Landtag debattiert Vera-Bildungsstudie

Wie darauf reagieren,  dass viele Achtklässler weder richtig schreiben noch rechnen können? Auf die Qualität des Unterrichts schauen, ist die Devise.

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Zufrieden ist niemand mit den Ergebnissen der „Vera-8-Studie“, die die Rechen- und Rechtschreibleistungen schulübergreifend durch alle achten Klassen verglich – und zu verheerenden Ergebnissen kam. „Es besteht jedoch auch kein Grund zur Panik“, beruhigte Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) gestern in einer aktuellen Landtagsdebatte.

Deshalb wolle man sich auch nicht über Strukturen streiten, sondern sich austauschen über die Inhalte und deren Qualität, die in einzelnen Schularten vermittelt werden. Auch bei den Pädagogen dürfe man die Kritik nicht abladen (wie es die AfD tat und sich dafür eine Mahnung der Parlamentspräsidentin einfing):  „Ich schätze die Arbeit unserer Lehrer sehr, sie geben sich ausgesprochen viel Mühe in einer immer schwieriger werdenden Zeit.“ Im Fokus steht deshalb die Grundschule: „Kompetenzen  im Lesen, Schreiben und Rechnen sind das, was nach Klasse vier  erreicht werden muss“, die Sekundarstufe eins sei nicht dazu da,  aus der Grundschule übernommene Defizite zu reparieren.

Sitzmanns Amtsvorgänger Andreas Stoch (SPD) ist eng an dieser Linie. Bei allen Verbesserungen im Schulsystem der vergangenen Jahre habe man die Grundschule ausgelassen. Schon bei seinem Amtsantritt habe man deshalb auf den neuen, von diesem Herbst an geltenden Bildungsplan verwiesen, der diese Verbesserungen jetzt auch im Primarbereich nachholt. Während Bayern auf 104 Gesamt-Pflichtwochenstunden in der Grundschule kommt, sind es bisher in Baden-Württemberg nur 98. Auch in der  Erteilung fachfremden Unterrichts an zu klein gewordenen und deshalb mangelhaft mit Ressourcen ausgestatteten   Hauptschulen sieht Stoch  eine der Ursachen einer Misere, die sich in den vergangenen zehn bis 20 Jahren  entwickelt hat. Ebenso langfristig sei die Remedur: Erfolge des Umsteuerns zeigten sich bestenfalls erst in vielen Jahren.

„Es wäre falsch, Schuldige zu suchen“, sagen die Grünen, und auch die CDU, einst schärfster Kritiker der grün-roten Bildungspolitik, will, so der schulpolitische Sprecher, Karl-Wilhelm Röhm, nun „nur nach vorne blicken.“ Der Handlungsbedarf sei gleichwohl groß, die bundesweite Vera-Studie, an der der Südwesten zum ersten Mal teilgenommen hatte, „ein eindeutiges Warnsignal.“ Nur wie die jetzt angestrebte Qualitätsdebatte in konkrete Maßnahmen münden könne, sagte auch Röhm nicht.

Er weiß als ehemaliger Direktor eines Gymnasiums aber: „Auf die Lehrer kommt es an.“ Aber nicht nur auf sie: der SPD-Abgeordnete Stefan Fulst-Blei ergänzt: „Es fehlt an der Unterstützung der Eltern.“ Einen weiteren Ansatz künftigen Handels steuert Eisenmann bei: So soll die Schulaufsicht  fortan beratend wirken, wenn die einzelnen Schulen ihre Testergebnisse erhalten. Der von Eisenmann beschworenen Gemeinsamkeit beim künftigen Vorgehen widersetzt sich allerdings die FDP. Unter  wiederholtem  Beifall auch der beiden AfD-Fraktionen  rechnete  Tim Kern grundlegend noch einmal mit Grün-Rot ab, die mit der ideologischen Dampfwalze „ungerührt über die sorgenvollen Einwände“ der Liberalen hinweggerollt sei: „grünes Weltverbessern und rotes Herumdilettieren“  hätten das Bildungswesen im Land nicht vorangebracht.

Flächendeckender Test

Vergleich „Vera“ steht für „Vergleichsarbeiten“, sie werden in allen Klassen 3 und 8 durchgeführt . Es ist das einzige Verfahren, das mit bundesweit einheitlichen Standards arbeitet. Baden-Württemberg hat zum ersten Mal an „Vera 8“ teilgenommen. Seit 2011 wird „Vera“ vom Institut für Qualitätsentwicklung im Bildungswesen in Berlin koordiniert. Im Südwesten ist das Landesinstitut für Schulentwicklung zuständig. eb

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