Moutainbiker kämpfen für eigene Wege

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Zwischen den Bäumen tauchen drei Mountainbiker auf, nehmen die engen Kurven des Weges, fahren über Wurzeln und kommen mit einer harten Bremsung auf einem Kiesweg zum Stehen. Thomas Heiner (55), Jürgen Bühler (49) und Matthias Kohlenberger (28) gehören zum Deutschen Alpenverein (DAV), Sektion Tübingen. Wer im Schönbuch in die Pedale tritt, verstößt häufig gegen ein Gesetz: Radfahrer dürfen in Baden-Württemberg nicht auf Waldwegen mit einer Breite von unter zwei Metern fahren. Doch Mountainbiker lieben schmale Pfade im Gelände. Viele Mountainbiker - nicht nur im Schönbuch - arbeiten an neuen Nutzungskonzepten, um ihren Sport bald sorgenfrei betreiben zu können.

Vor zwei Jahren haben Fallen für Mountainbiker im Wald die Szene schockiert: Schrauben in einer Wurzel auf einer Mountainbikerstrecke bei Offenburg, quergelegte Stämme an einem Trail in Freiburg. Irgendwer hatte es auf Mountainbiker abgesehen. Es kam eine Diskussion darüber auf, wer im Wald unterwegs sein darf.

Eugen Fritz ist ein erfahrener Wanderer, der sein Rad an diesem Morgen im Schönbuch oberhalb der Gemeinde Ammerbuch (Kreis Tübingen) über einen matschigen Weg schiebt. Er könne es als Fußgänger nicht leiden, wenn ihm Mountainbiker fast bis auf die Fersen fahren. „Die sollten Rücksicht nehmen!“ Wenn sich die Radler im Wald gut benehmen, finde er Wege für Mountainbiker gut. Die drei Mountainbiker unterhalten sich freundlich mit ihm, bevor er selber weiter radelt.

Mountainbiker Jürgen Bühler hat sich im Wald schon oft mit Kritikern unterhalten. „Wenn ich ihnen wieder begegne, ist die Spannung draußen“, sagt er. Jedes Gespräch trage zum Dialog der unterschiedlichen Interessengruppen im Wald bei. Der Präsident des Schwäbischen Albvereins, Hans-Ulrich Rauchfuß, sagt: „Ausgewiesene Single-Trails verringern natürlich die Konflikte.“

Im Schönbuch entwickeln die Mountainbiker des DAV derzeit zusammen mit Förstern ein Wegenetz von insgesamt knapp 80 Kilometern, auf dem Mountainbiken erlaubt ist. „Wir sind bei den verantwortlichen Forstleuten auf enorme Offenheit gestoßen und konnten Trails ins Wegekonzept mit aufnehmen, bei denen wir das nur schwer für möglich hielten“, sagt Bühler, der zusammen mit Thomas Heiner maßgeblich am Projekt beteiligt ist. Solche für Biker herausfordernden Strecken für Biker müssten in einem guten Konzept enthalten sein. Für ein freundliches Miteinander und einen naturschonenden Umgang ist laut Heiner eine sogenannte Nettiquette im Schönbuch geplant.

In anderen Regionen, beispielsweise im Bottwartal bei Heilbronn, sind bereits solche Trails im Dialog mit Wanderern, Förstern und anderen Waldnutzern entstanden.

Dort haben sich die Mountainbiker zum Verein „Trailsurfers Baden-Württemberg“ zusammengeschlossen, um sich als verlässlicher Partner für die Behörden zu präsentieren, sagt der Vorsitzende Stefan Pyttlik. Man kämpfe gegen das Image von den Wilden im Wald. Bei den Behörden sei die Grundstimmung inzwischen zunehmend positiv, Mountainbiken werde als touristischer Standortfaktor und als zukunftsträchtiger Sport gesehen.

Pro Tag kommen nach Angaben von ForstBW rund zwei Millionen Menschen in Wälder im Land, um ihre Freizeit zu verbringen. Mountainbiken ist vom Nischen- zum Breitensport geworden.

Nächstes Jahr könnten erste Mountainbiker auf der Strecke im Schönbuch unterwegs sein. „Es war auch interessant für mich, die Sichtweise der Mountainbiker kennenzulernen“, sagt der stellvertretende Leiter der Abteilung Forst im Landratsamt Tübingen, Götz Graf Bülow von Dennewitz. Den Dialog mit den Mountainbikern habe es bisher nicht gegeben, die Zusammenarbeit lobt er. Und: „Wenn man ein positives Angebot an die Mountainbiker macht, können wir auch eher mit Nachdruck sagen, wo es uns nicht passt.“

Immerhin ist der Schönbuch ein Naturschutzgebiet nach europäischer Richtlinie. „Wir vertreten zwar keine Extremforderung: Keine Mountainbiker im Wald“, sagt die Regionalgeschäftsführerin des Umweltschutzverbandes BUND, Barbara Lupp. Aber die Strecken müssten sorgsam ausgewählt werden und dann müsse auch kontrolliert werden, ob die Mountainbiker nicht doch abzweigen und querfeldein brettern. „Die Natur ist nicht einfach eine Kulisse, die man nutzen kann, wie man will.“

Die Tübinger DAV-Radler distanzieren sich vom Rowdytum auf den Wegen und von rücksichtslosen Waldnutzern. Die Mehrheit ihrer Sportsfreunde wollen die Natur genießen, sind sie überzeugt. Die Tübinger wollen endlich weg von der Zwei-Meter-Regel im Wald. Denn ohne die schmalen Wege ist Mountainbiken nur schwer vorstellbar. „Wir lieben die Natur, keine ausgebauten Wege“, sagt Bühler.

ForstBW - Regeln beim Radfahren im Wald

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