Kuren, Konferenzen, Konzerte - Baden-Baden feilt am Geschäftsmodell

Treffen des europäischen Hochadels in Baden-Baden sind längst Geschichte. Die Stadt muss sich verändern, um zahlungskräftige Besucher zu locken.

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Eine Kutsche fährt durch Baden-Baden. Die Stadt punktet bisher vor allem mit dem Charme vergangener Zeiten.    Foto: 

Am Rande der Innenstadt steht seit mehr als 140 Jahren Brenners Parkhotel als Trutzburg vornehmer Herrlichkeit. Über der Altstadt bietet die weitgehend brachliegende Baustelle des Neuen Schlosses einen harten Kontrast. Baden-Baden hat seinen Charme vergangener Zeit zwar bewahrt und zieht noch immer wohlhabende Gäste aus aller Welt an. Doch die Sorgen mehren sich. Verwaltung und Politik feilen daher am Geschäftsmodell der Zukunft.

Oberbürgermeisterin Margret Mergen (CDU) will den Wandel. Sie spricht von „sportlicher Herausforderung“, wenn es darum geht, den mit knapp 55.000 Einwohnern kleinsten Stadtkreis in Baden-Württemberg finanziell auf Kurs zu halten. Im Haushalt droht ein Millionendefizit. Der Kostenaufwand in der Stadt sei enorm, die Ansprüche hoch („Der Name verpflichtet“). Mit großen Unternehmen und hohen Gewerbesteuereinnahmen kann Baden-Baden kaum aufwarten.

Mergen möchte junge Leute und Familien in die Stadt holen. Dazu soll der Wohnungsbau angekurbelt werden. Sie will die Infrastruktur modernisieren und die Wirtschaft stärken. Wie aber will Baden-Baden mit dem Erbe umgehen, was soll das Geschäft der Zukunft sein?

„Baden-Baden ist der ideale Ort für wichtige Dialoge, politisch, wirtschaftlich und gesellschaftlich“, sagt Mergen.  Mit den Hotels, dem Kongresshaus und dem Kurhaus gebe es dafür ideale Voraussetzungen.

Reinhard Hofmann, der in Baden-Baden das jährliche Internationale Wirtschaftsforum organisiert, ist skeptisch. „Ich sehe nicht das Konzept dahinter.“ Viele Veranstalter seien aus Baden-Baden abgewandert, „weil die Fläche nicht da ist.“ Die Stadt sei nicht gut zu erreichen, die Autobahn im Rheintal oft verstopft und der Flughafen Karlsruhe/Baden-Baden nicht bekannt genug.

Er sieht die Zukunft der Stadt eher in den Bereichen Gesundheit und Naturerlebnis. Baden-Baden solle das Neue Schloss zurückkaufen und selbst entwickeln – etwa zu einem Gesundheitszentrum. Auch müsse an der Schwarzwaldhochstraße etwas mit dem seit Jahren leerstehenden Schlosshotel Bühlerhöhe passieren. „Das Juwel verrottet“, klagt er.

Das Neue Schloss auf dem Florentinerberg als Ursprung des Hauses Baden sei eine Landmarke im Herzen der Stadt, sagt Mergen. „Es aus dem Dornröschenschlaf zu wecken, das wäre ein Gewinn.“ Nur seien die Gespräche mit der kuwaitischen Besitzerin schwierig, die aus der exponierten Immobilie seit rund 15 Jahren ein Luxushotel machen will. Immerhin sei das Dach inzwischen saniert, so dass kein weiterer Verfall droht.

Jahrelang konnte sich die Stadt auf Russen und Ukrainer verlassen, die viel Geld mitbrachten, aber auch die Immobilienpreise in die Höhe trieben. „Das Image ist schlechter geworden“, sagt Hofmann zu der Entwicklung der vergangenen Jahre. Die Zahl der Gäste aus Russland und der Ukraine habe sich seit dem Ausbruch der politischen Krise halbiert, sagt Mergen. Die Hotels hätten das kompensieren können – es kämen mehr arabische Gäste. Der Einzelhandel leide aber.

2015 habe mit fast einer Million Übernachtungen einen Bestwert gebracht, sagt die Geschäftsführerin der Baden-Baden Kur & Tourismus GmbH, Nora Waggershauser. Die Zahl der Übernachtungen von Gästen aus dem Ausland habe sich seit 2003 mehr als verdoppelt. „Die Stadt entwickelt sich aus touristischer Sicht äußerst positiv auf hohem Niveau für anspruchsvolle Gäste im Bereich Gesundheit, Schönheit und Wohlbefinden ebenso wie Kunst und Kultur“, betont sie.

Aus Sicht der Industrie- und Handelskammer (IHK) Karlsruhe sollte die Stadt ihr künftiges Profil aus der seit dem 19. Jahrhundert aufgebauten Sonderstellung entwickeln. „Baden-Baden ist weltweit ein Begriff und touristisch ein Premiumstandort“, sagt der Tourismusreferent der IHK, Andreas Förderer.

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