Luchs "Friedl" hat in der Ulmer Region Hase und Reh gerissen

Luchs "Friedl" hat im Land neben Standort-Daten auch Beute-Spuren hinterlassen. Schon im Schwarzwald hatte er zwei Lämmer gerissen.

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Im Söflinger Klosterwald bei Ulm lag nur noch das zerrupfte Hasenfell. Und auf Arnegger Gemarkung (Alb-Donau-Kreis) fand man Reste eines Rehs, das ein Luchs mit dem für ihn typischen Drosselbiss gerissen hatte. Das hört sich zwar grausam an, aber die Mitarbeiter der Forstlichen Versuchsanstalt Freiburg (FVA) waren begeistert. Sie hatten vor genau einer Woche in den Wäldern rund um Ulm anhand der GPS-Daten des Luchses "Friedl" an den Punkten mit längerer Verweildauer nach so genannten Rissen beziehungsweise Fraßplätzen gesucht - und sie gefunden.

Wie berichtet streifte ein zweijähriger und fast ausgewachsener Luchs zwischen Ende August und Anfang September quer über die Schwäbische Alb. Er trägt seit April ein Sender-Halsband und der Sender liefert alle 24 Stunden - einmal am Tag und dreimal in der Nacht - neue Daten über seine Position.

"Am 2. und 3. September war er hier bei uns, so nah an Ulm war ein Luchs seit 200 Jahren nicht mehr", sagt der Ulmer Kreisjägermeister Max Wittlinger. Da zur Jägervereinigung Jäger aus dem gesamten Alb-Donau-Kreis gehören, musste Wittlinger vor dem Besuch der Experten aus Freiburg erst die betroffenen Jagdpächter fragen, ob man in ihren Waldgebieten nach habhaften Luchsspuren suchen dürfe. Denn Spuren von den großen Tatzen konnten aufgrund des trockenen Bodens von vorneherein ausgeschlossen werden.

Wittlinger hat sich bei der Gelegenheit noch einmal die genaue Route von "Friedl" erklären lassen. An Ostern hatte er im Schwarzwald zwei Lämmer gerissen, wurde beim Fressen gefangen, betäubt, untersucht und mit dem Sender ausgestattet. Aus Richtung Osten "betrat" er nachweislich in Erbach den Alb-Donau-Kreis, marschierte dann über Eggingen und Ermingen aufs Hochsträß und landete über Harthausen im Söflinger Klosterwald, wo ihm der Hase über den Weg lief. "Dass ein Luchs einen Hasen reißt ist selten", staunt der Kreisjägermeister.

Danach ging das nachtaktive Tier nach Arnegg. Dort knurrte aber der Magen, weshalb dort das Reh dran glauben musste. Dann wanderte der Luchs parallel zur Autobahn8 und wurde vergangenen Freitag bei Kirchheim/Teck und bald darauf bei Dettingen/Erms geortet.

Die Öffentlichkeit erfährt diese Daten neuerdings erst dann, wenn der Luchs längst weitergezogen ist, sagte FVA-Wildtierexperte Micha Herdtfelder. Denn man wolle vermeiden, dass die Menschen - "es waren schon Schulklassen unterwegs" - in den Wald pilgern, weil sie mal einen Luchs sehen möchten. Außerdem störe das die Jäger bei ihrer sonstigen Hege.

"Momentan wissen wir nicht, wo sich Friedl aufhält", sagt Freiburger Wildtier-Fachmann Herdtfelder. Sobald der Luchs sich in einem Funkloch befindet, schicke der Sender am Tier die SMS mit den täglichen Werten erst wieder nach 24-Stunden ab - falls dann Funkkontakt besteht.

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