Schule: Mehr Wahlfreiheit in der Oberstufe

Fünfstündige Intensivkurse mit schriftlicher Abiturprüfung: Die CDU eröffnet mit einem Konzeptpapier die Debatte um eine Reform an den Gymnasien.

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Baden-Württemberg hat 2004 zuletzt das Unterrichtssystem der letzten beiden Schuljahre am Gymnasium reformiert: Die damalige Kultusministerin Annette Schavan (CDU) hat damals die Grund- und Leistungskurse abgeschafft. Seither muss jeder Schüler auf dem Weg zum Abitur an den allgemeinbildenden Gymnasien fünf Fächer auf erhöhtem Niveau, aber mit einer niedrigeren Wochenstundenzahl (vier) als bei den beiden früheren Leistungskursen (fünf) belegen.

13 Jahren später hat die CDU-Landtagsfraktion nun ein neues Konzeptpapier erarbeitet, das der SÜDWEST PRESSE vorliegt. Auslöser ist eine Ende 2016 von der Kultusministerkonferenz beschlossene Vereinbarung, die gymnasiale Oberstufe generell zu überarbeiten. Danach dürfen die Bundesländer künftig in der Kurs­phase nur noch zwei bis vier Fächer auf erhöhtem Anforderungsniveau vorschreiben. Die Umsetzung ist für 2018 geplant.

Mehr Lernzeit für gleichen Stoff

Baden-Württemberg ist damit gezwungen, sich von der derzeitigen Praxis mit fünf Fächern auf erhöhtem Niveau zu verabschieden. CDU-Fraktionschef Wolfgang Reinhart sieht aber auch inhaltliche Gründe für eine Reform. „Wir entwickeln die gymnasiale Oberstufe zeitgemäß weiter und überwinden oft kritisierte konzeptionelle Nachteile der bisherigen Kursstufe“, sagte Reinhart dieser Zeitung. Ziel seiner Fraktion sei dabei „mehr Wahlfreiheit, ein höheres Leistungsniveau bei gleichzeitig breiter Allgemeinbildung und damit eine bessere Vorbereitung auf die Anforderungen des Studiums“.

Konkret sieht das Konzept der CDU-Fraktion für Schüler der Oberstufe die Einführung von drei Fächern als „Intensivkurse“ mit je fünf Wochenstunden  vor. „Dabei wird es auch neue Wahlmöglichkeiten geben – wie etwa die Kombination von Mathematik, Physik und Chemie zur ausdrücklichen Stärkung der Naturwissenschaften“, sagte CDU-Fraktionsvize und -Bildungsexperte Karl-Wilhelm Röhm. Trotz höherer Stundenzahl soll der Lernstoff der gleiche bleiben wie beim bisherigen vierstündigen Niveau. „Wir wollen mehr Lernzeit für den gleichen Stoff“, so Röhm, der selbst lange Jahre Schulleiter an einem allgemeinbildenden Gymnasium war. Mit den derzeitigen vierstündigen Vertiefungsfächern sei das Niveau der früheren Leistungskurse nicht erreicht worden, heißt es im Konzeptpapier.

 Die Kernfächer Deutsch, Mathematik, eine Fremdsprache und eine Naturwissenschaft sollen, so nicht bereits als Intensivkurse belegt, als dreistündige Basiskurse unterrichtet werden. In diesen Fällen müsste noch definiert werden, welche inhaltlichen Abstriche gemacht werden. Alle weiteren Fächer sollen laut dem Konzept als zweistündige Basiskurse erteilt werden.

Der Plan der Christdemokraten sieht vor, dass alle drei Intensivkurse im Abitur schriftlich geprüft werden. Dabei soll mindestens ein Intensivkurs frei wählbar sein. Damit, heißt es im Konzeptpapier, sollten die Gesellschaftswissenschaften einschließlich des Fachs Wirtschaft sowie im Sinne der Talentförderung Fächer wie Kunst, Musik oder Sport gestärkt werden.

Die Präsentationsprüfung will die CDU abschaffen. Stattdessen soll die mündliche Prüfung wieder eine „klassische Prüfung“ mit 20 Minuten Vorbereitung und 20 Minuten Prüfungszeit zu einem im Vorfeld unbekannten Thema der Kursstufe sein. Damit lege die CDU „einen klaren Schwerpunkt auf die Fachlichkeit statt auf ­reine Präsentationsfähigkeiten“, sagte Karl-Wilhelm Röhm.

Mit den Bildungsexperten der Grünen hat die CDU bereits ein erstes Sondierungsgespräch in der Sache geführt, für Ende des Monats ist ein weiteres Treffen vereinbart. Ihr ausgearbeiteter Vorschlag, so Reinhart und Röhm, basiere auf zahlreichen Gesprächen mit Verbänden aus Schule und Wirtschaft.

Während das Konzeptpapier allein die allgemeinbildenden Gymnasien behandelt, ist auch eine Reform der Oberstufe an den Berufsschulen in Arbeit. Dabei soll es teilweise zu Vereinheitlichungen kommen, so könnte die Anzahl der Intensivkurse ebenfalls auf drei festgelegt werden.

Im Abi 2016 lag die Durchschnittsnote bei 2,39, am häufigsten gab es an den allgemeinbildenden Gymnasien die 2,6. Nach Angaben des Statistischen Landesamts erhielten 1,7 Prozent der Abiturienten die Bestnote 1,0. Eine 1 vor dem Komma stand in 26 Prozent der Zeugnisse, eine 2 in 52 Prozent und eine 3 in 22 Prozent der Fälle. An den beruflichen Gymnasien lag die Durchschnittsnote bei 2,51. Die 1,0 schafften 0,7 Prozent. Insgesamt haben 2016 knapp 51 000 Absolventen die allgemeine Hochschulreife geschafft: 65 Prozent am allgemeinbildenden und 35 Prozent am beruflichen Gymnasium. eb

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