Mehr Geld für Gedenkstätten

Die Landesregierung will in Stuttgart eine ehemalige Gestapo-Zentrale zu einem Erinnerungsort ausbauen. Auf Betreiben der SPD sollen auch bereits bestehende Gedenkstätten stärker gefördert werden.

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Gedenkstätten im Südwesten sollen eine bessere Finanzierung bekommen: Die ehemalige Gestapozentrale "Hotel Silber" in Stuttgart.  Foto: 

Vor nunmehr 75 Jahren versuchte Georg Elser im Münchner Löwenbräukeller Adolf Hitler umzubringen. Vor 70 Jahren scheiterte ein weiterer Attentatsversuch, die "Operation Walküre" unter Leitung von Claus Schenk Graf von Stauffenberg. Beide Widerständler stammen aus dem Südwesten, an ihr Wirken erinnern auch spezielle Gedenkstätten im Land.

Etwa 80 Erinnerungs- und Gedenkstätten gibt es in Baden-Württemberg. Dazu gehören große wie das Dokumentationszentrum Oberer Kuhberg (DZOK) in Ulm, das an das dortige Konzentrationslager erinnert, oder Grafeneck auf der Schwäbischen Alb, wo die Nazis behinderte Menschen ermordeten. Es gibt aber auch viele kleinere Orte, die die Erinnerung wach halten und an die nächste Generation weitergeben sollen. Sie tun dies mit einigem Erfolg: 310.000 Besucher informierten sich 2013 an den geschichtsträchtigen Stätten, darunter viele Jugendliche und Schulklassen.

Mitglieder der "Landesarbeitsgemeinschaft Gedenkstätten und Gedenkstätteninitiativen" (LAGG) beklagen indes schon länger, dass die Politik die Erinnerungskultur zwar regelmäßig lobe. Die Fördermittel des Landes aber würden den Bedarf bei weitem nicht decken. Statt der 400.000 Euro, die im Nachtragsetat 2014 veranschlagt sind, seien mindestens 750.000 Euro notwendig.

Die LAGG hat der Politik daher eine schrittweise Erhöhung der Mittel auf die geforderte Summe bis 2017 vorgeschlagen - offenbar mit Erfolg: Die SPD hat sich auf ihrer jüngsten Fraktionsklausur einstimmig für die Umsetzung des Konzepts ausgesprochen, wie der Fraktionsvize Martin Rivoir LAGG-Mitgliedern schriftlich mitgeteilt hat. Zwar müsse man die Erhöhung der Mittel noch mit dem grünen Koalitionspartner besprechen, schreibt Rivoir weiter. Er gehe aber davon aus, dass dauerhaft eine Förderung von jährlich 750.000 Euro im Landeshaushalt verankert werde. Das Konzept sieht vor, dass die Mittel im kommenden Jahr auf 525.000 Euro, 2016 auf 650.000 und 2017 dann auf 750.000 Euro steigen. "Der Beschluss honoriert die wichtige Arbeit der Gedenkstätten und macht sie zukunftssicher", sagte Rivoir dieser Zeitung. "Wir gehen davon aus, dass alle Fraktionen mitziehen."

Tatsächlich dürfte sich dem Anliegen selbst die Opposition im Landtag kaum entziehen. Schließlich haben CDU und FDP in der Debatte um das "Hotel Silber" in Stuttgart vor einer finanziellen "Ungleichbehandlung" der Gedenkstätten im Land gewarnt. Die ehemalige württembergische Gestapo-Zentrale soll ebenfalls zu einem Erinnerungsort ausgebaut werden - mit 1000 Quadratmetern Fläche.

Ein Konzept arbeitet derzeit das Haus der Geschichte in Zusammenarbeit mit Bürgerinitiativen aus. Die jährlichen Betriebskosten werden auf 750.000 Euro veranschlagt. Ein Drittel davon übernimmt die Stadt Stuttgart. Eine halbe Millionen Euro aber entfällt aufs Land - und damit mehr Geld, als Baden-Württemberg ohne die geplante Aufstockung der Fördermittel für alle bereits bestehenden Gedenkstätten aufbringen würde.

"Völlig unzureichende Mittel"

Lage Die Gedenkstätten in Baden-Württemberg fordern eine deutliche Erhöhung der Fördermittel. Derzeit, heißt es in einem Konzeptpapier, müsse der Regelbetrieb leider "mit völlig unzureichenden Mitteln" geschultert werden. Statt auf dauerhafte Fördersumme bauen zu können, müsse oft auf zeitlich begrenzte Projektmittel zurückgegriffen werden. Das aber sei eine Gratwanderung, da mit dem Auslaufen dieser Sondermittel die Arbeitsfähigkeit beeinträchtigt oder die Existenz von Gedenkstätten bedroht sei.

Liste Von A wie Adelsheim bis W wie Wenkheim reicht die Liste der Orte, die die rund 80 Gedenk- und Erinnerungsstätten im Land beherbergen. Die Auswahl umfasst Gedenkpfade, Synagogen, KZ-Gedenkstätten. rol

Info gedenkstaetten-bw.de

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