Mit Fleischermesser bedroht

Seine Flucht machte 2013 Schlagzeilen: Ein heute 40-Jähriger war damals aus der forensischen Psychiatrie am ZfP Zwiefalten geflohen. Der verurteilte Gewalttäter hatte nachts zwei Betreuer massiv bedroht.

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Gestern begann am Tübinger Landgericht unter großen Sicherheitsvorkehrungen der Prozess gegen den mehrfach vorbestraften Gewalttäter, der im April 2013 aus der forensischen Abteilung am Zentrum für Psychiatrie (ZfP) in Zwiefalten geflohen war. An jenem 10. April, so der Vorwurf der Staatsanwaltschaft, war der heute 40-Jährige gegen 2.20 Uhr in der Nacht in das Zimmer der Betreuer eingedrungen und bedrohte diese massiv.

Dabei habe der Mann nicht nur Todesdrohungen ausgestoßen, sondern auch mit einem spitzen Tortenheber "Hiebe gegen das Gesicht" einer Betreuerin ausgeführt, erklärte Staatsanwalt Jan Vytlacil. Getroffen habe er sein Opfer nicht - die beiden Betreuer aber doch so eingeschüchtert, dass sie keinen Widerstand leisteten und sich mit Socken und Schnürsenkeln an Händen und Füßen fesseln ließen.

Anschließend durchsuchte der Angeklagte laut Ermittler die persönlichen Sachen der Betreuer und ließ sich zeigen, wie er die forensische Abteilung verlassen könne, ohne Alarm auszulösen.

Dabei bedrohte er die Betreuer mit einem langen Fleischermesser, das er in der Küchenzeile des Zimmers gefunden hatte. Mehrmals drohte er den Gefesselten mit dem Tod, sollte ihm der Ausbruch nicht gelingen. Tatsächlich scheiterte sein erster Versuch, er ließ sich dann aber von der Betreuerin, die gefesselt zur Tür humpeln musste, die richtige Handhabung der Schlüssel erklären. Für seine Flucht stahl der Mann das Mazda-Cabriolet eines Betreuers.

Seine Flucht endete erst einige Wochen später im Raum Aachen, wo ein Sondereinsatzkommando den Gesuchten in einer Wohnung festnahm. Gefunden wurden dabei mehrere Dokumente: kongolesische und russische Ausweise sowie ein lettischer Führerschein.

Staatsanwalt Vytlacil legte dem 40-Jährigen tateinheitlich zweifache Geiselnahme, zweifachen erpresserischen Menschenraub, zweifachen besonders schweren Raub und besonders schwere räuberische Erpressung zur Last. Der Angeklagte habe überdies, so stellte der Staatsanwalt weiter fest, einen "Hang, erhebliche Straftaten zu begehen und seinen Opfern seelische Schäden zuzufügen".

Zum Prozessauftakt herrschten am Tübinger Landgericht hohe Sicherheitsvorkehrungen: Zuschauer wurden durchsucht, selbst Medienvertreter mussten ihre Smartphones in Schließfächern ablegen. Sieben Justizbeamte saßen in den Zuhörerreihen, drei weitere brachten den an Händen und Füßen gesicherten Mann vor die zweite große Strafkammer des Landgerichtes. Auch während des ersten Prozesstages blieb der 40-Jährige gefesselt.

Warum, deutete die Anklage an: Der Angeklagte ist mehrfach einschlägig vorbestraft, für den Angriff auf einen Polizisten soll er sieben Jahre hinter Gittern verbracht haben. Auch in Haft sei es immer wieder zu Vorfällen gekommen, unter anderem hat der Angeklagte im Gefängnis mit Drogen gedealt. Dennoch wurde der suchtkranke Mann im April 2013 in die forensische Psychiatrie nach Zwiefalten verlegt - er hatte versichert, dass er eine Therapie machen wolle. Vor Gericht gab der in der Ukraine geborene deutsche Staatsangehörige in einer von seinen Verteidigern verlesenen Erklärung die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft vollumfänglich zu. "Es stimmt alles so, wie es die Anklage mir zur Last legt", hieß es in der Erklärung. Der Angeklagte entschuldigte sich zugleich und betonte, nur "starke Worte" benutzt zu haben: "Ich wollte keine Gewalt ausüben und habe es nicht."

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