Mit Kopftuch ohne Jobchancen

Studium und Karriere mit Kopftuch - für viele Deutsche erscheine das unmöglich, klagen muslimische Frauen. Dabei strebten viele nach Bildung.

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Mehr Verständnis und praktikable Lösungen wünschen sich die Frauen des Deutschsprachigen Muslimkreises Karlsruhe (DMK) vor allem mit Blick auf den deutschen Arbeitsmarkt. Besonders Trägerinnen von Kopftüchern würden häufig bei der Suche nach Praktika oder nach einem Ausbildungsplatz klar diskriminiert, wie Mahiye Sarikan aus dem DMK-Vorstand am Samstag beim Karlsruher Islamforum sagte.

Besonders deprimierend sei die Situation für junge Frauen, die Lehrerin werden wollten, sagte DMK-Vorstandsmitglied Hanife Kabashi. Eine anonymisierte Bewerbung einzuführen, wie sie beispielsweise in den USA bereits Standard ist, wäre aus ihrer Sicht ein erster wichtiger Schritt zur Verbesserung der Situation der Frauen.

"Integration wird in der Gesellschaft zwar gefordert, aber gleichzeitig auch gebremst", sagte Sarikan, die selbst am Karlsruher Institut für Technologie studiert. "In der Uni erlebe ich keine Diskriminierung. Allerdings falle ich durch das Kopftuch auf und die Menschen nehmen mich schneller wahr", sagte die 27-Jährige.

Frauen müssten sich im Alltag häufig für das Tragen des Kopftuchs und ihre Religion allgemein rechtfertigen - muslimische Männer hingegen würden in ein "Täterbild vom herrischen Patriarchen" gedrängt. "Ich wünsche mir Toleranz und dass mein Dasein einfach akzeptiert wird, wie das eines jeden Menschen in der Stadt", so die Karlsruherin, deren Familie aus der Türkei stammt.

Doch den Kampf gegen Vorurteile und Stereotypen aufzunehmen, sei schwierig: Die Mehrheit der Bevölkerung hierzulande nähme muslimische Frauen noch immer meist als "unterdrückt", "ungebildet" und als "von der Gesellschaft isoliert" wahr. Doch eine große Zahl gläubiger Muslima - eben auch solche mit Kopftuch - strebe nach Bildung und sei um verstärkte gesellschaftliche Teilhabe bemüht, hieß es weiter.

Wie die gesellschaftliche Integration muslimischer Frauen allgemein und konkret in Karlsruhe unterstützt werden kann, war das Thema beim Karlsruher Islamforum, dass der DMK am Wochenende unter Schirmherrschaft der Stadt bereits zum vierten Mal veranstaltet hatte.

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