Lokalredakteurin ausgezeichnet

Hartnäckige Recherche, klare Sprache: Silja Kummer von der Heidenheimer Zeitung hat den 2. Preis der Otto-Brenner-Stiftung erhalten. Prämiert wurden ihre Artikel zu riskanten Finanzdeals dreier Ostalb-Städte.

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"Gründliche Recherche statt bestellter Wahrheiten" - das ist das Motto des renommierten Otto-Brenner-Preises für Journalisten. Prämiert werden Autoren, die kritische Fragen stellen, Missstände benennen und vernachlässigte Themen aufgreifen. Meist sind große überregionale Medien, wie "Spiegel", "Zeit" oder "Süddeutsche Zeitung" unter den Preisträgern.

In diesem Jahr hat es auch eine Kollegin aus einer Lokalredaktion des SÜDWEST-PRESSE-Verbunds aufs Treppchen geschafft: Silja Kummer, Redakteurin bei der "Heidenheimer Zeitung", wurde von der Jury mit dem zweiten Preis ausgezeichnet. Prämiert wurde sie unter 640 Einsendungen für ihre Recherchen und die Artikelserie "Für eine Handvoll Dollar", in der sie ein riskantes Finanzgeschäft beleuchtete, das die Städte Heidenheim, Aalen und Schwäbisch Gmünd im Jahr 2002 abgeschlossen hatten - und bei dem sich seit einigen Jahren neue Risiken aufgetürmt haben.

Mit dem umstrittenen "Cross-Border-Leasing"-Geschäft hatten die Städte ihre Abwasseranlagen an einen US-Investor überschrieben und zurückgeleast - ein hochkompliziertes transatlantisches Finanzkonstrukt, dessen Details die Öffentlichkeit wegen strenger vertraglicher Geheimhaltungspflichten nicht erfahren darf. Silja Kummer erläuterte in ihrer Artikelserie nicht nur, warum der Deal durch veränderte Ratings in gefährliche Schieflage geraten ist - sondern brachte die Heidenheimer Stadtverwaltung trotz aller Geheimniskrämerei am Ende auch dazu, dieses Risiko zu beziffern: auf 29,5 Millionen Euro. "Die Autorin greift ein schwieriges Thema klug auf, analysiert mit großer Klarheit und mit vorbildlicher Verständlichkeit", urteilte die Jury des Brenner-Preises. "Das ist Lokaljournalismus, wie es ihn besser kaum geben kann." Für die "Heidenheimer Zeitung" eine Bestätigung dafür, dass sich das Recherche-Projekt gelohnt hat. "Investigative Recherche gehört gerade ins Lokale", lautet Kummers Fazit. "Wir haben Kenntnisse und Verbindungen, die wir nur richtig nutzen müssen."

Der erste Preis ging an den TV-Kriegsreporter Ashwin Raman für seine Reportage "Das 13. Jahr - der verlorene Krieg in Afghanistan, den die ARD im März ausgestrahlt hatte. Mit dem dritten Preis ist die WDR/SWR-Reportage "Der verkaufte Fußball - Sepp Blatter und die Macht der Fifa" ausgezeichnet worden.

Der Otto-Brenner-Preis wird seit dem Jahr 2005 von der gleichnamigen Stiftung (der Wissenschaftsstiftung der IG Metall) vergeben. Platz eins ist mit 10.000 Euro dotiert, Platz zwei mit 5000 Euro, Platz drei mit 3000 Euro. Darüber hinaus gibt es noch weitere Preiskategorien wie den "Spezial"-Preis, "Newcomer" und wegweisende Medienprojekte. Die Preisverleihung findet am 17. November in Berlin statt.

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