Landärzte finden kaum noch Nachfolger

Gibt es den Landarzt bald nur noch im Fernsehen? Junge Mediziner wollen lieber in der Stadt arbeiten. Auf dem Land suchen deshalb manche Ärzte vor ihrem Ruhestand händeringend einen Nachfolger.

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Hausarzt Georg Balabajew hatte seine Zulassung schon zurückgegeben und die Suche nach einem Nachfolger für seine Praxis in Buchen (Neckar-Odenwald-Kreis) praktisch aufgegeben. Die Stelle war den meisten Bewerbern zu weit draußen. "Ich habe mal im Atlas geguckt, wo Buchen liegt", habe einer ihm gesagt - und dann abgelehnt, erzählt der 63-Jährige. In allerletzter Minute habe er dann doch noch jemanden gefunden.

Balabajews Erlebnisse sind kein Einzelfall. Für viele junge Mediziner ist es unattraktiv, sich auf dem Land selbstständig zu machen. "Es ist schwierig, im ländlichen Raum Arztpraxen nachzubesetzen", sagt Kai Sonntag von der Kassenärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg (KVBW). Er schätzt, dass bis 2016 mindestens 500 Hausarztpraxen im Südwesten verwaisen könnten.

Der Neckar-Odenwald-Kreis sei sehr groß, was das Versorgungsproblem in dieser ländlichen Region noch verschärfe, sagt Mediziner Balabajew. Die Ärztedichte schwanke. In der Stadt Mosbach etwa gebe es genügend Mediziner. "Aber es gibt auch Bereiche, wo sie dünn gesät sind, etwa in Mudau." Viele Patienten wählten daher den bequemen Weg und wendeten sich gleich an den Notdienst, weiß Balabajew, dessen Sohn im Rettungsdienst des Deutschen Roten Kreuzes arbeitet.

Auch Neckar-Odenwald-Landrat Achim Brötel (CDU) sagt: "Die Ambulanzen der Kliniken laufen über, weil niedergelassene Ärzte fehlen." Das stelle die Kliniken vor ein Finanzierungsproblem. Er kritisiert außerdem, dass zu viel Papierkram anfalle, wenn ein Arzt seine Praxis an einen jüngeren Nachfolger übergebe: Als für eine Kinderarztpraxis nach langem Suchen schließlich eine junge Ärztin gefunden gewesen sei, sei die Übergabe beinahe an bürokratischen Hürden des Zulassungsverfahrens gescheitert.

Viele seiner Kollegen im Kreis seien älter als 55 Jahre, sagt Balabajew. Für sie werde es schwierig, einen Nachfolger zu finden.

Aber auch jüngere Kollegen sind besorgt. Hausarzt Christoph Kaltenmaier im gut 40 Kilometer von Buchen entfernten Aglasterhausen etwa ist sich heute schon sicher, keinen Nachfolger zu finden. 52 ist Kaltenmaier. Junge Ärzte gingen dorthin, wo sie nicht mit Verwaltungsdingen überhäuft würden. "Wenn sie eine Praxis eröffnen, müssen sie sich um den bürokratischen Wust selbst kümmern."

Kaltenmaier ist Sprecher des Medi-Verbunds im Neckar-Odenwald-Kreis. Der Zusammenschluss niedergelassener Ärzte und Psychotherapeuten arbeitet mit an Lösungen, um Medizinern eine Tätigkeit als Landarzt auch im Angestelltenverhältnis zu ermöglichen.

Balabajew hat Glück gehabt - er wurde schließlich im Ort fündig: Susanne Krautheim-Simon ist in Buchen aufgewachsen und wollte sich dort als Allgemeinmedizinerin niederlassen. Ihr Mann, Internist Matthias Krautheim, gab dafür seine Anstellung als Oberarzt am Buchener Krankenhaus auf und übernahm zusammen mit ihr Balabajews Praxis.

Krautheim sagt: "Leute, die auch das Positive des ländlichen Raums kennengelernt haben, können sich damit arrangieren." Eine wichtige Rolle bei der Wahl der Arbeitsstätte spiele die Infrastruktur, vor allem Kinderbetreuung und Schulen, aber auch die Frage, ob der Partner einen Arbeitsplatz finde. "Es ist eine große Aufgabe, die junge Ärzteschaft für das Land zu gewinnen."

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