Mehrkosten für Stuttgart 21: Ehrlicher Kassensturz nötig

Wieder ein Häppchen Wahrheit vom Mega-Projekt Stuttgart 21. Die Bahn sollte sich ehrlich machen, eine glaubwürdige Finanzierung vorlegen – und die Bundesregierung in die Pflicht nehmen.

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Autorenfoto Fabian Ziehe  Foto: 

Alle wollen es gewusst haben: Eine Milliarde Euro mehr soll der neue Stuttgarter Bahnknoten kosten – plus drei Jahre mehr Bauzeit. Soweit die Nachricht – der Rest ist Ritual: Die S-21-Gegner feixen, die Befürworter suchen peinlich bemüht andere Schuldige. Und die Bahn bestätigt nur, was nicht mehr zu leugnen ist.

Wie wäre es, der Konzern würde sich ehrlich machen, einen rigorosen Kassensturz wagen? Seine Informations-Verhinderungspolitik macht alles nur schlimmer, zumal seine Gremien Interna so gut zurückhalten wie ein rostiges Sieb. Da wären einmalige schlechte Nachricht besser als Hiobsboschaften im Stakkato.

Die Bahn braucht Zeit und Ruhe, um S.21 ins Lot zu bringen. Und eine belastbare Finanzierung. Dass Projektpartner wie  Stadt und Land nicht mehr zahlen wollen, ist moralisch verständlich und juristisch fragwürdig. Beim Bund ist es genau umgekehrt. Eigentlich müsste Berlin endlich Signale für eine Lösung des Finanzierungsstreits aussenden. Umso ärgerlicher ist da die holprige Regierungsbildung.

Und allen nun feixenden S-21-Zaungästen sei gesagt: Unter Mehrkosten und Verzögerungen werden ausnahmslos alle Beteiligten leiden – Bahn, Bund, Land und Pendler. Stänkern löst keine Probleme.

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Kommentare

04.12.2017 23:48 Uhr

Das unterscheidet Stuttgart 21 vom BER-Debakel

(...) Die Parallelen zum Schwester-Desaster, dem Hauptstadtflughafen BER, liegen auf der Hand. Die offensichtlichste: Wenn der Staat milliardenteure Großprojekte baut, ist die Gefahr der Kostenexplosion und jahrelangen Verzögerung quasi miteingebaut. Verständlich, denn ein Bauvorhaben, das sich über 30 Jahre zieht, ist am Ende kaum mehr zu beherrschen.

Aber die Verantwortlichen bei Politik und Bahn nehmen das offenbar mit einer gewissen Gelassenheit. Nach dem Motto: Ist doch egal, ob das Vorhaben Milliarden mehr kostet und Jahre später fertig wird. Dafür aufkommen wird beim BER und bei S21 ausschließlich der Steuerzahler. Und der wird die Gebäude und Anlagen auch irgendwann nutzen und kann anders als ein privater Auftraggeber nicht klagen.

Dennoch liegt der Fall Stuttgart 21 anders als der des BER. Denn den Flughafen wollen oder wollten die meisten in Berlin und Brandenburg – zumindest die gewählten Parlamente der beiden Länder und die jeweiligen Landesregierungen sowie der Gesellschafter Bund.

In Stuttgart dagegen ringt die Bahn seit Jahren mit einer in Teilen abwehrenden Bevölkerung und einer Landesregierung, deren Seniorpartner, die Grünen, mit dem Versprechen angetreten waren, das Projekt zu verhindern – und damit überraschend der CDU die über Jahrzehnte gehaltene Regierungsgewalt im Ländle abringen konnten. (...)

https://www.welt.de/wirtschaft/article171090805/Das-unterscheidet-Stuttgart-21-vom-BER-Debakel.html

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01.12.2017 19:51 Uhr

Kostensteigerungen - das Ritual bei Großprojekten

Ein Schweizer Gutachterbüro hat die Kosten bereits vor Jahren auf realistische 10 Mrd. Euro veranschlagt. Wohlgemerkt, für einen Rückbau der Verkehrsinfrastruktur, denn der Tiefbahnhof wird schon den Kapazitätsanforderungen der nahen Zukunft nicht genügen können.

Das Stimmvolk wurde im Rahmen der Volksbefragung 2011 nach Strich und Faden belogen, denn bei Bauprojekten dieser Größenordnung wird auf Betreiben der Politik nur ein bestimmtes Klientel zufriedengestellt, reiben sich doch die beteiligten Firmen schon vorab die Hände.

Sobald die Bauarbeiten nämlich begonnen haben, können sie immer wieder neue und höhere Forderungen stellen, ohne Angst haben zu müssen, dass ihnen der Auftrag wieder entzogen wird. Letztendlich zahlt doch der Steuerzahler dafür - und der ist im Endeffekt ein schier unversiegbarer Quell des schnell verdienden Geldes.

Zeitpläne sind doch ohnehin bereits im Planungsstadium völlige Utopie. Und durch ständige Verzögerungen im Bauablauf kann man ja noch couragierter die "mittlerweile gestiegenen" Kosten als Motiv für höhere Forderungen heranziehen.

http://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.kosten-von-stuttgart-21-gruene-sehen-bei-s-21-den-bund-in-der-pflicht.bc8fadb6-9b92-4f19-8f3d-092ea2c3f500.html

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01.12.2017 00:18 Uhr

Stuttgart 21 - ein mehr als verkorkstes Schienenprojekt

.... und da spricht Frau Razavi naiv von verkehrlichen Vorteilen für die Region und für ganz BW.

