Kirchen rechnen mit leicht steigenden Steuereinnahmen

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Die Kirchen in Baden-Württemberg rechnen in diesem Jahr wegen der anhaltend guten Beschäftigungslage mit leicht steigenden oder zumindest stabilen Kirchensteuereinnahmen. Die Mitgliederentwicklung der vergangenen Jahre zeigt dagegen weiter nach unten.

Die Evangelische Landeskirche in Baden geht 2017 nach einer aktuellen Schätzung von Einnahmen in Höhe von 335 Millionen Euro aus. Das wären 2,4 Prozent mehr als 2016, teilte eine Sprecherin mit. Die Evangelische Landeskirche Württemberg plant mit Einnahmen von 702 Millionen Euro leicht über dem Vorjahresniveau.

Die Diözese Rottenburg-Stuttgart rechnet im laufenden Jahr mit Einnahmen in Höhe von 520,5 Millionen Euro und 2018 von fast 530 Millionen Euro. 2015 hatte sie so viel Kirchensteuer zur Verfügung wie nie zuvor. Die katholische Kirche im württembergischen Landesteil nahm 529,5 Millionen Euro ein - gut 45 Millionen Euro mehr als ursprünglich angenommen. Auch die Erzdiözese Freiburg rechnet mit mehr Geld. Das Plus soll etwa 2,2 Prozent betragen, teilte eine Sprecherin mit.

Aktuelle Zahlen zur Mitgliederentwicklung liegen den Kirchen noch nicht vor. In der Evangelischen Kirche in Baden etwa stieg die Zahl der Taufen von 2014 auf 2015 zwar um etwa 400 auf gut 10 400. Dem standen aber fast 11 600 Austritte gegenüber. 2014 hatte die Kirche rund 1,21 Millionen Mitglieder. In der Evangelischen Landeskirche Württemberg sank die Mitgliederzahl von 2,11 Millionen im Jahr 2014 auf 2,08 Millionen im Jahr 2015.

In Freiburg, der mit knapp 1,9 Millionen Katholiken zweitgrößten Diözese Deutschlands, soll es erst im Sommer neue Zahlen zur Mitgliederentwicklung geben. Die Diözese Rottenburg-Stuttgart hatte Ende 2016 knapp 1,85 Millionen Mitglieder, ein Jahr zuvor waren es noch gut 10 000 mehr.

Zu den Gründen von Kirchenaustritten gibt es im Südwesten kaum gesicherte Informationen. Eine längere Distanzierung von der Kirche sei ebenso ein Grund wie finanzielle Motive, sagte ein Sprecher der Diözese Rottenburg-Stuttgart. Aus Freiburg hieß es, dass Priester zwar Gespräche nach einem Austritt anböten, es aber keine Erkenntnisse über die Ergebnisse gebe. Ein Sprecher der Evangelischen Kirche Württemberg sagte, es würden theologische, politische oder finanzielle Gründe genannt. Bei Wiederaufnahmen höre man häufig: „Ich habe festgestellt: Die Kirche fehlt mir, ich möchte wieder eintreten!“.

Damit Kirchenbesucher nicht zu oft vor verschlossenen Türen der Gotteshäuser stehen, gibt es bei der Evangelischen Kirche in Baden-Württemberg das Projekt „Geöffnete Kirchen“. Landesbischof Frank Otfried July sei sehr dafür, Kirchen wo es geht offen zu halten. „Kirchenräume haben eine besondere, stille Atmosphäre von Trost und Geborgenheit“, sagte der Landesbischof. In der Evangelischen Landeskirche Baden sind nach Angaben einer Sprecherin rund 10 Prozent der 750 Kirchen offen.

In der Diözese Freiburg seien die Kirchen im Normalfall ganztägig geöffnet, sagte ein Sprecher. Anders in Rottenburg-Stuttgart: Nicht überall sei es möglich, die Kirchen immer zu öffnen, weil es an Aufsichtspersonal fehle. Es gebe Fälle von Vandalismus und Diebstahl.

Die Ankunft vieler Flüchtlinge in Deutschland seit 2015 macht sich in den Statistiken der Kirchen kaum bemerkbar. Die Zahl von Übertritten vom muslimischen zum christlichen Glauben sei klein und liege im Erzbistum Freiburg bei rund zehn Fällen im Jahr. Das Referat Glaubensfragen und Ökumene der Diözese Rottenburg-Stuttgart verzeichnete 8 Anträge von Taufinteressenten muslimischen Glaubens im Jahr 2015 und 35 Anträge 2016.

Erzbistum Freiburg

Projekt "Geöffnete Kirche"

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