Lehrermarkt: Arbeitslos trotz Einstellungsplus

Das Land schafft mehr als 600 neue Lehrerstellen – dennoch müssen auch in diesen Sommerferien wieder tausende zum Arbeitsamt.

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Alle Jahre wieder: Referendare, die ihr Lehramtsstudium abgeschlossen haben und Vertretungslehrer, deren Vertrag spätestens mit Ende des Schuljahres im Juli ausläuft, stehen plötzlich ohne Einkünfte da und müssen Arbeitslosengeld beziehen. Berufsanfänger bekommen nicht mal das, weil sie die Mindestbeschäftigungszeit nicht erreichen. Erst nach den sechswöchigen Ferien geht es weiter. Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) ließ gestern keinen Zweifel, dass dies auch so bleibt.

 Eine dauerhafte Einstellung der Vertretungslehrer würde das Land 35 Millionen Euro kosten, „aber das Geld ist im Haushalt nicht vorhanden.“ Kretschmann, dessen Partei einst selbst die ferienübergreifende Beschäftigung forderte, erklärte hingegen: „Diese Unerfreulicheit  hat jeder andere Mensch auf dem Arbeitsmarkt auch“ – allein, dass ausgebildete  Lehrer eben nicht dem gesamten Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen. Der Regierungschef riet den Lehrergewerkschaften, diese Beschäftigungslücke zum Gegenstand von Tarifverhandlungen zu machen. Die Arbeitnehmervertretungen sollten nicht immer nur Forderungen erheben „für die, die schon da sind“, selbst wenn die bereits dauerhaft angestellten Pädagogen dann „ein Stück weit verzichten“ müssten.

 Betroffen sind laut Lehrergewerkschaft GEW zwischen 2000 und 3000 Lehrer mit Zeitverträgen . Hinzu kommen  weitere fünf- bis sechstausend Referendare. Nicht alle Zeitverträge werden freiwillig abgeschlossen: mal sind die Noten für eine rasche dauerhafte Einstellung zu schlecht, mal passen die geografischen Vorstellungen nicht. Dabei gilt der Arbeitsmarkt für Lehrer bis auf Ausnahmen  derzeit als leergefegt.  Die GEW  fürchtet deshalb, dass nicht mehr genügend Vertretungslehrkräfte übrigbleiben. Kritiker warnen zudem vor Abwanderung – in der Schweiz etwa werden deutsche Junglehrer durchaus auch mit schlechten Noten angenommen.

 Die versprochenen zusätzlichen 320 Grundschullehrer, die wegen des Bildungsplans benötigt werden, sind jetzt im Nachtragshaushalt finanziert und sollen ihren Job im Herbst beginnen. Gleiches gilt für 111 Deputate  an den gymnasialen Oberstufen. Außerdem  wurden 200 Deputate verlängert für Pädagogen,  die in Vorbereitungsklassen für Flüchtlinge arbeiten.

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