Kurzes schönes Gänseleben

Martinstag: Jetzt beginnt die Hochzeit des Gänsebratens. Auch den Gänsen von Biobauer Gerd Vöhringer schlägt das letzte Stündlein. "Aber bei mir haben sie es schön gehabt", sagt der Landwirt.

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Biobauer Gerd Vöhringer inmitten seiner Gänse: Viel Bewegung auf der Wiese stärkt Keule und Brust der Tiere. Foto: Klaus Franke

Wenn Gerd Vöhringer zu seinen Gänsen auf die Wiese geht, empfangen sie ihn mit großem Geschnatter. Sie laufen erst mal von ihm weg. Doch wenn er stehen bleibt, watscheln die Gänse neugierig auf ihn zu, umringen ihn und wenden ihm die Köpfe zu. Dabei hat er kein Leckerli dabei, gar nichts. Ein friedliches Bild - die Gänse und ihr Gänsevater.

Gerd Vöhringer ist Biolandbauer oben auf der Alb im kleinen Ort Gomadingen-Steingebronn. In seinem Stall stehen 50 Milchkühe. Aber seit langem hat der Sonnenhof ein zweites Standbein: Geflügel. Der 48-jährige Landwirtschaftstechniker zieht Hähnchen auf, Enten und Puten. Und vor allem Gänse. Auf der fünf Hektar großen Wiese vor dem Hof weiden mehrere hundert. Im Mai kamen sie aus Sachsen, winzige Federbällchen, gerade ein paar Tage alt. In den Brutkästen der Familie Kucka, ebenfalls ein Biobetrieb, wurden sie ausgebrütet. Jetzt sind die Gänse ausgewachsen, haben gelb-orange Füße und Schnäbel, die Federn am Körper sind weiß und die Flügel grau-bräunlich.

Am Sonntag ist Martinstag, und die hohe Zeit des Gänsebratens beginnt. So sind die Tage der Vöhringer-Gänse gezählt, da gibt es kein Vertun. Vöhringer hat ein Herz für Tiere. Doch eines ist klar: Auf die Vögel wartet der Bräter. "Aber bei mir haben sie es schön gehabt", sagt er.

In Intensivmastbetrieben dauert ein Gänseleben gerade mal zwölf Wochen, dann ist es vorbei mit Schnattern und Futtern. Den Turbo lässt Vöhringer weg. So 25 Wochen dürfen sich die Gänse an ihrem Leben erfreuen, mit gutem Futter, mit viel Auslauf, was für sie gut ist, aber auch für den Feinschmecker. Denn die Bewegung kräftigt Keulen und Brust - an den Gänsen vom Sonnenhof ist was dran.

Vöhringer hält die Küken erst mal in kleinen Gruppen im Stall, wo sie sich an Wärmelampen wärmen können. "Eine kleine Gans braucht es richtig warm", sagt Vöhringer. Zweimal am Tag wechselt er das Einstreu, damit sich keine gefährlichen Keime entwickeln. "In den ersten 14 Tagen muss ich mich ganz intensiv um die Kleinen kümmern", sagt der kräftige Mann mit dem vollen, graumelierten Haar und dem dunklen Schnauzer. Die Küken hält er deswegen in kleinen Gruppen, weil sie in diesem Alter sehr schreckhaft sind und dann die Gefahr besteht, dass sie sich gegenseitig erdrücken.

An warmen Tagen im Juni dürfen die Küken raus, ab Mitte Juli sind sie robust genug, die Witterung auszuhalten. Vöhringer lässt die Vögel auf Wiesen mit kurz gehaltenem Gras. Längeres Gras ist den Gänsen zu holzig, das fressen sie nicht.

In den vergangenen Tagen klingelte bei Vöhringer häufig das Telefon. Kunden rufen an, bestellen Gänse. Dann muss sich der Bauer an die Arbeit machen. Er schlachtet auf dem eigenen Hof. "Ich könnte das auch aus der Hand geben", sagt er. Doch er will sicher gehen, dass das Leben der Gänse "anständig" zu Ende geht. Deswegen greift er selbst zum Messer.

Doch die eine oder andere Gans wird schon mal verschont. "Wenn du eine hast, die dir immer wieder aufgefallen ist, die ganz besondere Eigenschaften hat, dann kannst du sie nicht schlachten", sagt Vöhringer. Dann nimmt er das Tier zur Nachzucht. Einige wenige Eier lässt er auf dem Hof ausbrüten. Früher haben er und seine Eltern das grundsätzlich gemacht. Aber das rechnet sich längst nicht mehr.

Die Gänse von Vöhringer kosten mehr als die importierten aus dem Osten. Aber er glaubt, dass die Leute bewusster geworden sind und seine Mühe honorieren. Viele Gastronomen aus der Umgebung zählen zu Vöhringers Kunden. Etwa Tim und Dieter Wetzel vom Metzinger Restaurant Schwanen. "Wir setzen in unserer Küche auf ökologisch einwandfreie Produkte aus der Region", sagen sie, "und indem wir mit Persönlichkeiten wie Gerd Vöhringer zusammenarbeiten, leisten wir auch einen Beitrag für eine artgerechte Tierhaltung."

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