Fahrgastverband: Geld für S 21 fehlt an anderer Stelle

|
Kräne stehen in Stuttgart auf der Stuttgart 21 Baustelle. Foto: Sina Schuldt  Foto: 

Der Fahrtgastverband Pro Bahn befürchtet bundesweit negative Folgen für die Fahrtgäste wegen der Verteuerung des Bahnprojekts Stuttgart 21. „Durch die fatalen Mehrkosten fehlt das Geld an anderer Stelle, beispielsweise für den dringenden Ausbau so mancher regionaler Strecke“, sagte Pro-Bahn-Sprecher Karl-Peter Neumann der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ (Donnerstag).

Der Landeschef des ökologischen Verkehrsclubs VCD, Matthias Lieb, sieht das auch so. Er sagte der „Pforzheimer Zeitung“ (Donnerstag): „Man sieht ja heute schon, dass die Fahrgäste mit großen Verspätungen konfrontiert sind.“ Diese liege oft daran, dass Wagen- und Lokmaterial nicht ausreichend funktionierten und dass es Weichen- und Signalstörungen gebe. „Das sind alles Dinge, an denen man gespart hat. An denen wird nun noch mehr gespart werden müssen.“

Am Mittwoch war bekanntgeworden, dass die Bahn nun einen Kostenrahmen von 7,6 Milliarden Euro für das umstrittene Projekt erwartet - bislang waren es 6,5 Milliarden Euro. Die Fertigstellung verzögert sich zudem auf Ende 2024. Der neue Zeit- und Kostenplan soll auf einer Sondersitzung des Aufsichtsrats Ende Januar beschlossen werden.

Die Projektpartner von Stuttgart 21 bekräftigten, sich nicht an den Mehrkosten beteiligen zu wollen. Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) sagte der „Stuttgarter Zeitung„ und den „Stuttgarter Nachrichten“ (Donnerstag): „Welche Zahlen auch immer am Ende bestätigt werden, es bleibt dabei: Bauträger ist die Bahn, verantwortlich sind daher die Bahn und der Bund. Das Land zahlt nicht mehr als die vereinbarten 930 Millionen Euro.“

Daran ändere auch die Sprechklausel nichts, sagte Kretschmann. Doch genau um diese Klausel dreht sich der vor dem Verwaltungsgericht anhängige Rechtsstreit. Die Bahn hatte im Dezember 2016 Klage gegen die Projektpartner eingereicht. Sie will erreichen, dass sie sich an Mehrkosten beteiligen. Projektpartner sind das Land, die Stadt Stuttgart, die Region Stuttgart und der Flughafen Stuttgart.

Bei dem Projekt soll aus dem Stuttgarter Kopfbahnhof ein unterirdischer Durchgangsbahnhof werden. An der Station wird seit Februar 2010 gebaut. Das Projekt hatte im Jahr 2010 für große Proteste gesorgt, Zehntausende Menschen waren dagegen auf die Straße gegangen. Im November 2011 stimmten in einer Volksabstimmung 58,8 Prozent der Teilnehmer gegen einen Ausstieg des Landes aus der Finanzierung des Bahnprojekts - und damit für Stuttgart 21.

Laut dem Fraktionschef der Grünen im Bundestag, Anton Hofreiter, müsse die Bundesregierung als Eigentümerin des Bahn-Konzerns das Parlament schnell und umfassend über den Kosten- und Zeitrahmen aufklären. Stuttgart 21 sei „längst das nächste verschleppte Milliardengrab. Das Projekt entgleitet der Deutschen Bahn immer mehr“, sagte Hofreiter. „Es gibt Befürchtungen, dass die Endkosten an 10 Milliarden Euro heranreichen können. Das Missmanagement muss ein Ende haben.“

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Ulmer Basketballern gelingt der siebte Streich

Das Ratiopharm-Team setzt sich zuhause mit 72:69 gegen Würzburg und setzt seine Erfolgsserie fort. Das Duell zweier ehemaligen Ulmer Teamkollegen gerät zur eindeutigen Sache. weiter lesen