Müllgebühren so niedrig wie noch nie

Die 24. Abfallbilanz im Land fällt positiv aus: Die Restmüllmengen sind 2012 auf einen historischen Tiefstand gesunken, die Müllgebühren auch. Umweltminister Untersteller ruft zu mehr Anstrengungen auf.

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142 Kilogramm Haus- und Sperrmüll, so wenig wie nie seit 1990, als die Zahlen erstmals landesweit erhoben wurden, hat jeder Baden-Württemberger 2012 "produziert" - im Schnitt. Das sind, bei einer Gesamtmenge von knapp 3,8 Millionen Tonnen, rund 20 000 Tonnen weniger als im Vorjahr. Umweltminister Franz Untersteller (Grüne) sprach bei der Vorstellung der Bilanz von einem bundesweiten Spitzenplatz. Den nehme das Land auch bei den durchschnittlichen Gebühren für die Müllabfuhr ein: Ein Vier-Personen-Haushalt muss jährlich im Schnitt 148 Euro aufwenden, einen Euro weniger als 2011.

Wie immer liegen die Haushalte mit dem geringsten Restmüllaufkommen im ländlichen Raum. Spitzenreiter ist dieses Mal der Kreis Freudenstadt mit 64 Kilogramm pro Einwohner, dicht gefolgt vom Kreis Calw (66). Aber es gibt auch auf dem Land Ausreißer: Der Hohenlohekreis meldete 220 Kilogramm. Freilich: Er zählt zu den elf Kreisen, die noch keine separate Biomüllabfuhr vorschreiben. 2015 allerdings wird sie für das ganze Land verpflichtend.

Unter den Großstädten warten die Uni-Städte Freiburg (112), Ulm (121) und Heidelberg (140) mit den besten, weil geringsten Restmüll-Daten auf. Traditionelles Schlusslicht ist Mannheim mit 241 Kilogramm pro Einwohner. Untersteller hob aber lobend hervor, das seien "beachtliche sechs Kilo weniger als im Vorjahr". Die Bürger in der Landeshauptstadt Stuttgart brachten es auf 212 Kilogramm Haus- und Sperrmüll. Im sehr viel kleineren Göppingen fielen immerhin auch 202 Kilogramm an.

Mit dem Restmüll-Ranking beabsichtige man keine Schuldzuweisungen, sagte Untersteller. Man wisse um die unterschiedlichen Rahmenbedingungen. Aber die Abfallbilanz decke Potenziale auf, die weitere Anstrengungen auslösen sollten.

Unbefriedigend ist für den Umweltminister die Sparte Biomüll: Zwar wurde 2012 mit 43 Kilogramm pro Einwohner ein zusätzliches Kilo mehr verwertet, aber "es gibt noch Luft nach oben". Kontinuierlich will Untersteller die Menge auf 60 Kilogramm erhöht sehen. Es gehe um hochwertige Ressourcen, die energetisch genutzt werden könnten.

Neben dem Gebot der Abfallvermeidung müsse der Rohstoff-Wiederverwertung im wirtschaftsstarken, aber rohstoffarmen Baden-Württemberg in Zukunft noch größere Bedeutung zukommen. Elektro- und Elektronikschrott, der getrennt gesammelt wird, müsse noch sorgfältiger aufbereitet werden. In einer Tonne Handy-Schrott zum Beispiel befänden sich neben vielen anderen wertvollen Rohstoffen auch 250 Gramm Gold. "Wir können es uns nicht leisten, knappe Rohstoffe wie Gold, Silber, Kupfer oder Seltene Erden nicht wieder dem Wirtschaftskreislauf zuzuführen", sagte Untersteller. Der Umweltminister betonte, dass eine gute Abfallpolitik nicht nur praktizierter Klima- und Umweltschutz sei, "sondern auch die beste Wirtschaftspolitik für unser Land".

Der Bund für Umwelt und Naturschutz in Deutschland (BUND) sieht Unterstellers Abfallbilanz deutlich kritischer. "Alles andere als ein Anlass für Erfolgsmeldungen" seien die Zahlen, sagte die BUND-Landesvorsitzende Brigitte Dahlbender. Besonders bedenklich sei, dass die Menge an Hausmüll, Bioabfällen und Wertstoffen seit 1996 praktisch unverändert geblieben sei. Es sei "blamabel", dass ein innovatives Land wie Baden-Württemberg "fast zwei Jahrzehnte lang auf der Stelle tritt", sagte Dahlbender laut Mitteilung. Die BUND-Vorsitzende unterstrich, dass die CDU-geführten Landesregierungen das Thema Abfall 15 Jahre lang verschlafen hatten. "Gerade vor diesem Hintergrund erwarten wir von einem grünen Umweltminister mehr, als das Verharren auf dem Status Quo als Erfolg zu verkaufen."

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