Kutteln fürs Kandidaten-Duo

Alle Kameras richten sich Fasnetsdienstag wieder auf die Riedlinger Narrenzunft "Gole": Fürs alljährliche "Froschkutteln-Essen" mit anschließendem Abrutschen vom Rathaus haben sich Ministerpräsident Winfried Kretschmann und sein Herausforderer Guido Wolf angekündigt.

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Ministerpräsident Kretschmann beim traditionellen Rutschen nach dem Kuttelessen.  Foto: 

Kretschmann kommt zum 40. Mal, um nach dem "Kandelgang" zum Schoppen Wein lecker zubereitete Innereien zu verzehren. Mit Fröschen hat das Essen nichts zu tun: Rindermagen sowie Herz, Leber und Nieren vom Schwein werden fein geschnitten und mit Wein, Zitrone und etwas Essig abgeschmeckt.

Kretschmann verbindet eine - wenn auch unglückliche - Internatszeit mit Riedlingen. Seit 1976 ist er beim Froschkuttelessen. Nur der Golfkrieg 1991 verhinderte den "Kuttla-Fraß". Auch als hessischer Ministerialrat in Joschka Fischers Umweltministerium in den 80ern schaffte er es zu jedem Froschkuttelessen. 300 Männer kommen dazu in den "Mohren", Frauenvolk ist bis zum heutigen Tage nicht zugelassen.

"Kretsche", wie die Donaustädter ihn liebevoll nennen, blieb dem "Gole" auch als Fraktionschef der Grünen im Stuttgarter Landtag treu und wurde 2009 auch von den Wäschweibern als Mann mit besonderen Verdiensten um die Gole-Fasnet mit viel Bürstenstrichen im Zuber zum Riedlinger Mohren gewaschen und mit einem schwarzen Punkt auf der Nase versehen. Daher stammt auch der kleine Waschzuber, den er in der Fasnet um den Hals trägt. Ansonsten fordern sie hochprozentigen Tribut.

Klar, dass er sich auch als Ministerpräsident das hochnärrische Ereignis mit Gesang und Gereimten nicht entgehen ließ, jetzt allerdings begleitet von ernst dreinschauenden Security-Beamten, die Zustände kriegen, wenn er nach dem Abrutschen beim Gänsemarsch-Gang der Festgesellschaft zum Gasthaus "Kreuz" die eine oder andere Bekanntschaft aus früheren Tagen in die Arme schließt.

Guido Wolf wurde 2014 erstmals von der Narrenzunft eingeladen, als Landtagspräsident. Es hat ihm so gut gefallen, dass er vor einem Jahr leise anfragte, ob er wiederkommen dürfe. Er durfte - und steht auch im Wahljahr auf der Gästeliste. Wolf wie Kretschmann schätzen die Begegnung in entspannter Atmosphäre beim Froschkuttelessen, so zumindest sagten beide in ihrem ersten TV-Wahlkampfduell.

Die Narren um Gole, Gelbsucht, Boppele und Kupfernäsen sehen sich auf der sicheren Seite. Denn egal, wer die Wahl am 13. März gewinnt, tönen sie schon heute: "Wir sind Ministerpräsident", wobei eines sicher ist bei jedem Wahlergebnis: Winfried Kretschmann als eingetragenes Narrenzunft-Mitglied wird wiederkommen und braucht nicht einmal eine Einladung dazu.

Eine solche hat der neue Tübinger Regierungspräsident Jörg Schmidt erhalten. Er sieht dem Ereignis und dem im Rathaussaal Servierten mit Spannung entgegen. Doch es geht nicht mehr so streng wie einst zu im Kreis der Narren. Wohlgelitten ist auch der Riedlinger Bürgermeister Marcus Schafft, obwohl Fleisch wie Alkohol gänzlich abhold.

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