Kretschmann: Herzog hinterlässt große Spuren im Südwesten

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Altbundespräsident Roman Herzog ist tot. Foto: Daniel Naupold/Archiv

In Baden-Württemberg hat der nun gestorbene Altbundespräsident Roman Herzog nach Ansicht von Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) große Spuren hinterlassen. „Humorvoll und in unverstellter Sprache hat er einen wichtigen Beitrag dazu geleistet, dass in Deutschland ein Weg dringend notwendiger Veränderungen beschritten werden konnte“, sagte Kretschmann in Stuttgart. Am Dienstag war bekanntgeworden, dass Herzog im Alter von 82 Jahren gestorben ist.

Als Innenminister habe Herzog hochumstrittene Themen bearbeitet. „Die Raketenproteste in Mutlangen, Hausbesetzungen oder die Frage nach CS-Reizgas für Polizeieinsätze standen ganz oben auf der landespolitischen Agenda“, erinnerte sich Kretschmann. Herzog habe diese Fragen überzeugend und mit großer Souveränität beantwortet. Die einvernehmliche Berufung zum Richter und späteren Präsidenten des Bundesverfassungsgerichts in Karlsruhe zeuge von dem großen Respekt, der Herzog auch parteiübergreifend entgegengebracht worden sei.

Dem Landtag von Baden-Württemberg gehörte Herzog für den Wahlkreis Göppingen von 1980 bis 1983 an. Von 1978 bis 1980 war er Kultusminister im Kabinett von Ministerpräsident Lothar Späth und von 1980 bis 1983 dann Innenminister. „Durch seine persönliche Geschichte, sein politisches Engagement und seine moralische Größe hat er die Geschichte der Bundesrepublik stark geprägt“, sagte Landtagspräsidentin Muhterem Aras (Grüne).

CDU-Landeschef Thomas Strobl würdigte Herzog als großen Staatsmann und beeindruckende Persönlichkeit. „Roman Herzog war ein brillanter Kopf und hatte das Herz auf dem rechten Fleck.“ Herzog habe für Bürgernähe und große intellektuelle Kraft gestanden. „Er hatte die große Gabe, auch schwierige Dinge in einfachen Worten zu erklären. Das haben die Menschen gespürt, deshalb haben sie ihn hoch geschätzt und ihm vertraut.“ Ihm persönlich fehlten nun die Begegnungen, in denen Herzog geistreich mit dem ihm eigenen Humor und schneidend scharfem Intellekt die Lage des Landes analysiert habe.

Die CDU blicke „dankbar auf sein Engagement für unser Land zurück“, erklärte Fraktionschef Wolfgang Reinhart. Herzog habe die Erfolgsgeschichte des Landes maßgeblich mitgestaltet. „Roman Herzog war ein scharfer Analytiker, er sprach die Probleme offen an und er versuchte, den politischen und gesellschaftlichen Diskurs immer wieder anzustoßen. Wir verlieren einen wichtigen Impulsgeber für unser Land.“

Roman Herzog sei sowohl als Rechtswissenschaftler als auch als Staatsmann immer auf der Höhe der Zeit gewesen, sagte SPD-Landeschefin Leni Breymaier. „Er konnte kantig sein, bezog Position und hat oft den Boden für gesellschaftliche Auseinandersetzungen bereitet.“ SPD-Fraktionschef Andreas Stoch beschrieb Herzog als einen weitblickenden, klugen, humorvollen und sehr bürgernaher Bundespräsident, der sich von keiner politischen Richtung habe vereinnahmen lassen. „In unser aller Erinnerung bleibt sein beharrliches Drängen auf Reformen als ständiger Prozess und seine nachdrückliche Warnung vor politischen Selbstblockaden.“

FDP-Landeschef Michael Theurer nannte Herzog einen „besonnenen Reformer“. Er habe stets vor Stillstand gewarnt - „ein Rat, den wir uns heute umso mehr zu Herzen nehmen sollten“. Hans-Ulrich Rülke, Chef der FDP-Fraktion, würdigte Herzog als „wertvolles Korrektiv“ für die Politik und die Bürger seines Landes. „Der Altbundespräsident hat zu Recht immer darauf verwiesen, dass Politik Menschen mobilisieren muss, um Blockade-Haltungen und Reform-Müdigkeit zu verhindern.“

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