Jahr die Zustände am Uniklinikum Mannheim bekannt wurden. Zwar war einiges übertrieben, aber Fakt blieb: Das Haus hatte große Probleme mit der Hygiene. Über 15 Millionen Euro wurden seither in die Sterilgutaufarbeitung investiert, in die Reinigung des OP-Bestecks. Es scheint sich zu lohnen: Im einst gescholtenen Klinikum trudeln inzwischen Anfragen von Krankenhäusern ein, die ihre Instrumente reinigen lassen wollen. "Es gibt mehrere solcher Anfragen", bestätigt ein Kliniksprecher. "Wir haben uns an die Spitze der Bewegung gesetzt."

Positive Schlagzeilen hat das Haus nötig, denn der Weg zurück zur Normalität ist steinig. Im Jahr nach der Krise sind viele Patienten weggeblieben. Das Krankenhaus der Maximalversorgung mit seinen 4800 Mitarbeitern ist tief in die roten Zahlen gerutscht.

4000 stationäre Patienten weniger hat das Klinikum in diesem Jahr gehabt, ein Minus von zehn Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das sei unter anderem darauf zurückzuführen, dass Anfang des Jahres wegen der Hygieneprobleme der OP-Betrieb eingeschränkt gewesen sei, sagt der Kliniksprecher. Seit Herbst seien die Patientenzahlen wieder auf einem normalen Niveau. Bei den ambulanten Fällen habe es ebenfalls einen Rückgang gegeben, aber auch hier hätten sich die Zahlen stabilisiert. Im Schnitt der vergangenen Jahre ließen sich mehr als 200.000 Menschen am Krankenhaus ambulant behandeln, das 30 Kliniken und Institute umfasst.

Der Skandal kommt die Einrichtung teuer zu stehen: Rund 27 Millionen Euro fehlen in diesem Jahr in der Bilanz. Als Gründe nannte der Sprecher hohe Investitionen in den Hygienebereich und Mindereinnahmen durch weniger Patienten. Arbeitsplätze seien durch das Minus nicht in Gefahr, im Gegenteil, es sei Personal aufgestockt worden. Das Klinikum könne die Bilanz durch Rücklagen ausgleichen. Und man sei auf einem guten Weg, um wieder schwarze Zahlen zu schreiben.

Die "Steri", wie die Zentrale Sterilgutversorgung im Fachjargon heißt, wird dazu vermutlich nicht beitragen - sie kostet das Klinikum sehr viel Geld. Nach dem Skandal wurde ein teurer externer Dienstleister verpflichtet, der auf die Sterilgutaufbereitung spezialisiert ist.

Dass trotzdem etwas schiefgehen kann, zeigte die Uniklinik im Frühsommer. Als Mitarbeiter des Regierungspräsidiums Karlsruhe beim Dienstleister vorbeischauten, der in den Sterilguträumen des Klinikums arbeitet, stellten sie Mängel fest. OP-Zangen waren bei der Vorreinigung nicht korrekt zerlegt worden und auch bei der Dokumentation gab es Fehler. Nichts Gravierendes, doch das Klinikum war wieder bundesweit in den Schlagzeilen.

Die juristische Aufarbeitung läuft noch. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Verstoßes gegen das Medizinproduktegesetz gegen sechs Personen aus dem Klinikumfeld.

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