Kultusministerin will System der Lehrerfortbildung ordnen

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Fortbildungen wie hier auf einem Hof in Schönenberg bei Schwäbisch Hall sollen auch neue Lernorte aufzeigen.  Foto: 

Neulich mailte das Staatliche Schulamt Göppingen allen Schulleitern im Bezirk einen „Rückmeldebogen_Fobiwünsche 2017“. Dem Amt, stand im Begleittext, sei „wichtig, den Kolleginnen und Kollegen möglichst passgenaue Unterstützungsangebote anzubieten“. Elf Themen zum Ankreuzen waren aufgelistet: etwa „Elterngespräche“ oder „Inklusion“. Unten gab es Platz für Wünsche.

So oder so ähnlich – oder auch mal ganz anders – entsteht in Baden-Württemberg ein Netz von Fortbildungen, aus dem sich Lehrer Kurse heraussuchen können. Wie genau laufen sie ab? Wer darf Kursleiter sein? Was wird geschult und mit welchen Zielen? All das ist nicht zentral geregelt. Das Fortbildungs-System ist insgesamt kaum zu überblicken.

Das beginnt bei den Anbietern: Neben der zentral verantwortlichen Landesakademie für Fortbildung und Personalentwicklung (Standorte in Bad Wildbad, Comburg und Esslingen), dem Landesinstitut für Schulsport, Schulkunst und Schulmusik, der Landesakademie für die musizierende Jugend Ochsenhausen, dem Landesschulzentrum für Umwelt­erziehung Adelsheim und der Akademie Rotenfels, bieten auch die vier Regierungspräsidien und die 21 staatlichen Schulämter regionale Kurse an. Dazu kommen Hochschulen, Verbände und andere externe Einrichtungen.

Ein Verwaltungsexperte, den man nicht mit Namen nennen soll, kommentiert das so: „An diesem Brei kochen ziemlich viele mit.“ 1950 Seminare mit rund 32 000 Teilnehmern fanden 2016 zentral organisiert statt. Wie viele es insgesamt waren, weiß niemand. Feste Anforderungen an Dozenten? Eine zentrale Lizenz für Anbieter? Gibt es nicht.

Dabei müssen Lehrer Fortbildungen belegen. Sie sind per Verordnung verpflichtet, „ihre berufsspezifischen Kompetenzen zu erhalten und stetig weiterzuentwickeln“. Wie sie das machen, bleibt weitgehend ihnen und ihrer Schulleitung überlassen.

Darin, dass die Fortbildungen verbessert werden müssen, sind sich vom Landesschulbeirat über die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Lehrer-Organisationen bis zum Arbeitgeberverband viele Beteiligte einig.

Viel Staub zum Aufwirbeln

Auch Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU), die stets darauf bedacht ist, zu betonen, sie wolle Ruhe ins vielreformierte Bildungssystem bringen, sieht Änderungsbedarf: „Wir müssen nicht nur hinterfragen, ob wir in unseren Fortbildungen auch die Inhalte und Kompetenzen vermitteln, auf die es ankommt. Sondern wir müssen uns auch die Strukturen kritisch ansehen. Gerade bei letzterem unterscheiden wir uns teilweise ganz erheblich von anderen Ländern“, sagt Eisenmann. Daher führe sie Gespräche mit Experten anderer Länder.

Einer davon ist Thomas Riecke-Baulecke. Der Bildungsforscher und Direktor des Instituts für Qualitätsentwicklung an Schulen Schleswig-Holstein (IQSH) war jüngst zweimal in Stuttgart. Er hat das IQSH seit 2003, nach dem „Pisa-Schock“, als zentrales Aus- und Fortbildungsinstitut im Bundesland ausgebaut. „In der Lehrerfortbildung waren in Schleswig-Holstein vor 2003 acht Studienseminare eingebunden, und auch die Kreisbildzentren haben Veranstaltungen angeboten. Das haben wir zentralisiert.“ Ein Grundgedanke sei gewesen: „Je mehr Institute oder Seminare an der Fortbildung beteiligt sind, desto mehr Philosophien fließen ein.“

Der Zentralisierungsprozess wirbelte damals viel Staub auf. Studienseminare wurden aufgelöst und geschlossen, Mitarbeiter versetzt. „Es lief nicht reibungslos, sondern hat am Anfang sehr viel Aufregung verursacht. Aber in der Rückschau betrachtet geben uns die Ergebnisse Recht“, sagt Riecke-Baulecke.

Bei der letzten IQB-Bildungsstudie schnitt Schleswig-Holstein gut ab. Baden-Württemberg dagegen stürzte in der Tendenz ab, lag bundesweit im Durchschnitt. Unter anderem stellten die Forscher fest, dass Lehrer im Südwesten etwas seltener Fortbildungen belegten als im Bundesschnitt. Zugleich gab es einen „besonders hohen Bedarf an Fortbildungen zu Themen, die sich auf Umgang mit Heterogenität und die Förderung schwacher Schülerinnen und Schüler beziehen“.

Genau solche Kurse, die auch mal über zweieinhalb Tage gehen statt einen Nachmittag, seien völlig überbucht, sagt GEW-Chefin Doro-Moritz: „Das würden viele Lehrer gerne belegen, aber es gibt viel zu wenige Plätze.“

Bei Eisenmann, so ist zu hören, hat das Thema Priorität. Doch Eile will sich die Ministerin nicht unterstellen lassen. Zu oft und tief ist zuletzt am Bildungssystem herumreformiert worden. Rückmeldungen der Lehrer seien „ganz wesentlich für unsere Planungen“, sagt Eisenmann. „Deshalb wollen wir durch eine freiwillige Online-Befragung alle Lehrerinnen und Lehrer um ihre Meinung und Einschätzung bitten.“

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