Neuer Großaktionär setzt Küchenhersteller Alno auf Sparkurs

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Das Werk des Küchenbauers Alno AG in Pfullendorf. Foto: Patrick Seeger/Archiv

Der angeschlagene Küchenhersteller Alno schlägt nach dem Einstieg seines neuen Großaktionärs Tahoe einen neuen Sparkurs ein. Durch den Wegfall von 350 Stellen in der Verwaltung soll bereits dieses Jahr ein zweistelliger Millionenbetrag eingespart werden, teilte das Unternehmen am Freitag mit. Damit werde schon 2017 ein deutlich positives Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) ausgewiesen. Wie es unterm Strich aussehen wird, dazu machte das Unternehmen keine Angaben. Von 2018 an soll der Sparkurs die Kosten um mindestens 20 Millionen Euro jährlich drücken.

„Jetzt ist die Katze aus dem Sack“, sagte Michael Föst von der Gewerkschaft IG Metall Albstadt. „Die Beschäftigten müssen die Suppe auslöffeln, die der Vorstand verursacht hat.“ Die Probleme seien hausgemacht. „Der Küchenmarkt wächst und Alno wächst nicht.“ Erst 2016 sei ein Tarifvertrag zur Beschäftigungssicherung vereinbart worden. „Die Mitarbeiter können sich nicht auf das Wort der Manager verlassen“, sagte Föst.

Die Mitarbeiter am Stammsitz in Pfullendorf (Baden-Württemberg) sowie in Enger (Nordrhein-Westfalen) und Coswig (Sachsen-Anhalt) waren am Freitag bei Mitarbeiterversammlungen über den Stellenabbau informiert worden, nachdem am Vorabend der Aufsichtsrat getagt hatte. 250 Stellen sollen in Deutschland gestrichen werden, etwa 100 Stellen bei ausländischen Gesellschaften. Konzernweit hat Alno 2100 Mitarbeiter.

In den vergangenen Jahren hatte das Unternehmen schon mehrfach Stellen gestrichen - erst 2016 fielen 100 Arbeitsplätze weg. Wie der neue Abbau ablaufen soll, ist noch Gegenstand der Verhandlungen mit Betriebsrat und Gewerkschaft. In den nächsten Wochen soll ein Sozialplan ausgearbeitet werden. Unklar ist, ob es allein bei dem Stellenabbau bleibt. Es würden noch weitere Aktivitäten und Prozesse unter Kostengesichtspunkten geprüft.

Alno hatte bereits 2015 die Marke Impuls-Küchen verkauft. Zuletzt bereitete aber die Schweizer Tochter AFP Sorgen. Alno hatte den Hersteller von Piatti-Küchen im Jahr 2014 übernommen und die Produktion nach Pfullendorf verlagert, worauf die Schweizer Kunden mit Zurückhaltung reagierten.

Alno kämpft seit dem Börsengang 1995 mit Problemen - bis auf wenige Ausnahmen gab es jedes Jahr Verluste. Im ersten Halbjahr 2016 hatte das Unternehmen vor Steuern wieder rote Zahlen geschrieben. Für das Gesamtjahr rechnet Alno mit steigendem Umsatz und Ebitda. Ob es zu einem Gewinn reicht, dazu macht die Firma keine Angaben.

Finanziell sah es zuletzt nicht rosig aus. Im jüngsten Halbjahresbericht wies Alno lediglich 2,7 Millionen Euro liquide Mittel aus. Die langfristigen Schulden beliefen sich auf 180 Millionen Euro.

Zuletzt setzte der Küchenhersteller Hoffnungen auf neue Investoren. 2015 stiegen die chinesische Nature Home Company und die Shun Hing Electric Works & Engineering Company aus Hongkong bei Alno ein. Zu Jahresbeginn hatte der Investor Tahoe, hinter dem die bosnische Unternehmerfamilie Hastor steht, die Mehrheit der Anteile übernommen und mit Christian Brenner einen neuen Finanzvorstand installiert. Schon vor der Übernahme hatte Tahoe Alno mit 35 Millionen Euro Kredit ausgeholfen. „Tahoe hat sowohl finanziell als auch durch eigenes Know-how die notwendigen Rahmenbedingungen für unser Restrukturierungsprogramm geschaffen“, sagte Alno-Chef Max Müller. Wie viel der Stellenabbau kosten wird, wurde nicht mitgeteilt.

Mitteilung

Halbjahresbericht 2016

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