Land am Rand: Die Verschwörung der Frühaufsteher

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Wer den Abstieg der CDU in Baden-Württemberg betrachtet, landet alsbald bei Günther Oettinger – und wundert sich rückblickend, warum man ihn als Ministerpräsident 2010 eigentlich so dringend gen Brüssel loswerden wollte. Allzu toll ist es danach ja bekanntlich nicht gelaufen mit Mappus & Co. „Land am Rand“ geht mit der postfaktischen Zeit – und  hat eine Verschwörungstheorie:  Oettinger war den geheimen Herrschern, die uns knechten, unbequem geworden: den Frühaufstehern.

„Die Frühaufsteher dominieren die Gesellschaft, obwohl sie in der Minderheit sind“, sagte Schlafforscher Hans-Günter Weeß jüngst im „Zeit“-Magazin. Zwei Drittel der Menschen würden laut biologischer Uhr erst nach Mitternacht müde – von einer preußisch getakteten Gesellschaft aber gezwungen, morgens unchristlich früh aus den Federn zu kriechen. Daher auch der frühe Schulbeginn.

Und wer war der letzte Politiker, der sich getraut hat, dagegen aufzubegehren? Richtig: Günther Oettinger. 2006 schlug er Unerhörtes vor: Schulbeginn um 8.30 oder gar um 9 statt etwa um 7.35 Uhr. Gemeinsames Frühstück mit Kindern statt Bus-Verschickung beim ersten Hahnen-Krähen. Wache Augen im Unterricht statt Gähn-Attacken. Doch es kam, wie es kommen musste: Die Revoluzzer-Ideen verpufften natürlich umgehend. Und Oettinger geriet offenbar auf die Abschussliste der Mächtigen, da konnte auch die Filbinger-Rede nichts mehr rausreißen. Was lernen wir daraus? Leg dich als „Eule“ niemals mit der Geheimgesellschaft der Lerchen an, stell immer brav deinen Wecker – sonst endest du wie Oettinger. Roland Müller

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