Mehr Geld, weniger Käse

Der Standort Baden-Württemberg spielt im Vergleich der Bundesländer vielleicht nicht die erste Geige. Laut erinnert Bayern immer wieder daran, wer vorn liegt, aus Münchner Sicht jedenfalls.

|
Vergleich Baden Württemberg - Österreich.   Foto: 

Die Baden-Württemberger lassen die Nachbarn unbeeindruckt weiter dicke Backen machen, denken sich ihren Teil - und schaffen einfach weiter.

Eigenlob stinkt, weiß man hierzulande. Dabei muss der Südwesten sein Licht nicht unter den Scheffel stellen. Nicht im Vergleich der Bundesländer. Und auch nicht in der EU: Eine Reihe Mitgliedsländer sind zwar flächenmäßig größer als Baden-Württemberg, aber bei der Einwohnerzahl kleiner: Finnland, Portugal, Ungarn, Kroatien und Dänemark sind dafür Beispiele.

Oder, viel näher, die Republik Österreich. Zum Vergleich also mal Wissenswertes aus dem Alpenland, nicht wie sonst Zahlen aus anderen Bundesländern. Immerhin war ein Teil des heutigen Baden-Württembergs bis vor 210 Jahren auch unter Habsburger Herrschaft. Hauptstadt von Vorderösterreich war Freiburg, in der Ortenau oder an der Donau hatten die Österreicher auch Städte. Beim Vergleich geht es nicht um Kraftmeierei nach dem Motto: Wer braucht schon Berlin und den ganzen föderalen Kram? Es geht um den Standort des Landes, in dem am 13. März ein neues Parlament gewählt wird. Der Vergleich mit einer ganzen Republik, Österreich, zeigt, wie das Bundesland aussieht, das der künftigen Regierung anvertraut wird.

Sportlich, das muss gleich raus, landet der Südweststaat eher hinten. VfB Stuttgart, Freiburg und Hoffenheim hätten es derzeit sogar zusammen schwer gegen Österreichs Nationalelf. Und im Wintersport: Georg Thoma, Katja Seizinger und Carina Vogt sind klingende Namen, gegen die Legionen rot-weiß-roter Weltmeister und Olympiasieger kommen sie nicht an.

Im Tourismus geht Österreich mit ähnlichem Abstand ins Ziel. Heidelberg oder Schwarzwald können zwar bei der Beliebtheit der ausländischen Gäste fast mithalten, aber insgesamt zählt Österreich mit 37,5 Millionen Urlaubsgästen viel mehr als der Südwesten, der nur auf 19,5 Millionen kommt.

Auch in Sachen Käse werden die Baden-Württemberger geschlagen: 133.259 Tonnen Hart-, Schnitt-, Weich- und Frischkäse meldet Agrarmarkt Austria als Jahresproduktion, allein 57.561 Tonnen gingen in den Export nach Deutschland. Und Baden-Württemberg? Auch hierzulande geben viele Kühe viel Milch. Gereicht hat das für eine Käseproduktion von 43.400 Tonnen, weiß die Landesanstalt für Entwicklung der Landwirtschaft und der ländlichen Räume in Schwäbisch Gmünd - nicht eingerechnet die Milchwerke Schwaben, weil die knapp über der Grenze produzieren, in Neu-Ulm.

Näher zusammen liegen die beiden Länder, wenn man Schüler und Studentenzahlen nimmt. Obwohl Baden-Württemberg zwei Millionen mehr Einwohner hat, liegen diese Zahlen nicht weit auseinander. Das bedeutet: Zwei Punkte für Baden-Württemberg. Endlich.

Bei Ärztedichte oder Krankenhausbetten sind die Österreicher besser versorgt. Die Rentner bekommen dort sogar 14 Renten im Jahr. Und das Arbeitnehmerentgelt liegt in Österreich höher als im Südwesten - wenigstens im Schnitt. Allerdings dreht sich das dann beim verfügbaren Einkommen: In Baden-Württemberg waren für Konsum und Sparen nämlich im Schnitt immerhin 22.225 Euro übrig, in Österreich blieben je Einwohner und Jahr 21.929 Euro. Bleibt noch eine Frage: Wer legt von dem Geld mehr auf die hohe Kante, Schwaben oder Österreicher? Auch das weiß das Statistische Landesamt in Stuttgart: 10,8 Prozent von seinem verfügbaren Einkommen spart der Baden-Württemberger im Schnitt. Nur 7,3 Prozent sind es in Österreich. Aber das ist ja klar.

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Betrunkener Autofahrer rammt Polizeiwagen - Drei Verletzte

Ein betrunkener Autofahrer hat in Eberhardzell (Landkreis Biberach) einen Polizeiwagen derart gerammt, dass ein Polizist im Auto schwer verletzt wurde. weiter lesen

Unfall mit Streifenwagen-