Nach dem Mord blieben Parolen am Tatort zurück

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„Ich bin unschuldig“, sagte der Angeklagte im Heilbronner Mordprozess. Die Polizei fand seine Fingerabdrücke und DNA am Tatort.  Foto: 

Mit Weihwasser markierte Günter M. ein Kreuz auf der Stirn seiner Frau Maria und wünschte „eine gesegnete Nacht“. Am anderen Morgen musste er über Notruf der Polizei melden: „Meine Frau liegt ermordet im Bett.“ Die 70-jährige Rentnerin aus Untergriesbach (Kreis Heilbronn) war am 19. Mai 2016 stranguliert worden, auf ihren gefesselten Händen lag das Kreuz aus der Küche. Als der langjährige Ortsvorsteher ins Zimmer seiner Frau kam, fand er sie im Bett „mit grausam zugerichtetem Gesicht“, sagte er gestern beim Prozessauftakt im Heilbronner Landgericht. „Sie war die emotionale Mitte unserer Familie, freundlich und friedliebend“, beschrieb der Witwer die Frau, mit der er fast 50 Jahre verheiratet war.

Die Staatsanwaltschaft ist überzeugt, dass den Mord ein Flüchtling begangen hat. Angeklagt ist Abubaker C., dessen Fingerabdrücke und DNA die Polizei am Tatort fand. Er ist wegen Diebstahls und Bedrohung ein „alter Bekannter“. Seine Identität ist nicht ganz geklärt, da er sich selber widerspricht, mal will er 1988 in Pakistan geboren sein, mal 1989 in Saudi-Arabien. Sicher ist nur, dass er am 5. Dezember 2013 in Karlsruhe Asyl beantragte.

Morddrohung im Gericht

Beim Prozessauftakt wies er jede Beteiligung am Verbrechen weit von sich: „Ich bin unschuldig.“ Er, „ein streng gläubiger Sunnit“, sei das Opfer eines Komplotts von Schiiten. Dem Gericht nannte er vier Namen von Pakistanis, denen er samt Familie den Tod androhte, wenn er aus dem Gefängnis entlassen werde. Zwei dieser Männer sind als Zeugen geladen. Der Richter ordnete sofort verstärkte Sicherungsmaßnahmen an.

Der vollbärtige, schlanke Mann mit auffallend langen Fingern erweckte am ersten Verhandlungstag den Eindruck eines respektlosen Schwätzers. Die Anklage geht davon aus, dass er in das Wohnhaus eingedrungen sei, „um einen ungläubigen Menschen umzubringen“. Gegen die Strangulation mit Telefonkabel und Schal habe sich die Frau nicht wehren können. Sie war dem Angriff auch wehrlos ausgeliefert, weil sie ein Schlafmittel eingenommen hatte. Aus dem Haus habe er ein Mobiltelefon, Geld und Schmuck gestohlen, worin die Anklage „übersteigerte Gier nach materiellen Gütern“ sieht. Die Beute war zwar bei dem Angeklagten sichergestellt worden, doch er will sie zufällig am Heilbronner Bahnhof in einer Tüte gefunden haben. Am Tatort blieben Parolen in Arabisch („Allah ist groß“) und in Englisch („Jetzt ist Zahltag“) zurück. Der Ehemann hatte von dem Verbrechen nichts mitbekommen. Er und seine Frau schliefen seit 15 Jahren in getrennten Betten, „weil ich ein starker Schnarcher bin“. Offenbar war jemand ins Haus eingedrungen, obwohl davon ausgegangen worden war, dass alle Zugänge wie sonst auch verschlossen wurden.

Für die Verteidiger sind „noch viele Fragen offen“, erklärten die beiden Rechtsanwälte. Sie bezweifeln auch die Schuldfähigkeit ihres Mandanten. Für die Suche nach der Wahrheit sind bis 28. Februar zehn Prozesstage anberaumt, 34 Zeugen und vier Sachverständige sollen gehört werden.

Warum Abubaker C. nach Deutschland gekommen ist, blieb trotz seiner langatmigen Erklärungen unklar. Sein Vater besitze in Saudi-Arabien ein halbes Dutzend florierender Firmen: „Ich musste Tag und Nacht nur Geld zählen.“

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