Luchs wohl nur auf Durchreise

Zum ersten Mal wandert ein Luchs mit einem Halsband-Sender durch den Schwarzwald. Das Gerät liefert Fakten über das Verhalten des Raubtiers. Die können helfen, die vielen Spekulationen zu beenden.

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Der Luchs, der an Ostern im mittleren Schwarzwald zwei Lämmer gerissen hat, steht unter Beobachtung. Er trägt ein Halsband, das mit einem Navi und einem Handy ausgestattet ist. Ein bis zwei Mal pro Woche bekommen die Experten in der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt (FVA) in Freiburg eine SMS von ihm und erfahren, wo sich der Luchs aufhält. Die SMS gibt die momentane Position der Raubkatze an. Auch die Risse, die sie auf ihrem Weg durch das Gebiet nördlich von Freiburg hinterlässt, geben Auskunft über ihr Jagd- und Fressverhalten.

Nutztiere habe die Raubkatze nicht mehr gerissen, sagt Micha Herdtfelder von der FVA. Nach neuen Positionsmeldungen geht er oft mit Jägern ins Gelände und sucht nach Rissen. "Bislang haben wir nur noch Wildtier-Risse gefunden." Das seien vor allem Rehe gewesen. Zwar sei im Elztal eine junge Ziege verschwunden. Doch ob die der Luchs gefressen hat, steht noch nicht fest. Dass er die Rehe gerissen hat, ist nach Auskunft von Herdtfelder klar. "Der Luchs frisst auf eine ganz bestimmte Art und Weise."

So konnte auch an Ostern festgestellt werden, dass die Lämmer von der Raubkatze gerissen wurden. Da der Luchs die Eigenart besitzt, immer wieder zu den Rissen zurückzukehren, wurde ihm eine Falle gestellt. Er tappte hinein, wurde betäubt und mit dem Halsband ausgestattet. Das ist im Land zum ersten Mal gelungen, obwohl bereits mehrere Luchse zu Gast waren.

Die Raubkatze gilt seit 1770 als ausgestorben. Erst seit den 1980er Jahren gibt es wieder Hinweise auf Luchse im Land. Zwischen 2005 und 2006 streifte ein Exemplar bei Beuron durch das Donautal, wurde aber auf der A 8 bei Laichingen überfahren. Im März 2013 konnte ein Autofahrer im Wutachtal einen Luchs fotografieren. Auch dieser starb.

Die Experten vermuten, dass der Luchs, der nun durch den mittleren Schwarzwald streift, von der Schweiz eingewandert ist. Dort gibt es stabile Luchs-Populationen und offenbar so viele Tiere, dass einzelne in den Schwarzwald abwandern. Der Sender belegt durch seine Signale, dass der Schwarzwald-Luchs ein Gebiet von bis zu 170 Quadratkilometern durchstreift. Micha Herdtfelder geht aber davon aus, dass er nicht lange in dem Mittelgebirge bleibt: Die Weibchen fehlen.

Der Luchs gibt der seit Jahren laufenden Diskussion neue Nahrung, die Tiere wieder anzusiedeln. Das lehnt der Landesjagdverband ab. "Wenn Luchse aus eigenem Antrieb einwandern, ist das für uns in Ordnung", sagt Klaus Lachenmaier, Referent für Natur- und Artenschutz beim Landesjagdverband. Eine Ansiedlung werde abgelehnt. Auch sei die Jägerschaft in sich gespalten, obwohl Nutztierhalter und Jäger für gerissene Tiere eine Entschädigung erhalten. Jäger, die einen Luchs-Riss melden, bekommen außerdem eine Prämie. "Damit wollen wir die Akzeptanz erhöhen", sagt Lachenmaier. Das erhofft er sich auch von den Daten, die das Halsband des Luchses liefert. "So können wir die Jäger mit harten Fakten versorgen und den vielen Spekulationen über den Luchs ein Ende setzen."

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