Blasmusikverbände beklagen mangelnde Unterstützung durch Land

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Die beiden großen Blasmusikverbände im Land schlagen Alarm. Am Donnerstag wird im Landtag über den Etat des für sie maßgeblichen Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst beraten. Der württembergische Blasmusikverband Baden-Württemberg (BVBW) und der in Baden federführende Bund Deutscher Blasmusikverbände (BDB) fürchten um nichts weniger als den Fortbestand ihrer Jugend- und Ausbildungsarbeit.

Konkret geht es um die Finanzierung eines neuen BVBW-Musikzentrums in Plochingen, nachdem die Vorgängerakademie in Kürnbach aus Baugründen geschlossen werden musste, und um den Ausbau der überlaufenen BDB-Musikakademie in Staufen. Die beiden Verbände haben dazu beim Land Fördermittel über zusammen 20 Millionen Euro beantragt und entsprechende Gutachten eingereicht. In den Haushaltsplänen sind nun aber lediglich acht Millionen Euro verankert. Auf verpflichtende Zusagen, die weiteren Mittel in den Folgejahren in den Landesetat einzustellen, will sich die Regierung bislang nicht einlassen. „Wir hätten dann keine adäquate Ausbildung in der Breite für Dirigenten, aber auch nicht für die Orchester insgesamt“, warnt BDB-Präsident Patrick Rapp gegenüber dieser Zeitung. „Ich kann an die zuständige Ministerin Theresia Bauer nur appellieren, die Blasmusik nicht hängen zu lassen.“

Ins gleiche Horn stößt BVBW-Präsident Rudolf Köberle. Mit landesweit 165 000 aktiven und weiteren 300 000 passiven Mitgliedern, die in knapp 2400 Vereinen organisiert sind, sei die Blasmusik in Deutschland nirgendwo stärker verankert als in Baden-Württemberg. Die Blasmusikvereine erfüllten einen hohen gesellschaftlichen und kulturellen Auftrag und erreichten viele junge Leute – über 60 Prozent der aktiven Mitglieder seien unter 27 Jahre alt. „Eigentlich müsste das Land uns fragen: Was können wir tun, um eure wichtige Arbeit zu unterstützen?“, sagte Köberle dieser Zeitung.

Die Verbände ziehen dabei den Vergleich mit dem Sport, für dessen Bauten das Land regelmäßig hohe Millionensummen zuschießt. So hat die Landesregierung zugesagt, in den nächsten Jahren Stadionbauten für die Profi-Fußballvereine SC Freiburg und Karlsruher SC mit Millionenbeträgen zu unterstützen. „Was wir dem Sport zugestehen, sollten wir auch der Laienmusik zugestehen“, sagt der CDU-Finanzexperte Tobias Wald. Seine Fraktion stehe den Forderungen der Blasmusikverbände „offen“ gegenüber.

Dass BDB-Präsident Rapp ebenfalls Mitglied der CDU-Fraktion ist und der BVBW-Vorsitzende Köberle für die CDU lange Minister und bis zur Wahl 2016 Abgeordneter war, macht den Konflikt um Gelder für die Blasmusik auch zu einem zwischen CDU und Grünen. In den Haushaltsberatungen, heißt es bei der CDU, hätten die Grünen alle Vorstöße der CDU für die einmalige Investitionssumme von 20 Millionen Euro abgeblockt. Die Entscheidung habe die Haushaltskommission gemeinsam – also auch mit Zustimmung der CDU - getroffen, sagte dagegen ein Sprecher des Wissenschaftsministeriums. „Wir als Ministerium müssen mit den Zahlen umgehen, die der Landtag verabschiedet.“ 

Das Wissenschaftsministerium verwies zudem darauf, dass es von Seiten der Blasmusik auch noch die Forderung nach einer Erhöhung der Dirigentenpauschale gebe.

Doch die Verbände pochen auf beides, eine höhere Dirigentenpauschale und ihre Bauvorhaben. In einem Gutachten fürs Land heißt es, die Musikakademie in Staufen habe die Kapazitätsgrenze erreicht. Im Württembergischen fehlt seit April 2016 eine entsprechende Einrichtung. „Wir müssen dringend loslegen“, mahnt Köberle.

Debatte Die Einzeletats der Ressorts werden in dieser Woche im Landtag diskutiert. Mittwoch geht es mit dem Haushalt des Staatsministeriums los, die Debatte darüber wird traditionell für eine Generalaussprache genutzt. Dann folgen bis einschließlich Freitag die weiteren Ressorts. Am 22. Februar soll der Haushalt dann endgültig vom Landtag verabschiedet werden. rol

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