Probelauf für radioaktive Transporte auf dem dem Neckar

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Testbeladung auf dem Neckar: Der Castor-Behälter enthält bei der Übung nur Wasser.  Foto: 

Die umstrittene Verlagerung ausgemusterter Brennelemente von Obrigheim nach Neckarwestheim könnte eigentlich sofort beginnen. Der für den Transport auf dem Neckar benötigte Schubverband hat seinen Probelauf nach Angaben der Energie Baden-Württemberg (ENBW) bestanden, jetzt liegen die beiden Schubschiffe „Edda“ und „Ronja“ sowie der für die brisante Fracht ausgesuchte Leichter „Lastdrager 40“ in Neckarwestheim vor Anker. „Der Test hat sowohl technisch als auch organisatorisch und personell gut geklappt“, sagte Geschäftsführer Jörg Michels nach dem einwöchigen Experiment.

Wann die 342 Brennelemente, verteilt auf 15 Container des Typs Castor 440/84 mvK, mit massivem Polizeischutz auf die 50 Kilometer lange Reise geschickt werden können, ist nicht klar. Auch wenn der Eindruck entstand, die ENBW warte nur auf das „grüne Licht“ des Bundesamtes für kerntechnische Entsorgungssicherheit (BfE), steht  nicht fest, wann die im März 2014 beantragte Transporterlaubnis erteilt wird. „Da die Dauer des Verfahrens maßgeblich von der Vollständigkeit und Qualität der Antragsunterlagen des Antragstellers abhängt, können wir über den Zeitpunkt der Erteilung einer Beförderungsgenehmigung keine Angaben machen“, teilte eine BfE-Sprecherin auf Anfrage der SÜDWEST PRESSE mit.

ENBW schließt Gefahr aus

„Wir rechnen mit der Genehmigung noch in diesem Jahr“, sagte Michels. Für die Übung waren die Castoren mit Wasser statt Atommüll befüllt worden, eine Erlaubnis des BfE war nicht nötig. Die ENBW schließt jede Gefahr für Mensch und Umwelt durch die fünf Fuhren aus. Michels verwies auf die Zuverlässigkeit der Castoren, die Stürze aus neun Meter Höhe schadlos überstünden wie auch 800 Grad heißes Feuer. Was für die Neckarroute besonders wichtig erscheinen mag, das ist die Wasserdichtigkeit bis in eine Tiefe von 200 Metern – die Fahrrinne des Flusses als Bundeswasserstraße ist 2,80 Meter tief.

Atomgegner, die in Heilbronn gegen das Projekt protestieren, haben kein Vertrauen in den Fuhrpark nach früheren Vorfällen.  Auf „Edda“ hatte es gebrannt, „Ronja“ lief auf Grund. Die Kritiker halten auch die sechs Schleusen für „hochgefährlich“. Grundsätzlich sind auf dem Neckar nur Schiffe mit einer maximalen Länge von 105,5 Meter zugelassen. Grund: Die Schleusenkammer in Besigheim ist nur 106 Meter lang. Die ENBW musste für ihren 107 Meter langen Konvoi eine Sondergenehmigung beantragen, die sie vom Wasser- und Schifffahrts­amt bereits bekam. „Im Bereich des beabsichtigten Castortransportes zwischen Obrigheim und Neckarwestheim beträgt die minimale Kammerlänge 109 Meter“, erklärte Amtsleiter Jörg Huber.

Die Kosten der Verlegung schätzte Manager Michels auf „einen unteren zweistelligen Millionenbetrag“. Damit erspart sich die ENBW eine wesentlich teurere Investition. Dürfte der Abfall nicht aus Obrigheim weggeschafft werden, müsste dort ein Zwischenlager für wohl über 100 Millionen Euro gebaut werden, geschützt vor Terroranschlägen, Erdbeben und Flugzeugabstürzen. Diese Stahlbetonhalle würde den vollständigen Rückbau des 2005 stillgelegten Meilers um Jahrzehnte verzögern.

In Neckarwestheim ist genug Platz im Zwischenlager. Die beiden Tunnelröhren in einem Berg unter dem Verwaltungsgebäude wurden ursprünglich für 151 Container berechnet, wegen des Atomausstiegs bis 2022 werden voraussichtlich nur 125 Plätze benötigt. Umweltminister Franz Untersteller (Grüne) hat die Zusammenlegung begrüßt. Sein Ministerialdirektor Helmfried Meinel hat die Zustimmung für das „ganz besondere Projekt“ erneut bekräftigt: „Ein Standort weniger mit hochradioaktivem Material ist ein zusätzliches Plus an Sicherheit.“

Castor ist die Abkürzung für den englischen Fachbegriff „Cask for storage and transport of radioactive material“, also Behälter zum Aufbewahren und Transportieren radioaktiver Stoffe. Es handelt sich dabei um einen geschützten Markennamen, dennoch werden oft alle Container für Atommüll als „Castor“ bezeichnet, vergleichbar „Tempo“ für Papiertaschentuch. Castor ist aus der griechischen Mythologie als Dioskur, Sohn des Zeus, bekannt. Sein Zwillingsbruder ist Pollux. Im Atomgeschäft heißt „Pollux“ derjenige Container, in dem strahlender Abfall in einem Endlager deponiert werden kann. hgf

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