S21 beschädigt die Funktionsfähigkeit des Schienenverkehrs und schafft einen Engpass im Großraum Stuttgart. Die Umsteigebeziehungen werden massiv beeinträchtigt, die Kapazität auf 32 Züge/Spitzenstunde reduziert (s. Planfeststellungsunterlagen), die Stabilität der Fahrpläne wird beschädigt, die Einführung eines Taktfahrplans wird unmöglich und insgesamt wird der Bahnhof für ein-, aus- und vor allem für umsteigende Fahrgäste unkomfortabler, teurer und unsicherer.

S21 war noch nie ein fortschrittliches Projekt aus genau diesen Gründen. Und deshalb ist ein Abbruch von S21 längst überfällig und nicht nur wirtschaftlich sinnvoll, sondern zum Schutz der Zukunftsfähigkeit des Stuttgarter Bahnknotens unbedingt erforderlich. Insofern handelt es sich also um ein Produkt mit deutlich negativem Nutzen, bei dem gutes Geld schlechtem in Milliardenhöhe leichtfertig nachgeworfen werden soll. Hier wird gerade das Erbe von Generationen mutwillig verveschpert, unfassbar!

http://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.stuttgart-21-neue-kostenexplosion-bei-stuttgart-21.37abe4fb-6a0b-4efe-94f3-b4898573da70.html

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30.11.2017 01:08 Uhr

was sagt eigentlich Frau Razavi heute dazu?

23.09.2011

„Kosten bei Stuttgart 21 bleiben im Rahmen – wer was anderes behauptet, lügt!“

Die verkehrspolitische Sprecherin der CDU-Landtagsfraktion Nicole Razavi MdL: „Seit heute liegen die aktuellsten Berechnungen der Bahn zu den Kosten für Stuttgart 21 schwarz auf weiß auf dem Tisch. Daraus geht klar hervor: Der Kostenrahmen wird eingehalten, .... „Die heutige Sitzung des Lenkungskreises hat klar gezeigt, dass die Bahn den Kostenrahmen einhält. Von Seiten der Bahn liegen klare Fakten vor, doch das wird vom Minister bewusst ignoriert. Die Kostenobergrenze von 4,526 Milliarden Euro wird entgegen der Behauptungen des Ministers nicht überschritten. Die Kosten liegen mit rund 4,1 Milliarden Euro nach wie vor voll umfänglich im Rahmen.... "

Frau Razavi gehört dem Council (Beraterkreis) der Sweco GmbH in Bremen (früher Grontmij GmbH) an. Das Unternehmen ist ein Ingenieur-Dienstleister, der auch bei Stuttgart 21 beteiligt ist.

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29.11.2017 18:56 Uhr

Ein Ausstieg aus Stuttgart 21 ist die einzige vernünftige Lösung

Stuttgart 21 ist unrealisierbar und war es auch schon immer, was an den ungelösten Problemen, den irrwitzigen Kosten und einigen seit Jahren (!!!) fehlenden Genehmigungen leicht zu erkennen ist. Darüber hinaus ist es unwirtschaftlich - für den Steuerzahler lohnt sich der Ausstieg daher immer, um so früher, desto mehr. Bereits gebaute Teile lassen sich umnutzen, um wenigstens einen Teil der Kosten zu begleichen.

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29.11.2017 17:55 Uhr

Stuttgart21

Wie überraschend!

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29.11.2017 17:55 Uhr

Gefesselte anstatt entfesselte Naturkraft

Ohne menschliche Arbeitskraft lässt sich das Vorhaben namens "Stuttgart 21" nicht verwirklichen. Insofern es sich dabei also um die Entfesselung einer Naturkraft handelt, erstaunt über alle Maße hinweg, dass nahezu keine Gelegenheit verstreicht, deren ungehinderte Entfaltung zu sabotieren. Es nimmt dann nicht wunder, wenn die dafür zu veranschlagenden Kosten zunehmend ins Uferlose tendieren. Hielten dessen vermeintliche Kritiker in ihrem offenkundigen Unfug inne, hätte das Projekt begründete Aussichten darauf, vorzeitig zu weitaus geringeren Kosten fertiggestellt zu werden.

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29.11.2017 17:06 Uhr

wo bleiben jetzt..

..die bedingungslosen Befürworter und Diffamierer gegenüber anders denkenden. Jetzt kommt nach und nach raus, daß das ganze Bauvorhaben doch ein Schwachsinn ist und plötzlich ist betretenes Schweigen bei den "Buddlern statt Bruddlern". Ich lach mich weg und eigentlich nur noch zum Fremdschämen in diesem Land, in dem man doch angeblich so gerne lebt.
Ein Totalversagen durch und durch und wie immer wird niemand zur Rechenschaft gezogen.

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Themenschwerpunkt

Das Bahnprojekt Stuttgart 21 und die Neubaustrecke

Die Bahn preist Stuttgart 21 und die Neubaustrecke von Wendlingen nach Ulm als zukunftsweisendes Projekt an, Kritiker widersprechen. Auf dieser Seite finden Sie alle Artikel zur Neubaustrecke und Stuttgart 21.

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