Mehr Glanz fürs „Fürstenhäusle“ in Meersburg

Das Fürstenhäusle oberhalb von Meersburg wird 2017 umgebaut und saniert. Die Dichterin Annette von Droste-Hülshoff nutzte es als Rückzugsort.

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Der Rückzugsort der Dichterin: Das Fürstenhäusle oberhalb von Meersburg gehört zum Gesamtensemble Schloss Meersburg.  Foto: 

Der Weg und das Treppensteigen lohnen sich. Besucher, die vom Hafen in Meersburg aus den Aufstieg wagen, könnten etwas außer Atem geraten. Aber der bleibt ihnen ohnehin weg, wenn sie oben in den Weinbergen beim „Fürstenhäusle“ angekommen sind und sich in Richtung Bodensee wenden. Der Blick geht weit übers Wasser und bleibt bei geeignetem Wetter an der Alpenkette hängen. Das „Fürstenhäusle“ war vor mehr als 170 Jahren der Rückzugsort für die Dichterin und Schriftstellerin Annette von Droste-Hülshoff. Dort fand sie die Ruhe für ihre literarischen Gedanken und ihre Inspiration. Heute ist es ein Museum, dessen Inventar an ihr Leben und Schreiben erinnert. 2017 wird das Haus umgebaut. Es soll für Besucher attraktiver werden.

Dafür werden fast 700 000 Euro investiert. 418 000 Euro kommen aus Fördermitteln der Staatlichen Toto-Lotto GmbH. Das Land beteiligt sich mit 245 000 Euro. „Dafür wird das Haus umfassend und denkmalgerecht saniert“, sagte Finanzministerin Edith Sitzmann bei ihrem Besuch in Meersburg. Bislang kämen um die 5000 Besucher pro Jahr ins „Fürstenhäusle“. Nach dem Umbau sollen es deutlich mehr werden.

Das Häuschen, das oberhalb von Meersburg inmitten von 5000 Rebstöcken steht, wurde um 1604 vom späteren Fürstbischof Jakob Fugger als Rückzugsort erbaut. Im Zuge der Säkularisation  – und damit der Auflösung des Fürstbistums Konstanz/Meersburg – wurden das Fürstenhäusle, die Weinberge, das Alte und Neue Schloss dem späteren Großherzogtum Baden zugeschlagen. 1843 ersteigerte Annette von Droste-Hülshoff das Häuschen. Sie hatte viel vor damit, wollte es als Alterssitz nutzen. Doch es kam anders. Die Dichterin wurde krank und starb 1848 auf der alten Burg Meersburg.

Viele Jahre stand das Fürstenhäusle leer. Erst 1924 eröffneten Nachfahren „der Droste“ es als Gedenkstätte an die Dichterin. Sie erweiterten das Haus mit einem Anbau, und zeitweise wohnten sie in dem Gebäude. 1960 kaufte es das Land samt Inventar aus dem 19. und 20. Jahrhundert. Seitdem ist es unverändert geblieben. Doch nächstes Jahr soll die „problematische Mischung aus Wohnung und Museum“  aufgehoben  werden, sagt Peter Moser, Baudirektor der Vermögen und Bau aus Ravensburg, der mit der Planung des Umbaus betraut ist. Auch gebe es „an allen Ecken und Enden Schäden“, die nun behoben werden könnten.

Geplant ist, den Anbau und eine Garage abzureißen und das „Fürstenhäusle“ äußerlich wieder seinem ursprünglichen Zustand anzunähern. Der Eingang wird verlegt und barrierefrei. Das Museum bekommt ein zeitgemäßes Konzept. Ob die Stücke, die darin zu sehen sind, aus der Zeit „der Droste“ stammen, ist in vielen Fällen nicht klar. Nur bei einer Kinderschaukel, die im ersten Stock steht, scheint sicher zu sein, dass darin die kleine Annette schon geschaukelt hat. Nach Auskunft von Marlene Pellhammer von den Staatlichen Schlössern und Gärten, zu denen das „Fürstenhäusle“ gehört, soll sie die Schaukel zu ihrem 10. Namenstag bekommen haben. Die vielen anderen Objekte im Haus werden gesichtet, verglichen und eingeordnet – auch die poetischen.

Was auf jeden Fall auch schon die Dichterin genossen hat, ist die Aussicht auf den See. Ob sie von dem Schreibtisch aus in die Ferne geblickt hat, der vor dem Fenster steht, ist ungewiss. Auch ob sie in dem Bett geschlafen hat, das im Raum steht. Das muss noch untersucht werden.

Klar ist aber, dass das Haus 2018 wieder eröffnet wird. Dann sollen darin auch Lesungen und Weinproben angeboten werden.  Damit die Besucher erfahren und erschmecken, was rund ums Haus wächst.

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