Marvin holt schon mal das Wasser

Geschirr aufräumen, Licht ausmachen - nicht nur für körperlich Behinderte können solche Aufgaben anstrengend sein. Arbeit für einen Roboter?

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Wenn alles nach Plan läuft, könnte Marvin bald seine erste Stelle als Haushaltshilfe antreten. Dann könnte er den Tisch abräumen, ein Glas Wasser aus der Küche holen oder abends das Licht ausschalten. Marvin ist ein Roboter, momentan existiert er nur als Prototyp eines Forschungsprojekts am Institut für Künstliche Intelligenz der Hochschule Ravensburg-Weingarten. Dort wird untersucht, wie solche Maschinen den Alltag von Menschen mit körperlicher Beeinträchtigung erleichtern können.

Dabei stünden ganz grundsätzliche Fragen im Zentrum, sagt Wolfgang Ertel, Professor für Angewandte Informatik: Welche Hilfe wird gebraucht? Können Maschinen das übernehmen? Wie müsste so ein Roboter gebaut sein? In manchen Altenheimen geb es schon Hilfe durch Roboter, sagt Ertel. "Aber nur für standardisierte Abläufe. Dazu muss die Maschine nicht intelligent sein."

Marvin hingegen ist lernfähig: Wenn er einen Befehl nicht versteht oder eine Aufgabe nicht lösen kann, kommuniziert er das. Sein Besitzer kann die Arbeit dann vorführen - etwa Einschenken - und der Roboter merkt sie sich fürs nächste Mal.

Auf welche Weise die Kommunikation ablaufen könne, sei ebenfalls Forschungsgegenstand, sagt Ertel. Infrage käme eine Sprachschnittstelle, über die man mit dem Roboter redet und die Maschine antwortet. Oder die Bedienung über einen Computer oder ein Tablet. Die Baden-Württemberg-Stiftung unterstützt das Projekt mit 350 000 Euro.

Beteiligt sind auch Studenten der Arbeitsgruppe von Professor Maik Winter, Pflegewissenschaftler und Dekan der Fakultät Soziale Arbeit, Gesundheit und Pflege an der Hochschule. Sie haben Betroffene befragt, um Bedürfnisse körperlich Behinderter benennen zu können. "Sie brauchen vor allem kleine Hilfen im Alltag und Tätigkeiten im Haushalt", sagt Winter. "Den Becher holen, den Tisch abräumen, das sind für Menschen mit Beeinträchtigung anstrengende und ungeliebte Aufgaben." Noch ein Jahr wird im Labor geprüft und weiterentwickelt, dann soll Marvin in Wohnungen eingesetzt werden.

Die Tester dürfen keine Angst vor Technik haben, sagt Winter. Allerdings seien viele Menschen mit körperlicher Behinderung die Technik im Alltag längst gewöhnt, etwa beim Rollstuhl. Getestet werden soll der Assistenzroboter von Menschen, die von den Zieglerschen in Wilhelmsdorf (Kreis Ravensburg) betreut werden. Das diakonische Unternehmen ist am Projekt beteiligt. Der Roboter könnte auch Krankenkassen und Pflegeversicherungen interessieren: "Wenn wir belegen können, dass körperlich Beeinträchtigte mit seiner Hilfe länger selbstständig zu Hause wohnen können, spart das einiges." Ertel kann sich noch eine andere Zielgruppe vorstellen: "Yuppies mit viel Geld und wenig Zeit für den Haushalt."

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