LKA-Bombenentschärfer rücken mit Roboter und Schutzanzug an

Jeder Einsatz ist anders. Der größte Feind ist die Routine. Die Bomben-Entschärfer des LKA sind im ganzen Land unterwegs. Die Truppe ist hoch spezialisiert und setzt auf modernste Technik.

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Tatort Stuttgarter Innenstadt: Ein herrenloser Koffer in einer Toilette auf der Einkaufsmeile Königstraße verursacht Aufregung. Das Gebiet ist weiträumig mit rotem Flatterband abgesperrt. Ein Fall für die Entschärfer des Landeskriminalamts Baden-Württemberg. Der 44 Jahre alte Axel Knödler ist Chef der zwölfköpfigen Truppe. Sie kommt immer dann zum Einsatz, wenn es im Land den Verdacht auf einen hochexplosiven Fund gibt. Nach den jüngsten Terroranschlägen reagiert die Bevölkerung noch sensibler.

"Im Dezember waren wir fast täglich im Einsatz. Da hatten wir über 40 Einsätze", sagt Knödler, der von Haus aus Chemiker ist. Im Januar sind die Fachleute rund 30 Mal gerufen worden. Auch bei dem Handgranatenanschlag vergangenen Freitag in Villingen-Schwenningen waren Entschärfer im Einsatz.

Bevor sich ein Entschärfungsteam von Stuttgart aus auf den Weg macht, gibt es die ersten Informationen am Telefon. "Wir lassen uns das Szenario schildern." Wichtig sei, dass immer ausreichend abgesperrt werde, um Schaulustige auf Abstand zu halten. Wenn sie ankommen, müssen die Entschärfer entscheiden, wie sie dann handeln. Bei Fragen zum Thema Vorgehen gibt sich Knödler einsilbig. Er will sich nicht in die Karten schauen lassen, um potenziellen Tätern keine Hinweise zu geben.

Eines ist jedenfalls klar. Der 40 Kilogramm schwere blaue Bombenschutzanzug, die Lebensversicherung der Entschärfer, wird nicht immer zwingend angezogen. "Wenn fünf Kollegen den Koffer angeschaut haben, dann kann ich ihn mir auch ohne Schutzanzug anschauen", sagt Christian Notzke. Der 38 Jahre alte Polizist räumt zugleich mit einem Mythos auf, der oftmals im Fernsehen zu sehen ist, wenn aus einem Koffer oder einem Paket Drähte raushängen. "Es wird nichts mit einer Zange durchgeschnitten." Das wäre zu gefährlich.

Zur Begutachtung eines kritischen Gegenstands stehen dem Landeskriminalamt zwei kleine fahrbare Hightech-Roboter zur Verfügung, die unter anderem mit Kameras ausgestattet sind. Auf diese mehrere hunderttausend Euro teuren Fernlenkmanipulatoren kann ein Wassergewehr montiert werden, um mit Hilfe eines heftigen Wasserstrahls die mögliche Bombe zu zerstören. Wie oft das Wassergewehr zum Einsatz kommt oder wie häufig ein Gegenstand geröntgt wird, um herauszufinden, ob er wirklich Sprengstoff enthält, wird nicht verraten. Knödlers Truppe, bis auf eine Frau alles Männer, absolviert mehr als 300 Einsätze im Jahr.

Bundesweit gibt es 200 Entschärfer, hauptsächlich bei der Polizei in den Ländern und bei der Bundespolizei. Die Ausbildung dauere mindestens ein Jahr, sagt Knödler. Die entsprechenden Lehrgänge, zum Thema Elektronik oder auch der Umgang mit Sprengstoff, finden beim Bundeskriminalamt und der Bundeswehr statt.

Angst habe bei den Entschärfern keinen Platz, erklärt Knödler. "Es geht um Respekt, da man es mit gefährlichen Gegenständen zu tun hat. Wir sind keine Superhelden und Abenteurer." Zum Großteil sind die herrenlosen Koffer, Pakete oder Einkaufstaschen im Nachhinein harmlos. "Bei den verdächtigen Gegenständen stellt sich bei über 90 Prozent heraus, dass es sich um keinen explosiven Gegenstand handelt." Knödler ist in seiner Dienstzeit noch keine scharfe Bombe mit terroristischem Hintergrund untergekommen. Zu Zeiten seiner Vorgänger mit der "Roten Armee Fraktion "war das sicherlich anders. Ein großes Problem sind für die LKA-Entschärfer die Hobby-Feuerwerker. "Scharfe Sachen kommen schon einmal vor. Dabei handelt es sich meistens um Einsätze im Umfeld der Bastlerszene, die unsachgemäß mit Pyrotechnik hantiert. Das ist ein schlechtes Hobby. Viele wollen einfach den lautesten Böller bauen." Dann kann es nach Knödlers Angaben schon einmal vorkommen, dass die Gegenstände oder hochexplosiven Mischungen nicht abtransportiert werden können. Dann müsse vor Ort auf einem Acker gesprengt werden.

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