Landfrauen-Power: Zubrot als Bienenexpertinnen

|
Vorherige Inhalte
  • Imkerin bei der Arbeit. Die Produkte aus dem Bienenstock vermarkten Fachberaterinnen. Das bringt Landfrauen einen Zuverdienst. 1/2
    Imkerin bei der Arbeit. Die Produkte aus dem Bienenstock vermarkten Fachberaterinnen. Das bringt Landfrauen einen Zuverdienst. Foto: 
  • Geschulte Spezialistin: Ingrid Wolff informiert über die heilende Wirkung von Bienenprodukten. 2/2
    Geschulte Spezialistin: Ingrid Wolff informiert über die heilende Wirkung von Bienenprodukten. Foto: 
Nächste Inhalte

Auf das Geld kommt es Inge Heinle (59) zunächst nicht an. „Wichtig ist mir die Natur“, sagt die Hausfrau, dreifache Mutter, kaufmännische Angestellte mit 80-Prozent-Job aus Kupferzell im Hohenlohekreis. Sie hat gerade 130 Euro in einen Lehrgang investiert, um möglichst vielen Leuten ihre Botschaft zu verkünden: „Wenn wir keine Bienen mehr haben, geht das Licht aus.“ Sie ist seit Freitag „Fachberaterin für Bienenprodukte“. Sie  weiß um die wirtschaftlichen Grenzen dieser Nebenbeschäftigung: „Millionärin werde ich damit nicht.“

Den Anstoß für die zertifizierte Zusatzqualifikation gab Heilpraktikerin Rosemarie Bort aus Öhringen. Sie hat sich spezialisiert auf Produkte aus dem Bienenstand. Weil sie von deren heilender Wirkung überzeugt ist, suchte sie Multiplikatoren. Beim Deutschen Imkerbund holte sie sich eine Abfuhr. Ihr Ansinnen scheiterte offenbar an landsmannschaftlichen Rivalitäten. Der Landfrauenverband Württemberg-Baden dagegen unterstützte sie sofort.  Die Organisation wusste auch, wo eine Geldquelle sprudelt. „Innovative Maßnahmen für Frauen im ländlichen Raum“ heißt ein Förderprogramm der EU, das zur Hälfte von den Ländern bestückt wird. Seit 2015 seien in Baden-Württemberg bereits 1,5 Millionen Euro in 39 Projekte geflossen, berichtete Staatssekretärin Friedlinde Gurr-Hirsch (CDU). 168.458 seien für „NEsD“ bestimmt.

Das Kürzel steht für „Netzwerk Einkommen schaffender Dienstleistungen“. Dazu gehören die Fachberaterinnen für Honigprodukte. Die Expertinnen sollen informieren, dass die Biene mehr liefert als süßen Brotaufstrich. Vielfältige Inhaltsstoffe steigerten das Wohlbefinden, haben die Absolventinnen in 14 Schulungstagen gelernt. „Die Rezepturen haben mich immer fasziniert“, erzählt Ingrid Wolff (54) aus Stimpfach-Rechenberg. Sie schwört auf Honig und Propolis, das antibiotische Kittwachs, bei Halsschmerzen: „Das wirkt sofort.“

Das Propolis, das klebrige Material aus dem Bienenstock, verrührt Inge Maurer (42) mit Olivenöl und Gänseblümchen zur Hautcreme. Wie sie ihre neuen Kenntnisse unter das Volk bringt, weiß sie noch nicht genau. Denkbar seien Workshops auch mit Kindergärten oder Schulen.

Die Beraterinnen könnten „neue Akzente im ländlichen Raum“ setzen, meint Marie-Luise Linckh, die Präsidentin. Ihre Aktivitäten müssten in die alltäglichen Anforderungen und mehrfachen Belastungen auf dem Hof und mit der Familie integriert werden. Wenn die Frauen eine Perspektive bekämen, seien sie nicht nur „eine wichtige Stütze für die Lebensqualität“, sie sorgten auch dafür, dass der ländliche Raum nicht ausblutet, erklärte die Staatssekretärin.

Für die nächsten Bienen-Kurse muss bereits eine Warteliste geführt werden. Großes Interesse besteht auch an weiteren Angeboten. Auf dem Plan stehen die digitale Vermarktung regionaler Produkte, die Hilfe für Familien mit haushaltsnahen Dienstleistungen und der Landtourismus.

Die Vorbereitungen für einen neuartigen Betriebszweig auf dem Bauernhof laufen schon. Im Herbst 2018 sollen Frauen in die „soziale Landwirtschaft“ einsteigen können. Damit sind spezielle Wohn- und Betreuungsangebote gemeint, etwa für schwer erziehbare Jugendliche. Für diesen Service eignen sich auch leerstehende Höfe mit ihrem großen Flächenpotenzial.

Organisation Für das „Netzwerk Einkommen schaffende Dienstleistungen“ wurde ein Trägerverein  gegründet, dem die Präsidentin des Landfrauenverbands vorsteht. Die finanzielle Förderung ist auf vier Jahre beschränkt, sie endet 2020.

Vorbild „Dieses Programm gibt es nur in Baden-Württemberg“, sagte Koordinatorin Christine Binder. Das Interesse anderswo sei groß. „Wir kriegen ständig Anfragen aus den anderen Bundesländern.“ hgf

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Eine rauschende Nacht der Wohltätigkeit

Schon zum zwölften Mal stieg die Charity Night. Erstmals in der Ratiopharm Arena, die sich in elegantes Dunkel hüllte. Mehr als 700 Gäste genossen Stars, erstklassige Speisen und stilvolle Showeinlagen. weiter lesen