Muslimische Seelsorger für die Gefängnisse

Islamisten werben auch in den Gefängnissen für die Idee des Dschihads. Gegen die Radikalisierung von Häftlingen geht das Land jetzt vor.

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Im Kampf gegen den wachsenden Einfluss radikaler Islamisten in den Gefängnissen bildet das Land jetzt spezielle Seelsorger aus. "Wir können künftig Gefangenen, die sich zum Islam bekennen, eine Ansprechperson zur Seite stellen, die Hilfe und Begleitung in einer schwierigen Lebenssituation geben kann", betonten die Minister für Integration und für Justiz, Bilkay Öney und Rainer Stickelberger (beide SPD), in Stuttgart. Das Projekt solle vor allem die Persönlichkeit junger muslimischer Gefangenen stärken. Derzeit sitzen 1500 Muslime in baden-württembergischen Gefängnissen.

Vorgesehen ist, 25 Frauen und Männer, die bereits aktiv in der Krankenhausseelsorge tätig sind, als Gefangenenseelsorger in 145 Stunden samt anschließender Hospitation fortzubilden. Dabei kommen nur solche Menschen in Betracht, die uneingeschränkt die rechtsstaatlichen Grundsätze teilen. Dadurch werde radikalen Predigern der Zugang vereitelt, sagte Stickelberger. Die Vergütung der Arbeit ist noch unklar. Am "Runden Tisch Islam" sei über eine möglichst flächendeckende Seelsorge für Gefangene muslimischen Glaubens diskutiert worden. Jetzt gehe es um die Umsetzung in der Praxis, sagte Öney

Amedy Coulibaly, der Anfang 2015 Geiseln in einem koscheren Supermarkt in Paris genommen hatte, und Chérif Kouachi, einer der beiden "Charlie Hebdo"-Attentäter, sollen sich vor mehreren Jahren im Gefängnis kennengelernt und dort unter dem Einfluss eines Islamisten radikalisiert haben sollen. Wegen der Gründung einer terroristischen Vereinigung sind in Baden-Württemberg derzeit acht Menschen in Haft beziehungsweise Untersuchungshaft.

Im Südwesten gibt es bereits Pfarrer, Priester und Diakone, bei denen Strafgefangene jeglichen Glaubens ihr Herz ausschütten können. "Mit der neuen Ausbildung können wir nun aber unser seelsorgerisches Angebot sinnvoll ausbauen", sagte Stickelberger. Insgesamt sitzen rund 6500 Männer und Frauen in den Gefängnissen im Land ein.

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