Mann überfahren: Freispruch gegen Geldauflage

Er hat einen Betrunkenen überfahren und getötet. Dafür stand ein Mann nun vor Gericht. Er wurde freigesprochen - gezeichnet ist er dennoch.

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Es ist ein Fall, der betroffen macht: Bei einer Hochzeitsfeier gerät ein Gast in Streit mit seiner Frau. Stark angetrunken macht der Mann sich nachts alleine auf den Weg nach Hause. Und läuft am Rande von Heidelberg mitten auf eine unbeleuchtete Kreisstraße. Dort wird er von einem Auto erfasst und ins Feld geschleudert. Der 54-Jährige aus Sandhausen stirbt noch vor Ort. Wohl unter Schock fährt der Fahrer ohne anzuhalten nach Hause. Dort ruft er sofort die Polizei und kehrt mit einem anderen Auto zur Unfallstelle zurück. Kurz darauf trifft dort die Frau des Opfers ein. Einige Wochen später nimmt sie sich das Leben.

Ereignet hat sich der Unfall im vergangenen Mai. Jetzt stand der Fahrer in Heidelberg vor Gericht. Die Anklage lautete auf fahrlässige Tötung und Fahrerflucht. Doch es stellte sich heraus, dass ihn offenbar keine Schuld trifft. Das Amtsgericht stellte das Verfahren gegen Zahlung einer Geldauflage von 2500 Euro vorläufig ein. Das Geld soll dem minderjährigen Sohn des Verstorbenen zu Gute kommen. Die Schuld des Angeklagten sei "denkbar gering", sagte Staatsanwältin Anette Gattner. Das Unfallopfer trage ein "erhebliches Mitverschulden", da er vom Rand zur Mitte der Straße gelaufen sei und erst dann vom Lichtkegel des Audi erfasst wurde, sagte ein Gutachter. Dadurch hatte der Angeklagte keine Chance, seinen Wagen rechtzeitig zu stoppen. Das wäre nur möglich gewesen, wenn er maximal 44 Kilometer schnell gewesen wäre, so der Unfallexperte. Auf der Kreisstraße ist aber Tempo 70 erlaubt. Ob der Fahrer erkannte, dass er mit einem Fußgänger zusammen gestoßen war, sei "nicht sicher zu belegen".

Bei seinem Anruf bei der Polizei habe der Mann berichtet, "einen größeren Gegenstand angefahren" zu haben, erinnerte sich ein Polizist. Zunächst sei man von einem Wildunfall ausgegangen. Über den Zustand des Fahrers sagte der Beamte: "Ich glaube, er stand unter Schock." Obwohl er keine Schuld an dem Unfall trägt, hat den jungen Mann das schreckliche Ereignis schwer getroffen. "Er ist nicht mehr derselbe", berichtete ein Freund. Der 33-Jährige sei damals zusammengebrochen und habe "nur geheult". Kurz darauf wurde der Mann in die Psychiatrie eingeliefert und konnte neun Monate lang nicht arbeiten.

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